Gewerkschaft: Fume Events werden nicht ernst genommen

03.06.2016 - 16:49 0 Kommentare

Noch ist nicht geklärt, wie gefährlich Fume Events für die Gesundheit sind. Den Dunst-Ereignissen wird nicht genügend Aufmerksamkeit geschenkt, findet die Gewerkschaft Verdi und berichtet von "sozialen Härtefällen".

Eine Boeing 737-800 fliegt zur blauen Stunde über die Anflugbefeuerung vom Flughafen Hannover. - © © dpa - Christoph Schmidt

Eine Boeing 737-800 fliegt zur blauen Stunde über die Anflugbefeuerung vom Flughafen Hannover. © dpa /Christoph Schmidt

Es ist ein Thema, das die Luftfahrtbranche regelmäßig beschäftigt: Fume Events. Der Begriff beschreibt Vorfälle an Board einer Maschine, die mit der Verunreinigung von Kabinenluft zusammenhängen. Vor allem das fliegende Personal ist davon betroffen. Doch noch ist nicht wirklich erforscht, wie sich die Dunst-Ereignisse auf die Gesundheit auswirken.

Geht es nach der Gewerkschaft Verdi, wird den Fume Events nicht genügend Aufmerksamkeit und Anerkennung gewidmet. "Betroffene fühlen sich zu Bittstellern degradiert und werden häufig zu sozialen Härtefällen, weil eine Anerkennung als Berufskrankheit oder Arbeitsunfall verweigert wird", sagte jetzt Verdi-Luftfahrtexperte Robert Hengster.

Laut einer Gewerkschafts-Mitteilung häufen sich in den vergangenen Jahren die Fälle mit zum Teil schwerwiegenden Erkrankungen. Gleichzeitig gebe es bei der zuständigen Berufsgenossenschaft Verkehr (BG Verkehr) eine "restriktive Anerkennungspraxis", wie es weiter hieß. Um das zu ändern, sei ein Gespräch mit dem Vorstand der gesetzlichen Unfallversicherung geplant.

© dpa, Fotomontage: airliners.de Luftrechtskolumne Giftiger Gestank? So ist die Rechtslage in Sachen "fume events"

Der BG Verkehr liegen für den Zeitraum von Januar 2014 bis Februar 2016 rund 1000 Fälle vor, bei denen das Bordpersonal angibt, durch Stoffe in der Kabinenluft vergiftet worden zu sein. Das berichtet aktuell die "Welt". Die Zeitung beruft sich bei den Zahlen auf eine Kleine Anfrage des Grünen-Bundestagsabgeordneten Markus Tressel.

Mediziner aus Göttingen hatten bei einer Untersuchung tatsächlich Schadstoffe in der Luft von Flugzeugkabinen gefunden. Fast drei Jahre lang wurden dafür Proben von Menschen genommen, die nach dem Flug über Beschwerden klagten - darunter hauptsächlich Mitglieder der Crews.

© dpa, Swen Pförtner Lesen Sie auch: Göttinger Forscher finden Schadstoffe in Luft von Flugzeugkabinen

Die Lufthansa hatte in ihren Maschinen zusammen mit der Medizinischen Hochschule Hannover eigene Test durchgeführt und kam zu dem Ergebnis: Die Luft in den Flugzeugkabinen ist so sauber wie in Arbeitsräumen am Boden.

Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) setzt sich bereits seit längerem dafür ein, das Risiko von Fume Events für Crew und Passagiere durch entsprechende Technik zu senken. In den meisten Verkehrsflugzeugen wird die Kabinenluft aus den Triebwerken abgezapft. Diese Frischluft kann zum Beispiel mit Giftstoffen aus Triebwerksölen verunreinigt sein oder Substanzen, die durch deren Verbrennung entstehen.

Es gibt aber auch Flugzeugtypen, bei denen die Frischluft aus der normalen Umgebungsluft gezogen wird, ohne vorher durch ein Triebwerk geleitet zu werden. Das ist zum Beispiel bei der Boeing 787 "Dreamliner" der Fall.

Beim Bleed- bzw. Zapfluftsystem wird Außenluft über die Triebwerke angesaugt (1). Danch wird die heiße komprimierte Luft gekühlt (2) und mit aus der Kabine zurückgeführter, gefilterter Luft gemischt (3). Das Gemisch aus angesaugter Außenluft und "recycelter" Kabinenluft (Rezirkulationskreislauf) wird in der Kabine verteilt (4). Während Außenluft eintritt, wird gleichzeitig verbrauchte Luft aus der Kabine abgeleitet (5). (Quelle: Vereinigung Cockpit) Foto: © Haisam Hussein

Es tut sich auf jeden Fall etwas beim Thema Fume Events. Laut VC wurde bereits die Bildung von Kompetenzzentren an deutschen Unikliniken vereinbart. Dort sollen Erfahrungen aus den Bereichen Toxikologie und Arbeitsmedizin gebündelt werden.

Außerdem richteten die Grünen einen Apell an die Bundesregierung. Diese solle den serienmäßigen Einsatz von Mess- und Warnsystemen in allen Maschinen durchsetzen, hieß es. Und der Leiter der BG-Abteilung Prävention, Jörg Hedtmann, forderte laut "Welt" die deutschen Airlines auf, das Thema Giftstoffe in der Atemluft künftig bei den gesetzlich vorgeschriebenen Gefährdungsanalysen zu beachten.

Von: ch
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