Verdi fordert "Rettungsprogramm" für Air-Berlin-Beschäftigte

28.09.2017 - 17:43 0 Kommentare

Verdi will mit Air Berlin, Lufthansa und Easyjet verhandeln. Ein "dreiseitiger Tarifvertrag" sowie ein "Rettungsprogramm" sollen die Folgen der Zerschlagung für die Mitarbeiter der insolventen Airline abfedern.

#ich bin ein airberliner steht auf dem Aufkleber einer Mitarbeiterin der insolventen Fluggesellschaft Air Berlin. - © © dpa - Paul Zinken

#ich bin ein airberliner steht auf dem Aufkleber einer Mitarbeiterin der insolventen Fluggesellschaft Air Berlin. © dpa /Paul Zinken

Vor dem Verkauf der Air Berlin will Verdi die Arbeitsplätze vertraglich sichern. Die Gewerkschaft fordert einen Tarifvertrag zwischen der insolventen Airline, dem jeweiligen Käufer und Verdi. Zunächst einmal reiche ein "dreiseitiger Tarifvertrag", der die "verbal zugesicherten 80 Prozent der Arbeitsplätze" fixiere.

Für diejenigen, die nicht zu den Käufern wechseln können, müsse es einen Sozialplan und eine Transfergesellschaft geben. Viele Beschäftigte seien dramatisch verunsichert, schon auf Jobsuche oder sähen sich von November an in der Arbeitslosigkeit.

Vorstandsmitglied Christine Behle will nun bei einem Treffen mit der Unternehmensführung an diesem Freitag darüber beraten. "Wir wollen dann mit allen anderen Käufern sprechen und echte Verhandlungen führen", so Behle. Ziel sei ein "Rettungsprogramm" für die Beschäftigten.

Air Berlin verhandelt zurzeit exklusiv mit dem Marktführer Lufthansa und der britischen Fluggesellschaft Easyjet über den Verkauf ihrer Flotte. Bis zum 12. Oktober soll das Geschäft perfekt sein.

Wir sind auf dem Weg, für rund 80 Prozent unserer Kolleginnen und Kollegen gute Chancen für neue Arbeitsplätze bei den Bietern erreichen zu können.

Air-Berlin-CEO Thomas Winkelmann am 25.09.2017

Air-Berlin-Vorstandschef Thomas Winkelmann hatte am Montag versichert, es gebe gute Jobperspektiven für einen Großteil der Beschäftigten. Die Mitarbeiter müssen sich bei den Bietern aber neu bewerben, wie die insolvente Airline deutlich machte. Die Gewerkschaften befürchten, dass die Mitarbeiter in diesem Fall deutliche Gehaltseinbußen in Kauf nehmen müssten.

Auch die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) forderte einen geordneten Übergang. Die Piloten fordern von den Bietern "konkrete Zusagen im Sinne der Air-Berlin-Beschäftigten". Mit der Übernahme von Flugzeugen, Slots und Streckenrechten gehe auch "soziale Verantwortung" einher, mahnte die VC.

Air-Berlin-Mitarbeiter stark umworben

Der Lufthansa-Billigflieger Eurowings bereitet sich schon auf die Übernahme vor. Die neuen Mitarbeiter sollen sich allerdings neu bewerben. Aktuell habe man mehr als 1000 Stellen ausgeschrieben, wie die Airline mitteilte: 300 für Piloten, 500 für Flugbegleiter und mehr als 200 Stellen am Boden. Für Air-Berlin-Piloten, die sich bewerben, gelte ein "verkürztes Auswahlverfahren".

© airberlin, Lesen Sie auch: Konkurrenz reißt sich um Air-Berlin-Piloten

Piloten der insolventen Air Berlin können allerdings aus einer Fülle von Angeboten wählen. Neben dem Lufthansa-Konzern hatten bereits Qatar Airways, Wizz Air und Cargolux kurzfristig Veranstaltungen zum Abwerben der Cockpitcrews aufgelegt. Für die Kabinenbeschäftigten der Air Berlin hatten derweil sowohl die Flugbegleitergewerkschaft Ufo als auch Verdi schon Grundlagen zur Übernahme verghandelt.

© dpa, Bernd Thissen Lesen Sie auch: Eurowings und Verdi vereinbaren Grundlagen zur Personalübernahme

Für die Beschäftigten am Boden sieht die Situation derweil anders aus. Schätzungen gehen davon aus, dass allein in der Hauptverwaltung in Berlin rund 1400 Stellen wegfallen werden. Zu den Betroffenen dürften viele Bürokräfte, IT-Fachleute und Verwaltungsmitarbeiter zählen.

Das Land Berlin arbeitet Medienberichten zufolge bereits gemeinsam mit der Bundesagentur für Arbeit an einer Transfergesellschaft für Air-Berlin-Mitarbeiter, die nach der Insolvenz und dem Verkauf der Fluggesellschaft keine Chance auf eine Weiterbeschäftigung haben.

© dpa, Paul Zinken Lesen Sie auch: Gewerkschaften fordern Betriebsübergänge bei Air-Berlin-Aufteilung

Von: dh mit dpa
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