Die Born-Ansage (106)

Und jährlich grüßt das Flugchaos-Tier

14.03.2019 - 12:01 0 Kommentare

Im Film "Und täglich grüßt das Murmeltier" wiederholt sich immer derselbe Tag. In leichter Abwandlung dazu droht hierzulande nun Ähnliches für die Luftfahrt. Karl Born appelliert vor dem nächsten Flugchaos-Gipfel an die Branche.

Montage: airliners.de - © © dpa, Privat -

Montage: airliners.de © dpa, Privat

Im Oktober 2018 fand in Hamburg der groß angekündigte Luftverkehrsgipfel von Verkehrsminister Andreas Scheuer statt. Auf diesem hochrangigen aber leider ergebnismageren Gipfel wurden 25 Punkte besprochen. Die waren entweder selbstverständlich, unkonkret oder einfach nur Phrasen, so dass wenig Hoffnung auf schnelle Besserung zu erwarten ist. Am konkretesten war noch die Ankündigung, im März 2019 solle ein Folgetreffen stattfinden – inklusive Review der Beschlüsse.

Jetzt ist März 2019, angeblich am 28. März soll der Folgegipfel stattfinden. Sehr Konkretes dazu war bislang noch nicht in Erfahrung zu bringen. In bemerkenswerter (und dankenswerter) Offenheit hat Anfang März Tuifly-Chef Oliver Lackmann schon -diplomatischer formuliert – ein neuerliches Chaos für 2019 nicht ausgeschlossen:

"Wir sehen schon jetzt, dass der kommende Sommer für alle eine Herausforderung wird." Unverändert seien fast alle im letzten Gipfel angesprochenen Probleme in gleicher Problematik vorhanden. Und da wusste Lackmann noch nichts vom aktuellen Grounding der Boeing 737 Max.

© Fotos: BMVI, privat; Montage: airliners.de, Lesen Sie auch: Der zweifelhafte Luftfahrtgipfel und seine noch zweifelhafteren Ergebnisse Die Born-Ansage (95)

Eine der positiven Maßnahmen, die einige Fluggesellschaften nach dem "großen Fressen der Air Berlin in 2018" für 2019 getroffen haben, ist wieder Reservekapazität einzuplanen. Auch wenn Deutschland auf den ersten Blick vom Grounding der Max-Boeings nur sehr unterproportional betroffen scheint, wird aus anderen Ländern, zum Beispiel Großbritannien, jetzt der Ruf nach Ersatzkapazitäten laut werden. Lösung: Adé liebe Flugzeugreserve, jetzt geht es wieder ans Geldverdienen.

Denn in rund vier Wochen beginnt die Ostersaison. Die "Herausforderung" wird also Dank Boeing nicht erst die Sommersaison sein, sondern in diesem Jahr schon Ostern. Verspätungen und Flugverlegungen werden dann nicht durch die ursprünglich geplante Kapazitätsreserve aufgefangen, weil nicht mehr vorhanden, sondern schlagen wieder voll durch.

© Tui, Lesen Sie auch: Boeing-737-Max-Grounding bringt Probleme für Fluggesellschaften

Deshalb kann man nur heute schon an alle Beteiligten appellieren, wenigstens die Personalkapazität dafür bereitzuhalten. Leider waren in der Vergangenheit die Flughäfen und insbesondere die Sicherheitskontrollen immer wieder aufs Neue überrascht, wie "so plötzlich der Oster-Peak" kam. Und es wäre jetzt auch noch genügend Zeit, Personal einzuplanen, wenn Flugzeuge stark verspätet oder auf anderen Flughäfen eintreffen werden als geplant. Im letzten Sommer hat man diese Fluggäste zu oft "ihrem Schicksal" überlassen.

Meine große Befürchtung ist, dass die kommenden, schon letzten Jahres bekannten Probleme, jetzt mit Max-"Grounding" entschuldigt werden. Vor allem an den neuen Fluggipfel Ende März sei die dringende Bitte gerichtet, das vorgesehene Review der Punkte aus dem Oktobergipfel tatsächlich vorzunehmen und nicht alle Punkte zu verschieben, nach dem Motto "Wir haben jetzt die Max-Krise".

Im Film konnte die Wiederholung des immer gleichen Tages für den Protagonisten übrigens erst durchbrochen werden, als er "geläutert" war. Vorher musste er sich komplett neu erfinden, indem er die Wiederholungen für eine Art Selbsterziehung genutzt hat. Ich wünsche mir, dass der Branche das erspart bleibt. Sonst müsste man die Feststellung von Lackmanns Spruch über den Sommer 2019 leider gleich verlängern - auf den Sommer 2020, 2021, 2022...

Über den Autor

In seiner Reihe "Die Born-Ansage" veröffentlicht der ehemalige Condor-Vertriebschef, Tui-Vorstand und Touristik-Honorarprofessor Karl Born auf airliners.de Kolumnen zum aktuellen Geschehen in der Luftverkehrswirtschaft.

Professor Karl BornAls Redner auf Führungskräfte- und Verbandstagungen ist Karl Born in der ganzen Welt unterwegs. Als "Querdenker der Reisebranche" für seine "Bissigen Bemerkungen" ausgezeichnet, nimmt der ehemalige Airline- und Touristikmanager auch in Sachen Luftverkehr kein Blatt vor den Mund. Kontakt

Von: Karl Born für airliners.de
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