US-Senat wirft FAA mangelnde Kontrolle bei Neuzertifizierungen vor

28.03.2019 - 10:35 0 Kommentare

Bei einer Senatsanhörung in Washington muss die FAA ihre Zulassungspraxis verteidigen. Unterdessen umgarnt Boeing die Branche bei der Präsentation des Software-Updates für die 737 Max.

Daniel Elwell (l-r), Mitglied der Luftfahrtbehörde FAA der USA, Robert Sumwalt, Vorsitzender des National Transportation Safety Boards der USA, und Calvin Scovel, Generalinspektor des Verkehrsministeriums der USA, am 27.03.2019 bei einer Anhörung vor einem Komitee des Senats zu Verkehr und kommerzieller Flugsicherheit.  - © © dpa - Andrew Harnik/AP

Daniel Elwell (l-r), Mitglied der Luftfahrtbehörde FAA der USA, Robert Sumwalt, Vorsitzender des National Transportation Safety Boards der USA, und Calvin Scovel, Generalinspektor des Verkehrsministeriums der USA, am 27.03.2019 bei einer Anhörung vor einem Komitee des Senats zu Verkehr und kommerzieller Flugsicherheit. © dpa /Andrew Harnik/AP

Nach zwei Abstürzen quasi werksneuer Boeing 737 Max nimmt sich in den USA nun die Politik des Thema an. Boeing, die US-Luftfahrtbehörde FAA und weitere Behörden wurden vor den US-Senat geladen. Am Mittwoch mussten sich Daniel Elwell, Chef der Luftsicherheitsbehörde FAA und Robert Sumwalt, Vorsitzender des National Transportation Safety Boeards (NTSB) den Fragen der Abgeordneten stellen.

Vor allem das Vorgehen im Zuge der Zulassung der Boeing 737 Max durch die Luftfahrtbehörde sorgt für Argwohn der Abgeordneten. Die FAA wird verdächtigt, bei der Zertifizierung ein Auge zugedrückt und wichtige Teile der Sicherheitsprüfungen dem Konzern selbst überlassen zu haben.

Ein Vorwurf, den Elwell bei der Anhörung zurückwies. Er sagte, die seit 60 Jahren verfolgte Praxis der Zusammenarbeit mit den Herstellern bei der Zertifizierung neuer Flugzeugtypen habe einen wichtigen Beitrag geleistet, Fliegen so sicher zu machen, wie es heute sei. Wenn die FAA alle Zulassungsaufgaben alleine bewältigen müsste, würden rund 10.000 mehr Mitarbeiter und 1,8 Milliarden Dollar pro Jahr zusätzlich nötig sein.

Senator: FAA hat "Bock zum Gärtner gemacht"

Der demokratische Senator Richard Blumenthal hielt Elwell bei der Anhörung vor, die FAA lagere Sicherheitsfragen an die Hersteller von Flugzeugen aus. Die Behörde habe entschieden, "den Bock zum Gärtner zu machen". Der Behördenleiter betonte, die FAA übe strikte Kontrolle über die delegierten Zertifizierungsaufgaben aus. Diese Praxis werde weltweit angewandt. Die Europäische Agentur für Flugsicherheit (Easa) verlasse sich ebenfalls darauf, sogar noch stärker als die FAA.

© Southwest Airlines, Ashlee Duncan Smith Lesen Sie auch: US-Regierung stellt Zulassung für Boeing 737 Max in Frage

Derweil hat der Flugzeugbauer Boeing in seiner Produktionsstätte Renton im US-Bundesstaat Washington die Änderungen an der Steuerungssoftware MCAS für den Flugzeugtyp 737 MAX vorgestellt. Der Konzern präsentierte das überarbeitete Programm und weitere zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen vor mehr als 200 Piloten, Technikern und Regulierern in seinem Werk in Renton im US-Bundesstaat Washington.

Boeing verkündet MCAS "noch sicherer" gemacht zu haben

Neben dem Software-Update will Boeing die Sicherheit der 737-Max-Serie mit weiteren Alarmfunktionen im Cockpit und zusätzlichem Training für Piloten erhöhen. "Wir arbeiten mit Kunden und Regulierern weltweit zusammen, um das Vertrauen in die Industrie wieder herzustellen", sagte Boeings Entwicklungschef Mike Sinnett laut dpa in einer Konferenzschalte vor der Info-Veranstaltung. Sinnett führte in der Konferenz geplante Erweiterungen vor, die die eigens für die Baureihe 737 Max entwickelte MCAS-Software "noch sicherer" machen sollen.

Dazu zählt etwa die Einbindung zusätzliche Sensoren zur Erkennung des Flugwinkels. Sie sollen verhindern, dass falsche Informationen das Programm aktivieren, die bisher nur über eine einzige Datenquelle eingespeist werden. Damit reagiert Boeing auf einen wesentlichen Kritikpunkt. Die Vorwürfe, MCAS sei insgesamt ein Sicherheitsrisiko, weist der Konzern aber zurück.

Das MCAS Softwareupdate

Die zwei AOA-Sensoren der Boeing 737 Max Foto: Boeing

Boeing hat Einzelheiten zu den Änderungen seiner umstrittenen Flugsteuerungs-Software MCAS für die 737 Max vorgestellt:

  • MCAS gleicht von nun an die Daten beider AOA-Sensoren (sie messen den Anstellwinkel) ab, bevor es aktiv wird. Wenn die Daten mehr als 5,5 Prozent voneinander abweichen, bleibt das System inaktiv. Hinzu kommt eine Disagree-Anzeige im Cockpit, die die Piloten vor fehlerhaften Daten warnt.

Die Charmeoffensive sollte zeigen, dass die Flotte der Boeing 737 Max nach zwei verheerenden Flugzeugunglücken binnen kurzer Zeit nunmehr sicher sei. Boeing prüfte anhand von Testflügen die Wirksamkeit des Softwareupdates. Die US-Luftfahrbehörde FAA und andere Aufsichtsbehörden müssen die Änderungen laut Boeing nun noch zertifizieren.

© Boeing, Lesen Sie auch: Garuda Indonesia storniert Auftrag über 50 Boeing 737 Max 8

Derzeit dürfen sämtliche Flugzeuge des Typs Boeing 737 Max nicht mehr abheben. Am 10. März war eine 737 Max 8 der Ethiopian Airlines kurz nach dem Start in Addis Abeba abgestürzt. Alle 157 Menschen an Bord kamen ums Leben. Im Oktober verunglückte eine Lion-Air-Maschine des gleichen Typs vor der indonesischen Insel Java. Dabei starben alle 189 Insassen.

Die Abstürze wiesen Ähnlichkeiten auf. Die laufenden Flugunfallermittlungen zum Lion-Air-Absturz hatten das Trimmungssystem MCAS in den Fokus der Untersuchungen gerückt. Beim Ethiopian-Unfall deuten erste Anzeichen auf ähnliche Probleme. Äthiopien kündigte einen Zwischenbericht für Ende dieser Woche an.

Von: dk mit afp, dpa
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