Ufo startet Urabstimmung für Streiks bei Eurowings in wenigen Tagen

12.07.2019 - 09:55 0 Kommentare

Nachdem es kurzzeitig nach einer Verschiebung aussah, ruft die Ufo ihre Eurowings-Mitglieder in der kommenden Woche zur Urabstimmung über unbefristete Streiks. Diese könnten schon im August beginnen.

Streikbuttons der Flugbegleitergewerkschaft Ufo. - © © dpa - Boris Roessler

Streikbuttons der Flugbegleitergewerkschaft Ufo. © dpa /Boris Roessler

Die Flugbegleitergewerkschaft Ufo hat ihre Mitglieder bei der Lufthansa-Tochter Eurowings zur Urabstimmung über einen unbefristeten Streik aufgerufen. Die Abstimmung soll am kommenden Dienstag (16. Juli) beginnen und über gut drei Wochen bis zum 8. August laufen, teilte die Gewerkschaft in Frankfurt mit.

Damit seien Streiks noch im August möglich, erklärte der stellvertretende Vorsitzende Daniel Flohr. Auch die Flugbegleiter der Teilgesellschaft Germanwings sollen über einen Streik abstimmen. Die Beschäftigten des Mutterkonzerns Lufthansa würden mit "etwas Abstand" folgen.

Lufthansa bleibt unbeeindruckt

Ufo hatte sich bereit erklärt, die Urabstimmungen zu Streiks des Kabinenpersonals bei Eurowings und Lufthansa für mindestens vier Wochen zu unterbrechen, was Streiks vor September und damit in der Ferien-Zeit weitgehend ausgeschlossen hätte. Im Gegenzug sollte der Lufthansa-Konzern einer außergerichtlichen, rechtlichen Klärung der Vertretungsberechtigung der Ufo, zustimmen und Termine für die Fortsetzung der derzeit nicht stattfindenden Tarifverhandlungen vereinbaren.

Lufthansa lehnte dies ab und fordert stattdessen, dass sich Ufo "gemäß ihrer Satzung" neu aufstellt, damit man rechtssicher verhandeln könne. Streiks bei der Kern-Marke Lufthansa Passage kommen für den Konzern ohnehin nicht in Frage, da die im Frühjahr erfolgte Kündigung der Verträge nicht formgerecht erfolgte, weshalb die Friedenspflicht sowieso bestehe.

Bei Eurowings und Germanwings ist die Ausgangssituation eine andere. Zwar ist das Eurowings-Management der Linie der Mutter Lufthansa gefolgt und hat sämtliche Gespräche mit Ufo auf Eis gelegt, doch damit endete laut Ufo auch ein Schiedsverfahren zu vorliegenden Tarifverträgen, die damit "wieder offen und bestreikbar" seien. Konkret gehe es um einen sogenannten Tarifvertrag Personalvertretung, der dringend reformiert werden müsse.

Eurowings unterstreicht, nicht auf Zeit zu spielen

Auf Anfrage von airliners.de warf Eurowings der Gewerkschaft vor, die Mitarbeiter und Kunden in der Hochphase des Sommergeschäfts gezielt zu verunsichern. Die angekündigte Urabstimmug sei umso unverständlicher, weil die offenen Tarifverträge bereits bei Eurowings unterschrieben auf dem Tisch liegen würden und "schon längst für unsere Kabinenmitarbeiter unter Dach und Fach sein könnten."

Man fordere die Ufo daher auf, alles daran zu setzen, ihre Vertretungsbefugnis und damit die Rechtmäßigkeit des Gewerkschaftsvorstands herzustellen. Dies habe die Gewerkschaft trotz zahlreicher und monatelanger Aufforderungen bis heute nicht getan. Solange kein handlungsfähiger Gewerkschaftsvorstand vorhanden sei, können mit der UFO keine Vereinbarungen abgeschlossen werden. Eurowings teile dabei die Rechtsauffassung der Mutter Lufthansa.

© dpa, Oliver Berg Lesen Sie auch: Lufthansa bleibt bei Ablehnung, Ufo rechnet mit Streiks

Auch auf zwei von Seiten der Ufo öfter geäußerte Vorwürfe ging Eurowings ein: Man sei bei der Bewertung der juristischen Lage nicht an Vorgaben aus dem Konzern gebunden. Zudem wäre der aktuelle Zustand nicht im Eurowings-Interesse, da man nur mit einem "verhandlungsfähigen" Sozialpartner für Verlässlichkeit und Planungssicherheit sorgen könne.

Ufo sieht Urabstimmung als alternativlos an

Die Fronten scheinen verhärtet, denn für Ufo ist die Eurowings-Haltung "die Einstellung von Gesprächen ohne Aufsicht auf Verbesserung", sagt Flohr. Ufo bliebe daher nichts anderes übrig, als Vorbereitungen für einen Ausstand zu treffen. Die Angestellten würden seit Monaten auf Verhandlungsergebnisse warten, dennoch habe man dem Arbeitgeber viel Geduld entgegengebracht, in den Augen mancher Kollegen zu viel.

"Wir bedauern diese Entwicklung sehr, denn Streiks sind für niemanden angenehm. Doch anscheinend hat Lufthansa die Fähigkeit zur Lösung verloren und der Konzern lässt es bewusst auf diese Machtprobe ankommen“, so Flohr abschließend.

Neben der Ufo vertritt auch die Gewerkschaft Verdi die Interessen von Eurowings-Flugbegleitern und führt parallele Verhandlungen.

© Eurowings, Lesen Sie auch: Eurowings-Belegschaft spürt Druck auf Arbeitsplätze

Von: dk mit dpa
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