Interview

"Unser Fokus liegt auf Berlin"

14.03.2018 - 14:19 0 Kommentare

Billigflieger auf Wachstumskurs: Easyjet-Europachef Thomas Haagensen erklärt im Gespräch mit airliners.de, wie die Briten in der deutschen Hauptstadt wachsen wollen und wieso der Netzwerkausbau im Winter mit Anpassungen einhergeht.

Easyjet-Europachef Thomas Haagensen:

Easyjet-Europachef Thomas Haagensen: "Am jetzigen Sommerflugplan schrauben wir noch mal." © airliners.de

Easyjet hat die Pleite von Air Berlin genutzt, um auch am Berliner Flughafen Tegel aufzuschlagen und seit Jahresanfang auch innerdeutsche Flüge anzubieten. Zum Sommer wird das Angebot noch einmal ausgeweitet. Gleichzeitig schließen die Briten ihre Basis in Hamburg. Da liegt es nahe, dass Easyjet-Europachef Thomas Haagensen sich im Interview mit airliners.de zur deutschen Hauptstadt bekennt.

airliners.de: Easyjet ist im Januar in Tegel gestartet - wie läuft es?
Thomas Haagensen: Oh, es läuft gut. Natürlich war es ein Riesenstress, all das in so kurzer Zeit nach der Air-Berlin-Pleite zu stemmen. Deswegen setzen wir ja auch erst einmal auf Wet-Leases. Aber aktuell sind schon 18 Maschinen für uns in Tegel im Einsatz - sechs eigene und zwölf im Wet-Lease. Zum Ende des Sommers sollen es dann 25 sein, sodass Berlin inklusive der zwölf Flugzeuge in Schönefeld nach London-Gatwick die größte Basis im Easyjet-Netzwerk ist. Wir erwarten hier jährlich 16 Millionen Passagiere.

Warum ist Berlin so wichtig?
In Berlin haben wir schon seit Jahren eine Basis, den Markt kennen wir und durch den Wegfall der Air Berlin gab es die Möglichkeit für mehr Wachstum. Es war beispielsweise ein wirklich großer Schritt für uns, dass wir jetzt auch innerdeutsch fliegen. Für den kommenden Winter liegt der Fokus auch auf Berlin, allerdings nicht so sehr auf neuen Strecken, sondern vor allem auf Optimierung.

Apropos Optimierung: Wie lange leistet sich Easyjet noch den Luxus zweier Flughäfen in Berlin?
Das ist die Aufgabe für den nächsten Winter und den darauffolgenden Sommer. Aktuell fliegen wir mehrere Ziele wie Tel Aviv, Wien und Zürich von Schönefeld und von Tegel aus an - da müssen wir noch mal ran. Denn man muss auch ganz klar sagen, als wir uns dazu entschlossen haben, groß in Tegel zu starten, stand die Sommerplanung für Schönefeld schon ... Unser Fokus liegt dann auf der Verteilung der Strecken.

Sprich es wird dann weniger Strecken geben?
Definitiv nein. Wir wollen einige Ziele nicht mehr von beiden Airports aus anbieten, um Kapazitäten für andere Destinationen zu haben. Und auch am jetzigen Sommer schrauben wir noch mal: In den nächsten Tagen gibt es bereits Neuigkeiten.

Zum Interviewpartner

Der Manager: Thomas Haagensen ist seit 2008 als Europachef von Easyjet für die Märkte Dänemark, Deutschland, Finnland, Osteuropa und Schweden zuständig. Der gebürtige Däne studierte Business Administration in Lausanne und arbeitete danach zunächst bei Tetra Pak. 2004 kam er zu Easyjet.

Die Airline: Easyjet ist nach Ryanair (elf Prozent) mit einem Marktanteil von knapp acht Prozent der zweitgrößte Low-Cost-Carrier in Europa. In Deutschland ist sie der viertgrößte Carrier.

Easyjet in Deutschland
Angaben in Prozent
Berlin-Tegel 38.9
Berlin-Schönefeld 31.4
München 9.7
Stuttgart 5.5
Hamburg 4.7
Übrige Airports 9.8

Die Grafik zeigt die Verteilung der von Easyjet im Sommer angebotenen Sitzplatzkapazitäten ab deutschen Flughäfen. Angaben gerundet. "Übrige Airports" sind jene mit jeweils weniger als vier Prozent Anteil. Quelle: ch-aviation

Ist Easyjet eigentlich immer noch ein Low-Cost-Carrier oder mittlerweile eine Business-Airline?
Warum entweder-oder? Wir sind eine Low-Cost-Airline, weil wir eine Low-Cost-Struktur haben, wir sind aber auch ein Business-Anbieter, weil wir so ein dichtes innereuropäisches Streckennetz haben. Wir sprechen junge und alte Leute an. Unser Kunde ist jeder! Das ist unser Markenzeichen an vielen großen Standorten. Jeder fliegt mit uns.

... in Hamburg nicht. Die Basis da schließen Sie im Sommer …
Dort wäre ein weiteres Wachstum nur mit hohen Investitionen möglich, aber wir sind immer noch eine starke Airline in Hamburg. Für die aktuellen Wachstumspläne liegt unser Fokus nun auf Berlin.

Also geht's von Hamburg nach Berlin?
Das war nicht unser Plan! Als wir uns entschieden haben, in Hamburg wegzugehen, wussten wir ja nicht, dass wir ein paar Hundert Kilometer weiter bald groß aufschlagen würden.

Wer ist hierzulande Konkurrentin von Easyjet - Ryanair oder Lufthansa?
Das kann man nicht so pauschal sagen. Wenn wir uns die Strecken nach Paris angucken, ist es auf jeden Fall Joon - in Nizza ist es wieder jemand anderes ... Der Wettbewerb ist sehr stark, und daher kann man die Frage nur auf Streckenebene beantworten. Generell sind es natürlich alle Airlines im Kurz- und Mittelstreckenbereich.

Easyjet-Europachef Thomas Haagensen (links) im Gespräch mit airliners.de-Redakteur Carlo Sporkmann. Foto: © airliners.de

Blicken wir mal in die Zukunft: Wo steht Easyjet in fünf Jahren?
Was wir sehen ist, dass der Markt sehr in Bewegung ist - Vieles ist im Umbruch. Da können und wollen wir mit unserer klaren und einfachen Strategie punkten. Wir sind sehr strikt mit unseren Investitionen, deshalb müssen wir auch so fokussiert in einzelnen Märkten sein. Denn es gibt Ups and Downs, und unsere Profitabilität muss halten, weil wir immer auch in neue Flugzeuge investieren und eine starke Bilanz vorweisen wollen. Wenn sich dann kurzfristig noch Gelegenheiten wie zuletzt mit Air Berlin und Tegel auftun, wollen wir schnell reagieren können.

In sehr naher Zukunft steht der Brexit an, im März 2019 tritt Großbritannien aus der EU aus. Wie sehr sorgt das Easyjet?
Der Brexit hat natürlich einen großen Einfluss auf uns. Aber ich sehe uns gut gerüstet. Wir haben auf der einen Seite Easyjet Europe in Österreich gegründet, um auch im Fall eines harten Brexits innerhalb der EU fliegen zu können. Denn niemand kann uns sagen, dass wir bei einem harten Brexit wirklich mit einem in Großbritannien registrierten Flugzeug innereuropäisch abheben können ... Wir wollen 130 Flugzeuge zur Easyjet Europe übertragen, aktuell sind es 56 - wir denken, dass dieser Prozess nach dem Sommer abgeschlossen ist. Und auf der anderen Seite haben wir vor einigen Wochen auch eine britische Lizenz beantragt, um zwischen Europa und Großbritannien fliegen zu können. Wir sind sicher: Niemand weiß, wie der Austritt im Detail aussehen wird und welche Konsequenzen letztlich auf den Luftverkehr zukommen.

Herr Haagensen, vielen Dank für das Gespräch.

Von: cs, br
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