Interview

"Die Zielgröße für Tuifly bleibt bei 39 Flugzeugen"

31.01.2019 - 07:09 0 Kommentare

Der Ferienflieger Tuifly ist im Umbruch: Der neue Airline-Chef Oliver Lackmann sagt im airliners.de-Interview, wie der Konzern-Carrier pünktlicher werden will, ob er weiter wachsen wird und was er mit den Boeing 737 Max vorhat.

Oliver Lackmann. - © © Tuifly -

Oliver Lackmann. © Tuifly

Von Air Berlin und Niki zu Tuifly, von Airbus zu Boeing: Flugkapitän Oliver Lackmann steht seit dem Jahreswechsel an der Spitze der deutschen Tui-Airline. Er will künftig etwa zweimal monatlich selbst im Cockpit der Konzern-Flugzeuge mitfliegen und absolviert derzeit das Type Rating für die Boeing 737. Nach dem Flugtraining am Flughafen Berlin-Schönefeld spricht er mit airliners.de. Lackmann erklärt, was die neuen Boeing 737 Max der Airline bringen, warum Tuifly jetzt ein Reserveflugzeug einplant und wo er mit dem Tui-Konzern künftig enger zusammenarbeiten will.

airliners.de: Herr Lackmann, Tuifly bekommt 25 neue Boeing 737 Max. Heißt das, die Airline wird in den nächsten Jahren weiterwachsen?
Oliver Lackmann:
Wachsen werden wir in diesem Jahr. In diesem Sommer erreichen wir unsere Zielgröße von 39 Flugzeugen, und diese Zielgröße gilt auch für die nächsten Jahre. Die 737 Max werden also ältere Maschinen ersetzen.

In einigen Jahren wird dann der größte Teil der Tuifly-Flotte aus Max bestehen?
Richtig, und es könnten sogar noch mehr als 25 werden. Die Tui Group hat ja insgesamt 72 Maschinen fest bestellt, aber noch weitere 48 Optionen. Wenn die Gruppe diese Optionen zieht, dann würde das auch uns zugutekommen.

Gilt die Flottengröße von 39 Maschinen auch im Winter?
Im Winter verleasen wir regelmäßig Flugzeuge - in diesem Winter vier, drei nach Kanada und eines in die USA. Das hilft uns natürlich, die Differenz zwischen Sommer und Winter auszugleichen.

Im Sommer dagegen setzen sie noch zwei zusätzliche Flugzeuge von Wet-Lease-Carriern ein. Wollen Sie dieses Geschäft künftig noch weiter ausbauen?
Die Wet-Lease-Partner helfen uns, Marktchancen zu nutzen und Kapazitätsspitzen abzugeben. Aber wir möchten das nicht überdehnen - wir werden unser Netzwerk schon selbst fliegen.

Sieben Flugzeuge haben Sie selbst im Wet-Lease bei Eurowings unter Vertrag. Der Auftrag läuft 2021 aus - was machen Sie dann mit diesen Maschinen?
Die Kooperation mit Eurowings läuft sehr gut, wir sind mittlerweile eingespielt und die Flugzeuge werden im Sommer in Hamburg, Hannover, Köln und Nürnberg stationiert sein. Wir können uns also auch in Zukunft vorstellen, dies weiterzuführen oder selbst neue Märkte zu erschließen. Wir haben ja noch etwas Zeit, dies gemeinsam zu entscheiden.

Der Interviewpartner

Oliver Lackmann ist seit 1. Januar alleiniger Geschäftsführer von Tuifly, zugleich hat er bei Tui Aviation, dem Verbund der fünf Konzern-Airlines, die Funktion des Director Flight Operations. Lackmann kam im März 2018 als Chief Operating Officer zu Tuifly. Zuvor war er Geschäftsführer bei Niki und Flugbetriebsleiter sowie Accountable Manager bei Air Berlin. Seine Karriere als Pilot begann er bei Augsburg Airways, bevor er 2001 zu Air Berlin wechselte.

Foto: © dpa, Julian Stratenschulte

Die Airline

Tuifly gehört der Tui Group, dem weltweit größten Reisekonzern. Gegründet wurde sie 1972 als Hapag Llyoy Flug GmbH. Die Flotte von derzeit 36 Boeing 737 soll im Sommer auf 39 Flugzeuge ausgebaut werden. Sieben Maschinen werden im Wet-Lease für Eurowings betrieben. Die Airline hat an neun Flughäfen in Deutschland Basen, an denen Crews stationiert sind.

Tuifly hat für diesen Sommer eine Reservemaschine eingeplant. Bisher gab es das noch nicht?
Genau. Wir haben Reservekapazitäten bislang im Markt eingekauft, wenn wir sie brauchten. Das hat 2017 und die Jahre davor auch gut funktioniert. Der Sommer 2018 hat uns alle natürlich eines anderen belehrt, weil keine Reserven mehr am Markt verfügbar waren. Einige große Player hatten einfach im Vorfeld schon sämtliche Kapazitäten bei den ACMI-Carriern aufgekauft. Der Markt war leergefegt, und das hat uns wie andere auch kalt erwischt.

Tuifly war im Sommer 2018 eine der Airlines mit den meisten Verspätungen, wenn man Fluggastrechteportalen glauben darf …
Die Zahlen, die wir kennen, sagen etwas Anderes. Das Ranking von OAG sieht uns sogar mit knapp 90 Prozent Pünktlichkeit für 2018 in den weltweiten Top-Ten, von einem anderen Portal wurden wir als zweitpünktlichste Airline ausgezeichnet. Im Sommer gab es aber punktuell Spitzen, da ein Flugzeug zu lange in der Wartung und nicht wie geplant verfügbar war.

Also alles nicht so schlimm?
Natürlich ist keiner stolz auf den Sommer 2018. Darum haben wir uns ja auch intensiv Gedanken gemacht, was wir 2019 verbessern können.

Wo werden Sie Ihr Reserveflugzeug stationieren?
Genau genommen sind es 1,5. Das ist ja nicht ein Flugzeug, das den ganzen Tag herumsteht und auf Einsätze wartet, es sind immer Lücken im Flugplan, die dann addiert 1,5 Flugzeuge ergeben. Das eine planen wir für Hannover, weil wir dort einen 24-Stunden-Betrieb haben und so sehr flexibel reagieren können, das "halbe" für Düsseldorf.

Weitere Lehren, die Sie aus dem Sommer 2018 ziehen?
Wir sind natürlich mit unseren Systempartnern und Bodendienstleistern in Kontakt, um Qualitätsoffensiven einzuleiten, die Verspätungen reduzieren.

Erwarten Sie da in diesem Jahr Besserung?
Die externen Faktoren werden wir nicht beeinflussen können, und die werden sich 2019 nicht grundlegend geändert haben. Es dauert mindestens drei Jahre, einen Fluglotsen auszubilden – der Single European Sky ist auch eher schemenhaft am Horizont, wenn überhaupt, zu erkennen. Aber wir sehen zu, dass wir selbst unsere Hausaufgaben machen.

Die externen Faktoren werden sich 2019 nicht
grundlegend geändert haben.

zu den Verspätungen im vergangenen Jahr

Sie bekommen als erste deutsche Airline die 737 Max. Wo werden sie eingesetzt?
Die ersten beiden Auslieferungen bekommen wir im März, zwei im April und zwei im November. Für die ersten vier stehen auch die Stationierungsorte schon fest: Das werden Düsseldorf, Köln, Frankfurt und Hannover. Wir möchten die Flugzeuge vor allem auf langen Strecken einsetzen, weil sie ihre Vorteile da optimal ausspielen können.

Also für Flüge auf die Kanaren oder die Kapverden?
Genau, aber wir fliegen im Winter auch nach Dubai - das sind Sonderflüge für die Kreuzfahrten, zum Beispiel für TUI Cruises. Da bieten sich die Max natürlich auch an. Wenn wir heute auf die Kapverden oder nach Dubai fliegen, müssen wir die Kapazität reduzieren, weil die 737 NG das sonst ohne Zwischenlandung nicht schafft. Mit der Max können wir diese Destinationen ohne Einschränkungen erreichen.

Sie bringen aber nicht mehr Sitze in den Max unter?
Nein, das bleibt bei 189 Sitzplätzen. Allerdings ist die Zahl der Comfort Seats mit größerem Sitzabstand auf der Max deutlich höher: 48 statt 27 wie auf den NG-Maschinen.

© dpa, Christoph Schmidt Lesen Sie auch: Tuifly stockt in Frankfurt und Düsseldorf auf

Die neuen Flugzeuge sind ein klares Bekenntnis des Tui-Konzerns zur eigenen Airline. Das sah nicht immer so aus …
Dem Konzern ist es wichtig, dass er Planungssicherheit und hohe Flexibilität hat. Und das können wir bieten - wir können sehr kurzfristig auf bestimmte Ereignisse reagieren. Diesen Winter haben wir dies in Paderborn und Leipzig bewiesen.

Wir können Tui Planungssicherheit und Flexibilität
bieten - das haben wir in diesem Winter bewiesen.

Und die angeblich zu hohen Kosten bei Tuifly sind damit für den Konzern kein Problem mehr?
Das Thema Kosten wird uns sicherlich niemals loslassen. Wir müssen immer Mittel und Wege finden, um etwa über Synergien oder über den Einkauf von neuen Flugzeugen unsere Kostenbasis zu senken.

Wo wollen Sie konkret die Kosten senken?
Unsere neuen Boeing 737 Max leisten da einen großen Beitrag. Wir bekommen jetzt ein Flugzeug, das 16 Prozent weniger Sprit verbraucht - das finde ich grandios. Und die Max-Jets sind auch in der Finanzierung günstiger.

Und sonst?
Ganz entscheidend ist für uns die Integration in die Tui Aviation. Wir sind seit Oktober dabei und beginnen jetzt, die Synergien mit den anderen Tui-Airlines zu nutzen. Das gilt auf allen Ebenen, ob beim Thema Einkauf, Wartung oder beim Flugbetrieb, wo wir als Tuifly jetzt auch die Verantwortung für die Tui Aviation übernehmen.

Synergien heißt ja immer, dass Bereiche zusammengelegt werden, oder?
Grundsätzlich wollen wir keine Arbeit doppelt machen. Wenn wir über Flight Operations reden: Da möchten wir möglichst nah an den Verfahren unserer Schwester-Airlines sein. Die Dokumentation zu erstellen ist ein Aufwand, den man nicht in allen Airlines betreiben muss. Genauso in der Wartung: Da wollen wir die Expertise der Fachleute in den verschiedenen Märkten nutzen. So wird in Belgien die Lufttüchtigkeitsprüfung für die Max aufgebaut, in Deutschland liegt die Expertise für die 737 NG.

Also, Synergien bedeuten nicht Stellenstreichungen?
Genau, wir möchten keine Stellen abbauen, und wir haben bei Tuifly ja ohnehin die Arbeitsplatzsicherung, die wir 2017 vereinbart haben.

Tuifly soll jetzt noch näher an den Veranstalter Tui heranrücken. Aber Tui bestimmt doch auch bisher schon, wohin Sie fliegen, oder?
Ja, der Veranstalter entscheidet natürlich, in welche Zielgebiete er Flüge benötigt. Aber wir brauchen auch eine enge Zusammenarbeit bei der Umsetzung, und deshalb bin ich froh, dass wir jetzt ein Gremium haben, wo die Geschäftsführung von Tui Deutschland und ich als Geschäftsführer der Tuifly die Dinge sehr kurzfristig entscheiden können.

© dpa, Christoph Schmidt Lesen Sie auch: Tuifly: Neue Perspektiven für die Konzern-Airline Branchenplayer

Worum geht es konkret bei diesen Abstimmungen?
Die kommerzielle Planung liegt ja bei der Tui Deutschland und muss etwa mit unserer Crewplanung, dem Stationierungskonzept, den Flugzeiten, den Liegezeiten der Flugzeuge abgestimmt werden.

Trotz engerer Bindung an Tui bleiben Sie aber mit anderen Veranstaltern im Geschäft?
Wir haben immer Kontingente anderer Veranstalter bedient und werden dies auch in Zukunft tun. Daran wird sich nichts ändern. Wir haben ja etwa im Winter Vollcharter-Flüge nach Dubai oder auch nach Lappland. Tui und Tuifly.com verkaufen nicht nur ausschließlich Tuifly-Flüge, sondern nutzen auch andere Fluggesellschaften - insbesondere auf Strecken, auf denen es für uns keinen Sinn hat zu fliegen. Aber natürlich ist die Tui Deutschland unser allergrößter Kunde, und das wird auch so bleiben.

Herr Lackmann, vielen Dank für das Gespräch.

Von: pra
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