Jenny Jetstream (47) ( Gastautor werden )

Uniform ist toll! Uniform nervt!

04.11.2014 - 12:10 0 Kommentare

Was ziehe ich morgens an? Dieses Problem hat Jenny Jetstream nicht. Sie trägt jeden Tag die gleiche Uniform. Das bringt aber auch einige Nachteile mit sich.

Jenny Jetstream liebt Ihren Job als Flugbegleiterin. - © © Fotolia.com - Illustration: Zubada

Jenny Jetstream liebt Ihren Job als Flugbegleiterin. © Fotolia.com /Illustration: Zubada

Ich habe mich damals mitunter als Stewardess beworben, weil ich scharf auf eine Pillbox war: So ein kleines, fesches Hütchen, schief ins Gesicht gezogen. Das entsprach meiner persönlichen Vorstellung als i-Tüpfelchen einer Uniform. Im Hotel trug ich vor meiner Fliegerkarriere weiße Bluse und schwarzen Rock - also eher langweilig und trist. Eine Pillbox in Kombination mit einem schicken Kostüm würde mich fesch und sexy machen. So dachte ich mir das damals.

Ist das nicht herrlich? Egal, ob der Wecker morgens um 3 Uhr oder abends um 20 Uhr klingelt - die müßigen Diskussionen mit dem Kleiderschrank und die lästige Frage "Was trage ich heute?" bleiben mir erspart. Geht ein Teil kaputt, wird es in der Kleiderkammer ausgetauscht und man kann sicher sein, dass es sich nahtlos in die vorhandene Sammlung einfügt. Alles ist auf Lager, um tausende Mitarbeiter im gleichen Glanz der Öffentlichkeit präsentieren zu können.

An manchen Tagen möchte man die Uniform auf den Mond schießen

Es gibt allerdings auch Tage, an denen ich meine Uniform verfluche. Zum Beispiel, wenn ich mich in den Tropen bei 40 Grad und 100 Prozent Luftfeuchtigkeit in meine Nylons und die Polyesterbluse quälen muss. Da läuft einem schon mal der Schweiß den Rücken hinunter, bevor man das Flugzeug überhaupt erreicht hat. Umgekehrt ist es im Winter, wenn ich im kurzen Mäntelchen durch Eis und Schnee stiefele. Dann pustet mir der Eiswind das kunstvolle, vertraglich vorgeschriebene Make-up mit frostigen Böen aus dem Gesicht, und ich darf in einem völlig unterkühlten Flugzeug (das Ding stand zu Wartungszwecken die ganze Nacht ungeheizt in der Halle) schlotternd die Gäste begrüßen.

Für extreme Witterungsverhältnisse sind Uniformen leider nicht gemacht. Stattdessen wird bis auf das Kleinste vorgeschrieben, was sein darf und was nicht: Ohrringe nicht größer als ein Zwanzigcentstück, maximal zwei Ringe pro Hand (und bloß nicht am Daumen!), keine sichtbaren Piercings, keine Tatoos und den Rock nicht kürzer als eine Handbreit über dem Knie.

Die Absätze der Boardingschuhe, schwarz oder dunkelblau, ohne Schnörkel oder Verzierungen, kein Lack, kein Wildleder, sind maximal sechs Zentimeter hoch, die der Arbeitsschuhe mindestens einen. Pfennigabsätze sind verboten, Strümpfe sind nur schwarz, blau oder hautfarben, nicht glänzend und nicht blickdicht zu tragen. Private Garderobe darf nicht zur Uniform kombiniert werden, damit fällt die kuschelige Daunenüberjacke im Winter dann leider auch aus.

Die Uniform zeigt: Die weiß alles

Uniformträger repräsentieren die Firma immer und überall, und das ist nicht nur in der Luftfahrt so. Zum Beispiel, wenn ich in Palma durch den Flughafen laufe und mir bei einem amerikanischen Kaffeeröster ein Heißgetränk kaufe, weil mein Flugzeug leider eine halbe Stunde Verspätung hat. Da fragen mich die Leute, ob ich das Gate des Anschlussfluges der Iberia nach Ibiza weiß, ob der Mietwagen-Schalter in Köln um 23 Uhr noch geöffnet ist oder ob die Condor nach Frankfurt denn noch Platz für zwei Standbys hat. Schließlich arbeitete ich doch "in dem Job".

Mein Mann fuhr einmal in seiner Kapitänsuniform mit dem Zug von Münster nach Hamburg, um dort eine Maschine zu übernehmen und wurde gleich von mehreren Fahrgästen mit "Herr Schaffner" angesprochen. Die Leute fragten ihn nach Zugverbindungen, dem richtigen Gleis oder der geänderten Abfahrtzeit für den ICE nach München.

Damit muss man rechnen: Uniformierte stehen nun einmal für einen Beruf in der Dienstleistung und erwecken zumeist Vertrauen bei der Bevölkerung - und oft genug auch ungeahnte Redseligkeit. Da kann einem auch schon mal ein freundlich-neugieriges Gespräch angereicht werden mit den Worten: "Meine Tochter arbeitet auch bei ihrer Firma" oder "mit Ihnen sind wir letztes Jahr in den Urlaub geflogen" oder "wieviel PS hat denn eigentlich so ein Düsenjet?". Die Wahrscheinlichkeit, dass sich eine Zugfahrt in Uniform sehr kurzweilig gestaltet, ist relativ hoch.

Eine Uniform trägt man mit Stolz

Aber das haben wir ja schon vorher gewusst. Entweder man trägt die Uniform mit einem Lächeln oder zieht sich ganz pragmatisch auf der Flughafentoilette um. Zumeist tragen wir die "Fliegerkutte" mit Stolz, nur in seltenen Fällen wünscht man sich einen Tarnumhang wie im Harry-Potter-Film. Eine Uniform zu tragen, bedeutet große Empathie mit seinen Mitmenschen zu haben, und zwar für alle - auch für die, die nicht direkt Kunden, Gäste oder Patienten sind.

Wir in der Kabine sind darauf gut vorbereitet, da wir tagtäglich tausend Fragen von den Gästen beantworten. Und die Damen und Herren aus dem Cockpit werden das sicher noch lernen. Schließlich sind sie auf ihre goldenen Pommes am Jackenärmel ja auch berechtigt stolz. Vor allem nach einer Beförderung vom Copiloten zum Kapitän, wenn dann aus praktischen Gründen statt eines neuen, vierstreifigen Jacketts die goldene Litze als glitzernde Meterware per Post nach Hause kommt, zum selber Drannähen. Das ist dann eine Uniform mit Handarbeit und Herzblut.

Es grüßt euch, immer schick in Fliegerblau,
Eure Jenny Jetstream

Über die Autorin

Jede Woche veröffentlicht die Flugbegleiterin, Autorin und Illustratorin Kathrin Leineweber auf airliners.de eine neue Geschichte aus dem Leben der Stewardess Jenny Jetstream in Kolumnenform. Alle "Jenny Jetstream"-Folgen lesen.

Kathrin Leineweber Kathrin Leineweber begleitet als Purser Passagiere einer großen deutschen Airline rund um den Globus und hat über Ihren Beruf mehrere Bücher veröffentlicht. Zudem schreibt und illustriert sie Kinderbücher.

Von: Kathrin Leineweber für airliners.de
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