Verdi fordert Aufnahme von Verhandlungen für Eurowings-Flugbegleiter

15.07.2016 - 15:38 0 Kommentare

Wenn zwei Gewerkschaften in einem Betrieb konkurrieren, muss im Konfliktfall festgestellt werden, welche die stärkere ist. Bei der Eurowings könnte schon im Herbst der erste Testfall für das neue Tarifeinheitsgesetz anstehen.

Zwei Flugbegleiterinnen der Eurowings stehen vor einer A330 am Flughafen Köln/Bonn.  - © © dpa - Oliver Berg

Zwei Flugbegleiterinnen der Eurowings stehen vor einer A330 am Flughafen Köln/Bonn. © dpa /Oliver Berg

Bei der Lufthansa-Tochter Eurowings droht ein Konkurrenzkampf zwischen den Gewerkschaften Verdi und Ufo. Der Konflikt könnte bei weiterer Zuspitzung Streiks heraufbeschwören und zum ersten Testfall für das neue Tarifeinheitsgesetz werden.

Verdi hat die Geschäftsführung der Eurowings aufgefordert, innerhalb einer Woche einen Verhandlungstermin für die Kabinenbeschäftigten zu vereinbaren. Das teilte die Gewerkschaft jetzt mit. Man habe schon vor Wochen darauf gedrängt, Verhandlungen für die Beschäftigten der Kabine aufzunehmen. Die Arbeitgeber würden jedoch mit einer Hinhaltetaktik reagieren, sagte Verdi-Bundesvorstandmitglied Christine Behle.

Seit 2008 hat immer Ufo verhandelt

Stattdessen verhandelt die vom Deutschen Gewerkschaftsbund unabhängige Kabinengewerkschaft Ufo über einen neuen Tarifvertrag und den Bestandschutz für die bisherigen Mitarbeiter. Es sei bereits in einer Tarifvereinbarung festgehalten, dass diese zur Lufthansa-Mutter wechseln könnten und auch bei einem Verbleib keine Nachteile erleiden, sagte der Ufo-Tarifexperte Nicoley Baublies.

Für neue Mitarbeiter soll bis September ein Tarifvertrag nach Billigflieger-Maßstäben ausgearbeitet werden. Seit 2008 hat ausschließlich Ufo bei der Lufthansa-Tochter neue Tarifverträge für die Flugbegleiter abgeschlossen.

"Eurowings ist zu Gesprächen mit Verdi über die Tarifbedingungen für das Kabinenpersonal bereit. Erste Sondierungsgespräche haben bereits stattgefunden", teilte Eurowings auf Anfrage von airliners.de mit. Diese sollen ab Mitte August fortgesetzt werden. "Allerdings hat Eurowings bestehende Tarifverträge mit der Ufo und will die Tarifeinheit im Unternehmen wahren", hieß es weiter.

Beide Gewerkschaften behaupten, mehr Mitglieder zu haben

"Ufo will Eingriffe in die Arbeitnehmerrechte tarifieren, ohne die Mehrheit der Belegschaft hinter sich zu haben", erklärte Verdi-Bundesvorstandsmitglied Behle. In den vergangenen Jahren habe sich bei Eurowings die Mehrheitssituation zugunsten von Verdi verschoben, was man im Falle eines Konflikts auch notariell feststellen lassen wolle.

Dieser Schritt würde nach dem Tarifeinheitsgesetz notwendig, wenn eine der Gewerkschaften zu einem Arbeitskampf aufruft. Nur die im Betrieb mitgliederstärkere Gewerkschaft dürfte über den Tarifvertrag verhandeln und streiken. Die Geschäftsführung sei gut beraten, im Interesse des Betriebsfriedens im Lufthansa-Konzern unverzüglich einzulenken und mit Verdi zu verhandeln, hieß es weiter.

Im Falle eines Streiks bei Eurowings...

... wäre nur ein kleinerer Teil der Flotte betroffen, weil von der Eurowings GmbH nur 32 der mehr als 90 Flieger selbst betrieben werden. Die übrigen Maschinen und Besatzungen stammen von anderen Gesellschaften mit Germanwings an der Spitze. Dort gelten andere Tarifverträge.

Auch Ufo beansprucht für sich, bei Eurowings mehr Mitglieder zu haben als die Konkurrenz. "Wir sehen das ganz entspannt", meinte Baublies, der das Vorgehen während der Schlichtung bei der Konzernmutter Lufthansa verabredet hatte.

Bei den Verhandlungen soll es laut Verdi um Fragen wie Teilzeitarbeit, Mitbestimmung und Betriebsrenten gehen. Aber auch die Möglichkeiten eines Wechsels zum Mutterunternehmen Lufthansa sowie eine Gehaltserhöhung sind Themen.

Auch bei Eurowings Europe geht es nicht voran

Inzwischen gibt es neben der deutschen Eurowings noch einen österreichischen Ableger, die Eurowings Europe mit Sitz in Wien. Auch dort hakt es derzeit an Verhandlungen. Die österreichische Gewerkschaft Vida möchte für die Beschäftigten der Eurowings Europe einen Kollektivvertrag aushandeln.

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Gewerkschafts-Angaben zufolge liegt der Knackpunkt vor allem bei den Piloten. Außerdem sei das Ziel, schon Ende Juni einen Tarifvertrag für alle Beschäftigen zu haben, sehr ambitioniert gewesen, hieß es. Im August soll ein neuer Anlauf für die Koordinierung gestartet werden.

Unter der Marke Eurowings bietet die Lufthansa Billigflüge an. Die Low-Cost-Tochter soll im Konzern überproportional wachsen, um den europäischen Billigfliegern wie Ryanair oder Easyjet zu begegnen. Gleichzeitig sollen die Stückkosten bei den Eurowings-Gesellschaften gesenkt werden.

Von: ch, dpa
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