Urteil: Turbulente Notlandung rechtfertigt Reisepreisminderung

05.03.2015 - 09:25 0 Kommentare

Bei einer Notlandung stehen dem Passagier weitere Ausgleichszahlungen zu - auch wenn die Airline bereits eine Entschädigung aufgrund der Verspätung gezahlt hat. Das hat das Amtsgericht in Frankfurt entschieden.

Ein Flugzeug im Landeanflug. - © © dpa - Nicolas Armer

Ein Flugzeug im Landeanflug. © dpa /Nicolas Armer

Auf dem Rückflug aus dem Urlaub fällt ein Triebwerk aus, an Bord erlöschen die Lichter, die Maschine muss notlanden. In einem solchen Fall kann ein Urlauber den Reisepreis mindern - auch wenn er schon eine Ausgleichszahlung von der Airline wegen Verspätung erhält. Das entschied das Amtsgericht Frankfurt (Az.: 30 C 1590/13 (75)), berichtet die Deutsche Gesellschaft für Reiserecht in ihrer Zeitschrift "ReiseRecht aktuell".

In dem verhandelten Fall war die Klägerin mit ihrem Mann nach einer Pauschalreise in Thailand auf dem Rückweg nach Deutschland. Kurz nach dem Start in Phuket fiel ein Triebwerk aus, und der Pilot musste zurückfliegen und das Flugzeug notlanden. An Bord fielen unterwegs die Lichter aus und die Maschine sackte ab. Letztlich konnte das Flugzeug sicher landen. Die Passagiere flogen später mit anderen Maschinen nach Deutschland, das sie mehr als zwei Tage nach der ursprünglich geplanten Ankunft erreichten. Die Airline zahlte wegen der Verspätung eine Ausgleichszahlung nach EU-Recht in Höhe von 1.200 Euro.

Die Klägerin verlangte darüber hinaus aber eine Minderung des Reisepreises und Schadenersatz. Schließlich habe sie wegen des Notfalls Todesangst gehabt und steige seit der Reise nur noch ungern in ein Flugzeug. Das Gericht hielt deshalb eine Minderung des Reisepreises von 40 Prozent für angemessen. Es habe sich um einen besonders schwerwiegenden Reisemangel gehandelt. Der Minderungsanspruch könne nicht mit der Zahlung der Airline verrechnet werden - denn bei letzterer würden lediglich die Verspätungsfolgen kompensiert und nicht die Nahtoderfahrung an Bord des Flugzeugs.

Von: dpa
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