Lufthansa streicht jeden zweiten Flug

09.04.2018 - 13:19 0 Kommentare

Streik von Verdi an vier deutschen Flughäfen: Die Lufthansa streicht für Dienstag die Hälfte der geplanten Verbindungen - dies sind rund 740 Verbindungen. airliners.de mit einer Auswertung der Annullierungen an deutschen Airports.

Die Streiks bei der Lufthansa haben 2015 für viele Schlagzeilen gesorgt. - © © dpa - Fredrik von Erichsen

Die Streiks bei der Lufthansa haben 2015 für viele Schlagzeilen gesorgt. © dpa /Fredrik von Erichsen

Wegen des für Dienstag angekündigten Verdi-Warnstreiks an vier deutschen Flughäfen hat die Lufthansa rund die Hälfte der von allen Group-Airlines geplanten Flüge gestrichen. Statt 1600 sollen nur rund 740 Flüge an den Airports Frankfurt, München, Köln und Bremen stattfinden, wie das Unternehmen mitteilte. Unter anderem fallen demnach 58 Interkontinentalflüge aus.

Von den Streichungen seien rund 90.000 Passagiere betroffen. Die Kunden könnten einmalig ihren Flug kostenfrei umbuchen oder im Inland auf die Bahn ausweichen, hieß es vom Luftfahrtkonzern. Alle Informationen dazu finden Sie hier. Am Mittwoch solle der Flugbetrieb wieder planmäßig stattfinden.

Lufthansa-Streichungen in Deutschland

Deutschlandweit fallen am Dienstag im gesamten Lufthansa-Konzern mit fast 860 von über 1100 Flügen rund 44 Prozent der Verbindungen aus. Prozentual die meisten Streichungen gibt es mit jeweils 75 Prozent in Bremen und Friedrichshafen: Allerdings sind es dort absolut gesehen nur zwölf beziehungsweise drei Streichungen.

Absolut betrachtet werden an den beiden Kranich-Hubs in Frankfurt (352) und München (333) die meisten Verbindungen annulliert, allerdings sind dies auch die größten Standorte der Lufthansa-Group mit 627 beziehungsweise 502 Flügen.

Lufthansa-Group-Flüge in Deutschland
planmäßig annulliert
FRA 43.9 56.1
MUC 33.7 66.3
TXL 74.8 25.2
HAM 79.9 20.1
DUS 91.6 8.4
HAJ 76.9 23.1
CGN 71.7 28.3
BRE 25.0 75.0
STR 89.8 10.2
DRS 63.6 36.4
LEJ 57.1 42.9
NUE 77.1 22.9
FMO 44.4 55.6
PAD 57.1 42.9
FDH 25.0 75.0
DTM 100 0.0
SCN 100 0.0

An den fünf Flughäfen FKB, NRN, HHN, SXF und ERF sind keine Flüge der Lufthansa Group für den 10. April angesetzt. Die Reihenfolge der Airports richtet sich nach der Anzahl der geplanten Abflüge.Quelle: Lufthansa, eigene Berechnung | Stand: 9. April, 16 Uhr

Lufthansa-Personalchefin Bettina Volkens reagierte empört auf die "Warnstreik-Eskalation" im öffentlichen Dienst. "Es ist vollkommen inakzeptabel, dass die Gewerkschaft diesen Konflikt auf dem Rücken unbeteiligter Fluggäste austrägt. Lufthansa ist gar nicht Partei in diesem Tarifkonflikt, dennoch sind vor allem unsere Kunden und wir von den Folgen der Auseinandersetzung betroffen", sagte sie.

Art und Ausmaß des nahezu flächendeckenden und ganztägigen Warnstreiks seien "zu diesem Zeitpunkt unangebracht und unverhältnismäßig". Streikhandlungen müssen die Ultima Ratio einer Tarifauseinandersetzung sein. "Wir bedauern, dass die Reisepläne so vieler Kunden durch diesen Streik von Verdi beeinträchtigt werden und versuchen, die Auswirkungen so gering wie möglich zu halten."

Verdi fordert sechs Prozent mehr Geld

Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi bestreikt im Tarifstreit um die Bezahlung im öffentlichen Dienst die Flughäfen Bremen, Frankfurt, Köln/Bonn und München. Verdi und der Beamtenbund dbb fordern für die 2,3 Millionen Beschäftigten von Bund und Kommunen sechs Prozent mehr Geld, mindestens aber 200 Euro pro Monat. Am kommenden Sonntag beginnt in Potsdam die dritte Verhandlungsrunde. Sie soll ein Ergebnis bringen.

An den einstmals staatlich betriebenen Flughäfen werden noch zahlreiche Beschäftigte nach dem Tarif des öffentlichen Dienstes bezahlt. Verdi kündigte an, vor allem die Bodenverkehrsdienste und teilweise auch die Flughafenfeuerwehr würden bestreikt.

Der Frankfurter Flughafen erwartet "erhebliche Verzögerungen im Betriebsablauf sowie Flugausfälle". Betroffen seien am Frankfurter Flughafen vor allem die Sicherheitskontrollstellen zum Abflug-Gate A und Z im Terminal 1, weil diese geschlossen würden. Den ganzen Dienstag über sei mit erhöhten Wartezeiten an den übrigen Kontrollstellen zu rechnen, hieß es beim Flughafenbetreiber Fraport.

Reisende sollten sich informieren und mehr Zeit einplanen

Fraport teilte zudem mit: "Durch Kundgebungen der Streikenden am Flughafen kann es zudem zu Behinderungen im Straßenverkehr mit verlängerten Pkw-Anreisezeiten kommen." Fluggäste sollten deutlich mehr Zeit einplanen und sich möglichst früh vor ihrem Abflug an den Check-in-Schaltern einfinden.

Bei den bisher letzten Tarifverhandlungen für den öffentlichen Dienst der Kommunen 2016 hatten die Flughafenstreiks vorübergehend deutlich spürbare Auswirkungen: Durch Arbeitsniederlegungen an elf Flughäfen, darunter die Drehkreuze Frankfurt und München, waren an einem Tag mehr als 1400 Flüge ausgefallen. Allein in Frankfurt mussten 33.000 Lufthansa-Passagiere umdisponieren.

"Die Arbeitgeber haben bislang kein Angebot vorgelegt", sagte Bsirske. "Mit Warnstreiks und Aktionen erhöhen die Beschäftigten jetzt den Druck, damit die Arbeitgeber ihre Blockadehaltung endlich aufgeben." Auch die Beschäftigten des öffentlichen Dienstes müssten an der guten wirtschaftlichen Entwicklung teilhaben.

Von: br, cs, dpa
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