US-Einreiseverbot wirkt sich kaum auf deutschen Luftverkehr aus

30.01.2017 - 11:45 0 Kommentare

Die USA haben ein Einreiseverbot für bestimmte Passagiere verhängt. Air Berlin oder der Flughafen Frankfurt berichten, dass es kaum Auswirkungen gibt. Die europäische Konkurrenz dagegen nannte konkrete Zahlen.

Zwei Passagiere informieren sich am Frankfurter Flughafen. - © © dpa - Fredrik Von Erichsen

Zwei Passagiere informieren sich am Frankfurter Flughafen. © dpa /Fredrik Von Erichsen

Das von US-Präsident Donald Trump verhängte Einreiseverbot gegen Menschen aus mehrheitlich muslimischen Staaten hat sich zunächst kaum auf den deutschen Luftverkehr ausgewirkt.

Wie ein Sprecher des Frankfurter Flughafens am Sonntag sagte, gab es am Wochenende weder Proteste noch musste eine größere Anzahl von Passagieren versorgt werden, weil die Weiterreise in die USA unterbrochen war. Der Hessische Rundfunk hatte gemeldet, dass am Samstag zeitweilig etwa 20 Transitreisende festgesessen hätten, weil sie nicht mehr in die USA einreisen durften.

Der Fraport-Sprecher sagte, der Flughafen in Frankfurt sei kein typisches Ziel für einen Zwischenstopp, wenn es um Reisen aus dem Nahen Osten in die USA gehe. Es sei auch nicht bekannt, ob Geschäftsreisende mit Flügen von Frankfurt in die USA Probleme wegen ihrer Herkunft bekommen hätten.

Air Berlin und Lufthansa bieten Umbuchungen an

Auch Air Berlin stellte zunächst keine Besonderheiten fest. "Die Pässe kontrolliert zwar die Bundespolizei, doch uns wäre es aufgefallen, wenn ein Gast nicht an Bord erschienen wäre", sagte eine Sprecherin der Fluggesellschaft der "Frankfurter Rundschau".

Die Lufthansa musste einzelne Crew-Mitglieder von US-Flügen abziehen. Sie seien durch andere Kollegen ersetzt worden und würden nun auf anderen Verbindungen eingesetzt, erläuterte ein Sprecher in Frankfurt. Es sei aber zu keinerlei Beeinträchtigungen des Flugbetriebs gekommen.

Lufthansa verzeichnete in den vergangenen Tagen "nur einige wenige Einzelfälle, bei denen die Reise in die USA nicht angetreten werden konnte". Die Fluggesellschaft bietet betroffenen Passagieren eine kostenfreie Umbuchung oder eine Rückerstattung des Flugtickets an. Bei Air Berlin können betroffene Kunden eine kostenlose Änderung ihrer Reisedaten auf die Zeit nach dem 28. April vornehmen.

KLM und Air France werden konkreter

Die niederländische KLM hatte am Samstag sieben Fluggästen die Reise in die USA verweigert. "Wir hätten sie gerne mitgenommen, aber es ist sinnlos", sagte ein KLM-Sprecher der Nachrichtenagentur ANP. "Nach der Landung werden sie nicht reingelassen." Es handelte sich um zwei Passagiere, die von Amsterdam aus fliegen wollten, sowie fünf weitere, deren Flug andernorts beginnen sollte. Alle hatten gültige Visa.

Der Sprecher machte keine Angaben dazu, aus welchen Ländern die Passagiere stammten. Eine KLM-Sprecherin ergänzte am Sonntag, wenn man von den US-Behörden Informationen habe, dass bestimmte Passagiere nicht einreisen dürften, dann könne man die auch nicht befördern. "Wir folgen den Informationen, die wir bekommen."

Air France hatte etwa 15 Flugpassagiere wegen des Einreiseverbots nicht an Bord genommen. Es seien Bürger der sieben Länder, die von den USA auf die Verbotsliste genommen wurden, sagte ein Unternehmenssprecher der Nachrichtenagentur AFP am Sonntag. Die Fluggesellschaft kümmere sich um die Passagiere, sie seien nicht in Paris blockiert.

"Genaue Angaben" sind laut Bundespolizei nicht möglich

Die deutsche Bundespolizei bestätigte auf Anfrage, dass sich die Auswirkungen des Einreiseverbots auf deutsche Flughäfen und den Luftverkehr bisher in Grenzen halten. Betroffene Passagiere würden schon in ihren Herkunftsländern von Airlines zurückgewiesen oder in Ausgangsstaaten zurückgeflogen, hieß es aus dem Bundespolizeipräsidium in Potsdam.

© Gage Skidmore, Gedankenflug: Donald Trump, ein Freund der Luftfahrt?

"Genaue Angaben über die Anzahl der betroffenen Passagiere sind derzeit nicht möglich, da die Betroffenen ausschließlich mit den Luftfahrtunternehmen in Kontakt stehen", teilte die Bundespolizei mit. Vorübergehend gestrandete Passagiere würden von den Luftfahrtunternehmen betreut und zurückgeflogen. Die Bundespolizei sei daher bislang nicht gefordert.

Von: ch, dpa, dpa-AFX
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