Piloten kippen Eurowings-Tarifeinigung

06.11.2017 - 13:33 0 Kommentare

Kurz bevor der letzte Air-Berlin-Flieger gelandet war, verkündeten Eurowings und die Pilotengewerkschaft VC eine Einigung. Der "Tarifvertrag Wachstum" sollte nun vorgestellt werden - doch der VC-Vorstand legt sein Veto ein.

Die Lufthansa will den Pilotenstreik mit einer Klage stoppen. - © © dpa - Frank Rumpenhorst

Die Lufthansa will den Pilotenstreik mit einer Klage stoppen. © dpa /Frank Rumpenhorst

Die Tarifeinigung zwischen Eurowings und der Vereinigung Cockpit (VC) ist im letzten Moment gescheitert. Wie die Pilotengewerkschaft mitteilt, habe ihr Vorstand am Montag das Veto gegen den ausgehandelten "Tarifvertrag Wachstum" eingelegt. "Mit dem Vertrag, der auf dem Tisch lag, sind wir definitiv nicht zufrieden. Die Lufthansa nutzt ihre Monopolstellung gnadenlos aus, um ehemalige Air Berliner günstig für Eurowings zu gewinnen."

Lufthansa will mit der Übernahme großer Teile der Air Berlin rund 3000 ehemalige Mitarbeiter der Airline einstellen: 1700 werden direkt mit dem Kauf der Air-Berlin-Töchter LGW und Niki übernommen, weitere 1300 könnten sich bei Eurowings bewerben.

Nur: Diese können nicht bei Eurowings in Deutschland direkt angestellt werden. Denn der noch bis 2019 laufende Eurowings-Tarifvertrag mit der VC beinhaltet ein Sonderkündigungsrecht für die Gewerkschaft, sollten mehr als 23 Maschinen bei der Eurowings GmbH bereedert werden. Dieses Kontingent ist bereits ausgeschöpft.

Dieser Tarifvertrag hätte weder für die von der Insolvenz betroffenen Piloten der Air Berlin, noch für das Bestandspersonal der Eurowings verbindliche Perspektiven geschaffen.

VC-Vorstandsmitglied Jörg Handwerg

Daher sollten die Air Berliner in Österreich bei der bislang tariflosen Eurowings Europe angestellt werden, obwohl sie an deutschen Basen stationiert und nach dem Tarif der deutschen Eurowings bezahlt werden.

Um den Vorwurf der "Tarifflucht" zu vermeiden, wollte Lufthansa daher mit der VC neu verhandeln. Kurz bevor Air Berlin den Flugbetrieb einstellte, hatte man sich auf den "Tarifvertrag Wachstum" geeinigt. Dieser sollte am Montag nach Ablauf der internen Einspruchsfrist bei der Gewerkschaft vorgestellt werden.

Allerdings brodelt es derzeit gehörig in Österreich. Zum einen kritisierten die Mitarbeiter von Eurowings Europe die Ungleichbehandlung. Zum anderen warnten sie die Air Berliner vor den Arbeitsbedingungen bei ihrem Arbeitgeber.

© Eurowings, Lesen Sie auch: Eurowings-Europe-Crews: "Lieber zu Ryanair"

"Wachstums"-Tarifverträge mit Eurowings hatten vor den Piloten bereits die Gewerkschaften Verdi und Ufo für das Kabinenpersonal unterzeichnet.

Mit Easyjet, die bei der Air-Berlin-Übernahme ebenfalls zum Zug kommt, hat sich die Gewerkschaft Verdi bereits auf einen Tarifvertrag geeinigt. Verdi-Verhandlungsführer Holger Rößler sagte, die Vereinbarung umfasse die Garantie auf "bevorzugte und beschleunigte Einstellungsverfahren" für ehemalige Air-Berlin-Mitarbeiter und "vergleichbare Einkommen bei einer Beschäftigung bei Easyjet".

© Flughafen Köln/Bonn, Lesen Sie auch: Easyjet und Verdi einig bei Bedingungen für Air Berliner

Von: cs
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