Einigung zwischen Ryanair und deutschen Piloten

04.12.2018 - 11:54 0 Kommentare

Die deutsche Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit einigt sich mit Ryanair auf Eckpunkte für ein Tarifwerk. Auch die Situation der selbständig Beschäftigten sei geklärt.

Boeing 737 von Ryanair. - © © AirTeamImages - Simone Ciaralli

Boeing 737 von Ryanair. © AirTeamImages /Simone Ciaralli

Der irische Billigflieger Ryanair hat nach eigenen Angaben eine Grundsatzlösung im Tarifkonflikt mit den deutschen Piloten erzielt. Demnach gilt die Vereinbarung mit der Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) vier Jahre. Endgültig soll das Tarifwerk Ende Februar unterzeichnet werden.

Beide Seiten wollen bis Ende März insgesamt vier Tarifverträge schließen, heißt es in einem internen Schreiben der VC, das airliners.de vorliegt. Neben Arbeits- und Vergütungsbedingungen sollen bis Ende März ein Sozialplan ausgearbeitet und eine Personalvertretung eingerichtet werden. Auf Grundlage dieser können dann unabhängig von der Gesetzesänderung, die im Mai in Kraft tritt, auch ohne das Kabinenpersonal Betriebsräte gewählt werden.

© dpa, Niall Carson Lesen Sie auch: Änderung der Mitbestimmung: Die Geister, die Ryanair rief Gastbeitrag

Für das erste Quartal 2019 sei Friedenspflicht für die jeweiligen Verträge vereinbart worden. Danach könne wieder gestreikt werden, heißt es in dem VC-Papier. Denn die VC hatte sich bei dem Mitgliedervotum über Streiks bei Ryanair auch das Mandat für Arbeitskämpfe um einen Manteltarifvertrag eingeholt.

Gehalt: Variabler Anteil sinkt

Unter anderem haben sich VC und Ryanair darauf geeinigt, dass für sämtliche in Deutschland beschäftigten Piloten des Low-Costers ab Februar deutsches Arbeitsrecht gelten soll. Gerade diese Forderung war immer wieder ein Knackpunkt in den Verhandlungen.

Gleichzeitig werde die Vergütungsstruktur verändert, heißt es. Der bislang "sehr hohe variable Anteil" am Pilotengehalt werde reduziert, was wiederum zu einer Erhöhung des Grundgehalts führe. Das bisherige Einsatzmodell von fünf Diensttagen und anschließend vier freien Tagen bleibe nach der Vereinbarung zudem erhalten.

Hinzu kommt, dass ab April die Einkommenssteuer in Deutschland gezahlt werden muss - und nicht mehr in Irland. Dies wird laut VC das Nettogehalt erhöhen.

Beobachter loben das Eckpunktepapier

Beobachter wiesen darauf hin, dass das "Cornerstone Agreement" nur für die deutschen bei Ryanair festangestellten Piloten gelte. Noch im Juli hatte der Billigflieger aber einen großen Anteil von Flugzeugführern, die selbständig im Cockpit beschäftigt waren ("Contractor-Modell"). Die VC teilt auf Nachfrage von airliners.de mit, dass inzwischen alle Ryanair-Piloten in Deutschland festangestellt seien.

Beim Gehalt bestätige sich im Detail das angekündigte Plus - vor allem dank der Steigerung des Grundgehalts. Damit gehe das Beschäftigungsrisiko zu einem größeren Teil von Piloten auf den Arbeitgeber über. Denn: Im Winter wird weniger geflogen - die Einbußen tragen aber nicht mehr die Flugzeugführer.

Auch sei bis 2022 eine jährliche Steigerung der Gehälter eingepreist. Insgesamt wiesen die Punkte auf einen guten ersten Schritt hin, Verträge ähnlich dem Niveau von Tuifly zu erzielen. Das Gehalt sei vergleichbar mit dem der Eurowings Europe, heißt es.

VC-Präsident Martin Locher lobte die Vereinbarung als "gelungen":

Ich freue mich, dass nach dem Scheitern der Verhandlungen in diesem Sommer nun der Wiedereinstieg in einen konstruktiven Dialog gelungen ist.

Martin Locher, VC-Präsident

Den Abschluss eines Tarifvertrags über betriebliche Mitbestimmung führte der Pilot auch auf die Gesetzesänderung des Betriebsverfassungsgesetzes zurück. "Bleibt zu hoffen, dass neben Ryanair und Sun Express auch andere Flugbetriebe, wie Germania und Aerologic jetzt zeitnah an den Verhandlungstisch kommen, um eine Sozialpartnerschaft mit der VC zu begründen."

Arbeitskämpfe im Sommer

Nach mehreren Streiks im Sommer waren die Verhandlungen zwischen Ryanair und VC zusammen mit zwei Schlichtern wieder aufgenommen worden. Die Juristen Holger Dahl und Stefan Simon haben laut Gewerkschaft die Gespräche moderiert. Beide hätten sich schnell in die Themen eingearbeitet.

Die VC hatte die deutschen Ryanair-Piloten in diesem Jahr dreimal zum Streik aufgerufen. Hinzu kommt ein zweistündiger Warnstreik Ende vergangenen Jahres. Allein beim letzten Streik mit deutscher Beteiligung strich Ryanair einer airliners.de-Auswertung zufolge hierzulande fast 40 Prozent der Flüge. Der Low-Coster dementierte die Zahlen damals und sprach davon, dass 80 Prozent der Deutschland-Verbindungen planmäßig durchgeführt würden.

Ryanair-Chef Michael O'Leary machte vor allem wegen der Ausstände die VC verantwortlich für die Verzögerungen in den Verhandlungen:

© dpa, Jasper Jacobs Lesen Sie auch: "Viele Airlines werden den Winter nicht überleben" Interview mit Ryanair-Chef O'Leary

Neben den Piloten in mehreren europäischen Ländern legte auch das Kabinenpersonal von Ryanair europaweit mehrfach die Arbeit nieder.

Streiktermine bei Ryanair

Piloten:

  • 21. Dezember 2017: Warnstreik in Deutschland;
  • 13., 20., 24. Juli, 3. August: Irland;
  • 10. August: Belgien, Deutschland, Irland, Niederlande, Schweden;
  • 12. September: Deutschland;
  • 28. September: Belgien, Deutschland, Niederlande.
  • Flugbegleiter:

    • li>30. März, 1. und 3. April: Portugal;
    • 25. Juli: Belgien, Italien, Portugal und Spanien;
    • 26. Juli: Belgien, Portugal und Spanien;
    • 12. September: Deutschland (Verdi);
    • 28. September: Belgien, Deutschland (Verdi), Italien, Niederlande, Portugal und Spanien.

Bei den Auseinandersetzungen in Cockpit und Kabine standen neben der Bezahlung vor allem die Arbeitsbedingungen im öffentlichen Interesse: Denn sowohl Flugbegleiter als auch Piloten sind häufig nicht direkt beim Billigflieger angestellt. Im Cockpit waren viele Flugzeugführer im "Contractor-Modell" über Ich-AGs beschäftigt - in die Ryanair-Kabine kommen die meisten Flugbegleiter über Zeitarbeitsfirmen.

Von: cs
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