Verbraucherschützer mahnen Airlines wegen Vorauskasse-Praxis ab

22.05.2013 - 17:38 0 Kommentare

Flugreisen müssen oft lange im Voraus bezahlt werden. Die Verbraucherzentrale NRW hält das für unzulässig und hat sechs Fluggesellschaften abgemahnt. Die Branche verteidigt die gängige Praxis.

Flugzeugstart vor untergehender Sonne - © © dpa - Julian Stratenschulte

Flugzeugstart vor untergehender Sonne © dpa /Julian Stratenschulte

Verbraucherschützern haben sechs Fluggesellschaften abgemahnt, weil sie die Bezahlung des vollen Flugpreises unmittelbar bei der Buchung und damit oft monatelang im Voraus verlangen. Der Flugpreis dürfe jedoch frühestens 30 Tage vor Abreise fällig werden, weil Verbraucher ansonsten übervorteilt würden, erklärte die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen am Mittwoch in Düsseldorf. Abgemahnt wurden demnach die Fluggesellschaften Air Berlin, Condor, TUIfly, Germanwings, Lufthansa und Germania, weil sie oft monatelang im Voraus die Bezahlung des vollen Flugpreises verlangen. Dies verstoße klar gegen das Prinzip "Ware gegen Geld".

Die deutsche Luftverkehrswirtschaft verteidigte die gängige Praxis mit Verweis auf Planungssicherheit. «Sie ermöglicht es den Fluggesellschaften, ihren Kunden Frühbucherrabatte und günstige Preise anzubieten», teilte der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes, Matthias von Randow, auf dpa-Anfrage mit. Ein Buchungsverfahren mit einer schrittweisen Reservierung und Bezahlung führe am Ende zu mehr leeren Plätzen im Flugzeug. «Das verschlechtert aber nicht nur die Öko-Bilanz, sondern macht Fliegen auch teurer.»

Die Verbraucherschützer sehen das anders: "Der Fluggast verliert das Druckmittel, Geld zurückbehalten zu können, wenn die Airline die vertraglich vereinbarte Leistung, wie Flugzeit, Start- oder Zielflughäfen ändern will", kritisierte der Vorstand der Verbraucherzentrale, Klaus Müller, die weithin üblichen Vertragsbestimmungen. Vorauszahlungsgrenzen sollten deshalb auch bei Flugbuchungen gelten: Der Flugpreis sollte frühestens 30 Tage vor Abreise fällig werden. Eine Anzahlungspflicht sei allenfalls dann akzeptabel, wenn auch Fluggesellschaften eine Insolvenzabsicherung vorweisen können, wie sie für Reiseveranstalter bereits vorgeschrieben ist.

Müller zufolge wurde in einem Fall elf Monate vor Antritt der komplette Reisepreis von 3.480 Euro verlangt. Mit dieser Praxis verschafften sich die Veranstalter zinslose Kredite in Millionenhöhe. Allein im vergangenen Jahr habe die Branche mit Urlaubsreisen einen Umsatz von 24,2 Milliarden Euro erzielt.

Die Airlines haben nun bis Ende Mai Zeit zu erklären, dass sie auf die kundenunfreundlichen Klauseln verzichten werden. Andernfalls müssen die Gerichte klären, ob Kundenrechten bei der Flugbuchung durch die Regeln ein Absturz droht.

Laut Verbraucherzentrale haben das Oberlandesgericht Dresden und das Landgericht Frankfurt am Main die Auffassung der Verbraucherschützer in ähnlich Fällen bereits bestätigt. So entschieden die Frankfurter Richter im Streit mit einem Reiseveranstalter, dass Anzahlungen maximal 20 Prozent betragen dürften und die Restsumme frühestens vier Wochen vor Reiseantritt fällig sei.

Von: AFP, dpa
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