Verdi und Ufo konkurrieren nicht nur um Eurowings-Flugbegleiter

22.11.2016 - 16:07 0 Kommentare

Schon wieder streiken bei Eurowings die Flugbegleiter - allerdings nicht dieselben wie im vergangenen Monat. Wird der Gewerkschaftswettstreit bei Eurowings zum Lufthansa-Testfall für das neue Tarifeinheitsgesetz?

Marketing-Motiv der Eurowings. - © © Eurowings -

Marketing-Motiv der Eurowings. © Eurowings

Streikende Flugbegleiter haben am Dienstag Teile der Eurowings am Boden gehalten. Es ist der zweite Ausstand bei der Lufthansa-Billigtochter innerhalb weniger Wochen: Schon Ende Oktober hatte das Eurowings-Kabinenpersonal gestreikt.

Dabei geht es um mehr als nur um einen neuen Tarifvertrag für die rund 480 Flugbegleiter der Eurowings GmbH: Zum Leidwesen der Passagiere konkurrieren nämlich gleich zwei Gewerkschaften um die Vorherrschaft und das Recht, einen Tarifvertrag abzuschließen.

Verdi und Ufo verhandeln parallel mit Eurowings

So hatte Ende Oktober bereits die Unabhängige Flugbegleiter Organisation (Ufo) zum Streik bei Eurowings aufgerufen. Aktuell streiken dagegen die Eurowings-Flugbegleiter der Verdi. Die Dienstleistungsgewerkschaft hatte schon im September einen Warnstreik des Kabinenpersonals bei Eurowings organisiert, in dessen Folge acht Flüge ausfielen.

Verdi verlangt für die Flugbegleiter sieben Prozent mehr Gehalt und Zulagen sowie eine bessere Anrechnung der Dienstzeiten am Boden und eine Beteiligung an den Bordverkäufen.

Verdi-Fahne vor einem Abflug-Schild Foto: © dpa, Federico Gambarini

Bei den Ufo-Streiks Ende Oktober ging es derweil um Tarifforderungen zum Vergütungs- und Manteltarifvertrag, zur betrieblichen Altersversorgung, zum Mitarbeiterfonds und zur Arbeitsplatzsicherung. Zeitgleich wurde auch Germanwings bestreikt, und zwar wegen eines gescheiterten Teilzeittarifvertrags.

Mit rund 400 Flugausfällen waren die Auswirkungen der Ufo-Aktionen somit insgesamt deutlich größer als die der Verdi-Ausstände, doch so einfach ist es nicht:

Einserseits hat seit 2008 ausschließlich die Gewerkschaft Ufo bei der Lufthansa-Tochter neue Tarifverträge für die Flugbegleiter abgeschlossen. Andererseits beansprucht Verdi neuerdings für sich, bei der Eurowings GmbH die stärkere Gewerkschaft zu sein.

Es geht um mehr als Eurowings

Hintergrund für den Gewerkschaftswettstreit dürften das neue Tarifeinheitsgesetz sein, das die Spartengewerkschaften auch im Lufthansa-Konzern vor neue Herausforderungen stellt. Danach könnte nur die mitgliederstärkere Gewerkschaft einen Tarifvertrag durchsetzen - und das sind schwerlich die Flugbegleiter oder gar die Piloten.

Die Antwort von Ufo-Chef Nicoley Baublies ist dabei die neue Industriegewerkschaft Luftverkehr (IGL), die sowohl für Flugbegleiter, als auch für Piloten und Bodenbeschäftigte zuständig sein soll.

Nicoley Baublies ist Vorsitzender der Flugbegleitergewerkschaft Ufo. Foto: © dpa, Frank Rumpenhorst

Der Vorstoß für eine umfassende Luftfahrt-Gewerkschaft unter Beteiligung der Spartengesellschaften stellt dabei die gewohnte Aufteilung zwischen Kabine, Cockpit und Boden in Frage. Ufo ist bereits Mitglied der IGL, während sich die Piloten noch zurückhalten.

Allerdings ist Verdi bei der Lufthansa bislang für die zahlenmäßig große Gruppe der Bodenbediensteten zuständig. Im neuen Konstrukt muss sie nun befürchten, in die zweite Reihe gedrängt zu werden. Daher sieht sie sich jetzt auch für Verhandlungen im Namen des fliegenden Personals berufen und wittert vor allem bei den neuen Lufthansa-Töchtern wie Eurowings ihre Chance.

Wer hat die meisten Mitglieder?

Bei der deutschen Eurowings GmbH ist derweil weiter völlig unklar, ob nun Verdi oder doch Ufo mehr Mitglieder hat. Sollten beide Gewerkschaften einen Tarifvertrag erreichen, müsste ein Tarifeinheitsverfahren in Gang gesetzt werden. So könnte die Fluggesellschaft tatsächlich zum ersten Testfall für das neue Tarifeinheitsgesetz und so zur Blaupause für die ganze Lufthansa werden.

© dpa, Arne Dedert Lesen Sie auch: Lufthansa könnte zum ersten Testfall für Tarifeinheit werden

Ufo hat nun bereits eine Dreier-Schlichtung vorgeschlagen, um zu einem einheitlichen Tarifergebnis bei den Eurowings-Flugbegleitern zu kommen. Dies wird auch Eurowings unterstützt, aber nur sofern alle Partner einverstanden sind. Oberstes Ziel sei die Tarifeinheit, erklärte ein Eurowings-Sprecher. Verdi-Bundesvorstand Christine Behle sieht das offensichtlich anders: "Als mitgliederstärkste Gewerkschaft bei Eurowings bestehen wir auf einem eigenständigen Tarifabschluss", erklärte sie zum Streikaufruf.

© dpa, Axel Heimken Lesen Sie auch: Eurowings-Kabinenpersonal streikt in Hamburg und Düsseldorf

Von: dh mit dpa, AFP
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