Interview

"Verdi muss uns entgegenkommen"

22.01.2019 - 07:09 0 Kommentare

Die Chefin des Arbeitgeberverbands BDLS, Cornelia Okpara, spricht kurz vor der nächsten Verhandlungsrunde im Interview mit airliners.de über den Tarifkonflikt im Luftsicherheitsbereich. Sie skizziert, an welchen Punkten Arbeitnehmer und -geber auseinanderliegen - und was sie in der vergangenen Woche von Verdi überrascht hat.

Koffer im Gepäckscanner. - © © Flughafen Düsseldorf -

Koffer im Gepäckscanner. © Flughafen Düsseldorf

20 Euro Stundenlohn fordert die Gewerkschaft Verdi für die 23.000 Luftsicherheitsassistenten bundesweit. Es ist das erste Mal, dass mit dem Arbeitgeberverband BDLS verhandelt wird - und dazu geht es direkt um einen bundesweit einheitlichen Abschluss. Das man den erzielen wird, ist sich BDLS-Chefin Cornelia Okpara sicher und sagt im Gespräch mit airliners.de: "Gleicher Lohn für gleiche Arbeit ist gut" - nur bei den Fragen, wie hoch dieser sein soll und wann man die regional unterschiedliche Bezahlung komplett auf eine Zahl gebracht hat, sei noch strittig.

airliners.de: Frau Okpara, die Arbeitgeberseite hat ein neues Angebot angekündigt - wie sieht dieses aus?
Cornelia Okpara:
Genau das sage ich hier und jetzt nicht. Die Tarifarbeit wird während der Verhandlungen gemacht und nicht über die Presse. Wir sehen das so, dass Verdi am Mittwoch auch auf uns zukommen muss. Denn die Gewerkschaft hat sich an insgesamt fünf Verhandlungstagen gar nicht bewegt. Die Forderung von 20-Euro-Stundenlohn gab es von Anfang an, und von der sind sie bislang nicht einen Zentimeter abgerückt. Da erwarten wir ein Entgegenkommen.

Sie bieten bis zu 6,4 Prozent und Verdi will bis zu 40 Prozent mehr - wo ist da die Mitte?
Da gibt es mehrere Stellschrauben bei Tarifverhandlungen. Man könnte sich ja beispielsweise auch über die Laufzeit des Vertrags annähern. Wenn man diese erhöht, kann man natürlich auch ein paar Cent drauflegen ...

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© BDSW

Cornelia Okpara ist Chefin des im vergangenen Jahr gegründeten Bundesverbands der Luftsicherheitsunternehmen (BDLS) und seit 2013 stellvertrende Hauptgeschäftsführerin des Mutterverbands BDSW. Sie ist zuständig für die Tarifpolitik des BDSW in vier Bundesländern und neben der Aviation auch für den Rahmentarifvertrag zum Ausstieg aus der Kernenergie.

Bitte vervollständigen Sie: 20 Euro Stundenlohn für einen Beruf mit sechswöchiger Anlernzeit ist zu viel, weil ...
Hmm. 'Weil' passt aus meiner Sicht nicht so ganz. Die Forderung ist im Moment deutlich zu hoch im Vergleich zu Ausbildungsberufen. Im Moment ist das den Menschen nicht vermittelbar. Natürlich sind Luftsicherheitsassistenten durch die jährliche Rezertifizierungsprüfung am Flughafen in einer besonderen Situation. Das ist schon ein immenser Druck für die Beschäftigten, weswegen die Bezahlung auch höher liegt als bei anderen Anlernberufen. Aber man muss auch sehen, dass wir die Entlohnung für diese Tätigkeit in den vergangenen acht Jahren schon um mehr als 50 Prozent erhöht haben. Insofern muss man jetzt mal den Ball flachhalten und wieder zu Tariferhöhungen kommen, die sich an denen anderer Branchen anlehnen.

Neben dem Geld geht es auch um die Forderung eines flächendeckenden Tarifvertrags für ganz Deutschland - da liegen Verdi und BDLS auch auseinander. Finden Sie die Idee nicht gut?
Doch, absolut. Nur, wir haben große Sprünge beim bisherigen Verdienst - die Spreizung liegt bei 14,70 Euro und 17,16 Euro. Wenn wir alles auf eine Entlohnung bringen wollen, dann braucht das eine gewisse Zeit. Wir sagen, da brauchen wir fünf Jahre - und das ist Verdi zu lang. Das ist aus unserer Sicht noch verhandelbar.

Wie zeitgemäß ist denn die Angleichung, wenn ich überlege, dass die Lebenshaltungskosten in München ganz andere sind als beispielsweise in Dortmund?
Von dem Denkmuster müssen wir weg. Nehmen wir Nordrhein-Westfalen. Mit 17,05 Euro haben Luftsicherheitsassistenten dort einen relativ hohen Stundenlohn. Aber es ist eben etwas anderes, ob sie im Westerwald wohnen oder in Düsseldorf. Wenn wir da auch noch differenzieren würden, gäbe es nicht nur die Unterschiede nach Bundesländern. Ich finde den Ansatz ganz gut, zu sagen: Gleicher Lohn für gleiche Arbeit.

Wie viel Verständnis haben Sie für Warnstreiks, die an insgesamt zwölf Airports über zum Teil 24 Stunden laufen?
Dafür habe ich gar kein Verständnis. Für mich sind das auch keine Warnstreiks mehr. Denn wir hatten ja bereits einen neuen Verhandlungstermin angesetzt und Verdi ging es nur darum zu zeigen, wie mächtig sie sind. In der Sache hätten auch Streiks wie am ersten Tag in Berlin-Tegel von bis zu vier Stunden ausgereicht. Denn es ging ja nicht darum, uns wieder an den Verhandlungstisch zu holen - wie zum Beispiel bei der Bahn. Insofern waren die Streiks aus meiner Sicht völlig überzogen.

Dass Sie nicht wieder an den Verhandlungstisch kommen wollen, bestreitet ja auch keiner. Nur Verdi kritisiert, dass kein neues Angebot kommt und deswegen die Warnstreiks ausgeweitet wurden ...
Sowas macht man auch nicht außerhalb der Tarifrunden. Ich bin seit 25 Jahren in der Tariflandschaft tätig und immer heißt es: Neue Angebote gibt es am Verhandlungstisch. Es sei denn, eine Seite will nicht mehr reden. Das Verdi-Gebaren, wir sollten zwischendrin mal ein neues Angebot vorlegen, hat mich schon sehr überrascht.

Vielen Dank für das Gespräch, Frau Okpara.

Von: cs
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