VC bezeichnet neue Verträge für Ryanair-Piloten als "Sklaventum"

15.09.2016 - 18:00 0 Kommentare

Ryanair will offenbar neue Verträge für ihre in Deutschland stationierten Piloten. Die Gewerkschaft Vereinigung Cockpit hat das kritisiert. Sie spricht von "modernem Sklaventum".

Eine Boeing 737-800 in den Farben der irischen Ryanair. - © © AirTeamImages.com - Danish Aviation Photo

Eine Boeing 737-800 in den Farben der irischen Ryanair. © AirTeamImages.com /Danish Aviation Photo

Die Vereinigung Cockpit hat die neuen Arbeitsverträge für die in Deutschland stationierten Ryanair-Piloten kritisiert. Das sei "modernes Sklaventum", hieß es jetzt in einer Mitteilung der VC. Eine Analyse habe gezeigt, dass die Verträge nicht mit deutschem und europäischem Recht vereinbar seien.

Die neuen Verträge würden mit einer neuen Vermittlerfirma namens Bluesky geschlossen. Die bestehenden Vereinbarungen der Contractor-Piloten seien in einigen Fällen von Ryanair, in anderen von den Dienstleistern zurückgezogen worden, sagte VC-Sprecher Markus Wahl auf Nachfrage von airliners.de.

Contractor-Piloten sind nicht bei der Airline, sondern bei Personalagenturen angestellt. Letztere leiht den Piloten an die Fluggesellschaft aus - formal arbeiten sie dann selbständig. Deswegen hätten die Verträge auch leichter zurückgezogen werden könne, so Wahl. Wie viele Ryanair-Piloten davon betroffen sind, konnte er nicht sagen.

VC spricht von "Zwangsurlaub ohne Bezahlung"

Bei den neuen Verträgen handele es sich um eine Vereinbarung irischen Rechts, das dortige Kündigungsschutzrecht werde aber teilweise ausgeschlossen, kritisiert die VC. Außerdem müssten die Piloten im Krankheitsfall entsprechend nacharbeiten, um nicht auf Gehalt verzichten zu müssen, so die Kritik.

Die Vereinbarungen beinhalten auch die Möglichkeit, jederzeit Zwangsurlaub ohne Bezahlung anzuordnen. "Diese Verträge sind nur dazu gedacht, das bessere deutsche Arbeitnehmerrecht zu umgehen. Auch der Sozialversicherungsstatus bleibt weiterhin völlig unklar", so die VC.

Ryanair: "Kommentieren keine falschen Behauptungen"

Einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" zufolge will der irische Low-Cost-Carrier die bisher offiziell selbstständigen Piloten fest bei Bluesky anstellen. Allerdings würden sich die Arbeitsbedingungen dadurch kaum verbessern, heißt es. So sollen die Flugzeugführer weiterhin nach Stunden bezahlt werden, ein festes Gehalte gebe es nicht.

Bluesky habe auf SZ-Anfrage zu dem Thema nicht geantwortet. Ryanair dagegen teilte airliners.de mit: "Wir kommentieren keine Spekulationen oder falsche Behauptungen deutscher Gewerkschaften, die vertrauliche Vertragsabsprachen mit unseren Mitarbeitern oder Contractor-Piloten betreffen."

© AirTeamImages.com, Danish Aviation Photo Lesen Sie auch: Beamte ermitteln an deutschen Airports gegen Ryanair-Partnerfirmen

Im Juli hatten Fahnder Piloten-Räume an sechs deutschen Ryanair-Flughäfen durchsucht. Gegen die Flugzeugführer wird wegen des Verdachts der Beihilfe zum Steuer- und Sozialversicherungsbetrug ermittelt. Im Raum steht mutmaßliche Scheinselbstständigkeit, hieß es. Zugrunde liegen Ermittlungen gegen zwei britische Personaldienstleister, die Piloten unter Vertrag genommen und an den irischen Billigflieger ausgeliehen haben. Ryanair hatte angekündigt, die Ermittler zu unterstützen.

"Mit dem Rückzug der bestehenden Verträge gesteht Ryanair die Illegalität ihrer eigenen Verträge ein", sagte Ilja Schulz, Präsident der Vereinigung Cockpit. Die Gewerkschaft forderte die irische Airline zu Tarifvertragsverhandlungen für die in Deutschland stationierten Piloten auf.

© AirTeamImages.com, 4x6zk-moni shafir Aviation Management Airlines stellen nur noch fertige Piloten an - zu schlechteren Bedingungen

Von: ch
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