Verdi-Mitglieder lassen Security-Tarifeinigung platzen

19.02.2019 - 07:00 0 Kommentare

Nach einem negativen Mitglieder-Votum bei Verdi kann der erste bundesweite Tarifvertrag für das Sicherheitspersonal an Flughäfen doch nicht wie geplant in Kraft treten. Im März folgen neue Verhandlungen.

Ein Fluggastkontrolleur tastet einen Passagier mit einer Handsonde ab - © © dpa, O. Berg -

Ein Fluggastkontrolleur tastet einen Passagier mit einer Handsonde ab © dpa, O. Berg

Gut drei Wochen nach der Einigung auf einen Tarifvertrag für das Flughafen-Sicherheitspersonal kann die Neuregelung nicht wie geplant Anfang März in Kraft treten. Wie die Gewerkschaft Verdi am Montagabend mitteilte, stimmten bei einer Mitgliederbefragung 55 Prozent der Teilnehmer dem neuen Vertrag nicht zu.

"Die Verhandlungen sind damit nicht gescheitert", erklärte Verdi-Bundesvorstandsmitglied Ute Kittel. "Nach dem knapp ablehnenden Votum wollen wir aber strittige Punkte des inzwischen vorliegenden Tarifvertragstextes und weitere Kritikpunkte nachverhandeln." Einzelheiten sollten im Gespräch mit der Arbeitgeberseite genannt werden.

Neue Warnstreiks drohen nach Gewerkschaftsangaben zunächst nicht. "Im Moment geht es nur um Gespräche", hieß es auf Anfrage. Mit dem Bundesverband der Luftsicherheitsunternehmen BDLS sei am Dienstag der Rahmen für Folgegespräche festgezurrt worden. Die Termine fänden im März statt, Ort und Zeit blieben jedoch geheim, um "in Ruhe verhandeln" zu können, teilte die Dienstleistungsgewerkschaft mit.

Erster bundesweiter Tarifvertrag gilt als Meilenstein

Der BDLS reagierte mit Unverständnis. "Dieses Verhalten verhindert das Inkrafttreten des neuen Entgelttarifvertrages und damit die Auszahlung der vereinbarten Lohnsteigerungen in den nächsten Monaten", sagte BDLS-Präsident Udo Hansen. Nach der erzielten Einigung mit "massiven Erhöhungen" könne man nicht nachvollziehen, welche Gründe bei Verdi zu dieser Entscheidung geführt haben könnten. Dass eine bereits vereinbarte Tarifeinigung noch einmal nachverhandelt werden soll, gilt als eher selten in der deutschen Tariflandschaft.

Verdi und der BDLS hatten sich im Januar nach intensiven Verhandlungen auf den ersten bundesweiten Tarifvertrag geeinigt. Er sieht für die rund 23.000 Beschäftigten der privat organisierten Branche in den kommenden drei Jahren - je nach Region und Tätigkeit - Erhöhungen von jährlich 3,5 bis 9,77 Prozent vor. Die Gewerkschaft hatte in dem Tarifkonflikt ihren Forderungen zuvor mehrfach mit Warnstreiks Nachdruck verliehen. Hunderte Flüge fielen aus, zahlreiche Passagiere waren betroffen.

© Securitas, Lesen Sie auch: Tarifeinigung: Keine 20 Euro Stundenlohn

Das Tarifwerk gilt in der Branche als Meilenstein. An die Stelle regionaler Tarifverträge für das Sicherheitspersonal soll ein bundesweiter Abschluss mit dem Bundesverband der Luftsicherheitsunternehmen treten. Er sieht Erhöhungen in drei Schritten vor, jeweils zum 1. März 2019, zum 1. Januar 2020 und zum 1. Januar 2021.

Von: dh mit dpa, AFP
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