Digital Passenger (22) ( Gastautor werden )

Update-Gelegenheit für den StudiVZ-Flughafen

28.11.2017 - 09:21 0 Kommentare

Im häufigen Verschieben der BER-Eröffnung liegt auch eine Chance, findet unser Digital Passenger Andreas Sebayang: Der Flughafen kann modern werden - inklusive OLED-Displays und E-Bussen.

BER-Baustelle: Chance zur Modernisierung. Foto: © dpa, Bernd Settnik

Es war einmal ... Anno 2012. Mein Rucksack ist gefüllt mit einer schweren Kamera-Ausrüstung, im Laptop-Fach liegt noch ein echter Convertible Tablet-PC mit zentralem Drehgelenk, der linke Unterarm ist nackt, in der Hosentasche steckt ein fast zwei Jahre altes iPhone 4 und in der Geldbörse voller Hoffnung/Spannung eine ABC-Abokarte der Öffis. Für die Nicht-Berliner: Der Flughafen BER liegt in der Tarifzone C, die man als Berliner in der Regel nicht braucht.

Ich war vorbereitet für die Eröffnung des neues Hauptstadtflughafens. Zwar liegt auch mir der Flughafen Tegel am Herzen, doch schon damals, als über den Untergang von Myspace noch gelästert wurde und die VZ-Netzwerke wiederbelebt werden sollten, freute ich mich auf das neue, moderne Flughafen-Erlebnis. Und das in meiner Heimatstadt in einer Zeit, in der Technik sich mit einem atemberaubenden Tempo weiterentwickelte. Aber es kam anders.

Viel Technik aus dem Jahr 2012 hat ausgedient

Heute, fünf Jahre und eine Internet-Generation weiter, bin ich völlig anders ausgestattet und habe ganz andere Hoffnungen. Das iPhone X übernimmt derzeit die Aufgaben meiner Kameraausrüstung, eine Smartwatch hängt am Handgelenk, das Notebook wiegt nur noch die Hälfte und das ABC-Abo ist längst gekündigt. An den BER und meine Vorfreude damals denke ich gar nicht mehr, bis zu der Nachricht: Eine Eröffnung vor 2021 ist unwahrscheinlich.

© dpa, Lesen Sie auch: BER-Eröffnungstermin soll im Dezember verkündet werden

Die Vergangenheit zeigt dabei: solche unbestätigten Flughafen-Eröffnungsabsagen haben sich immer bewahrheitet. Und wenn wir alle ehrlich zueinander wären, wüssten wir: Auch vor 2022 wird das sowieso nichts. Das ist gar nicht so schlecht, denn erst dann sind zumindest einige notwendige neue Zugverbindungen bereit, um zum Flughafen zu kommen.

Im Absagen liegt eine Chance

Aber wie wird das Jahr 2022 aussehen, wenn dieser hochmoderne Flughafen denn einmal eröffnen sollte/könnte/müsste? Tatsächlich hat der BER jetzt die Chance, mal so richtig modern zu werden. Denn bis dahin sind zahlreiche Techniken obsolet oder zumindest nicht mehr so wichtig.

Die WLAN-Ausrüstung muss bis dahin dem Standard 802.11ax entsprechen, das Terminal mit 5G-Funkzellen für Telefonie und Daten ausgeleuchtet werden. Damit verbindet sich mein bis dahin technischer aktualisierter Fuhrpark im Rucksack, mein autonom rollender Koffer, die Smartwatch am Handgelenk und das Kamera-Smartphone in der Hosentasche.

Das alles braucht allerdings vergleichsweise neue Netzwerktechnik im Terminal. Ob da die richtigen Leitungen liegen? Ohne vernünftige Glasfaser-Technik geht es jedenfalls nicht. Um die Anlagentechnik zur Gebäudesteuerung und deren Rechner mache ich mir übrigens wenig Sorgen. Solche Computersysteme sind normalerweise für den Jahrzehnte umfassenden Betrieb geschaffen und werden entsprechend abgeschottet. Ein paar Änderungen wären aber immerhin bei der Lichtsteuerung mäglich.

Glastür als Wegweiser?

An die heute noch moderne LED-Beleuchtung denken wir dann vielleicht gar nicht mehr. Das Smart-Terminal könnte von vollflächigen oder mitunter transparenten OLED-Paneln beleuchtet werden, die intelligent zum Sonnenlicht geschaltet werden. Anzeigesysteme setzen nicht mehr auf LC-Displays sondern ebenfalls auf OLED. Jede Glastür könnte auch ein dynamisches Display für die Wegführung werden.

Über den Check-In-Schaltern finden sich vielleicht sogar QLED-Displays. Echte QLEDs haben derzeit noch das Problem, dass sie teilweise nur wenige Dutzend Stunden überleben, doch bis 2022 könnte das gelöst werden.

Das Thema Magnetbahn

Auch für den Straßenverkehr wären Änderungen machbar. Eine mittlerweile teilweise elektrisch betriebene Bus-Flotte würde vor dem Terminal und auf dem Vorfeld arbeiten. Ob diese gar per Induktion aufgeladen werden? Vier Induktionsbusse hat Berlin heute schon. Zumindest Ladestationen für die vielen privaten Fahrzeuge müsste es in den Parkhäusern in größerer Anzahl geben.

Das Thema Magnetbahn für den Kurzstreckenbetrieb könnte bis dahin wieder an Relevanz gewinnen. Es gibt zumindest Tendenzen, dass die Technik wieder an Bedeutung bei niedrigen Geschwindigkeiten gewinnt.

Wenn sich nicht zumindest ein Teil von alldem in und um das Terminal anfindet, kann der Flughafen wohl kaum als modern gelten, denn der Fortschritt lässt sich durch verspätete Flughafen-Eröffnungen nicht aufhalten.

Über den Autor

In seiner Reihe "Digital Passenger" kommentiert Technik-Journalist Andreas Sebayang auf airliners.de den digitalen Wandel in der Luftverkehrswirtschaft.

Andreas Sebayang ist der Digital Passenger, Foto: Sebastian KuhbachAndreas Sebayang ist als Hardware-Journalist regelmäßig für die Berliner IT-Nachrichtenseite Golem.de mit dem Flugzeug in der ganzen Welt unterwegs. Seine Erlebnisse als Vielflieger dokumentiert er auch auf seinem Instagram-Account AroundTheBlueMarble. Kontakt: digital-passenger@airliners.de

Von: Andreas Sebayang für airliners.de
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