Flugbegleiter stoppen Urabstimmung zu Streiks bei Eurowings

22.07.2019 - 12:27 0 Kommentare

Die Kabinengewerkschaft Ufo gibt im Streit mit der Lufthansa Group klein bei. Eine Urabstimmung zu Streiks bei Eurowings wurde abgeblasen. Hintergrund sind Zweifel an der Rechtmäßigkeit des Gewerkschaftsvorstandes.

Flugbegleiter der Eurowings. - © © Eurowings -

Flugbegleiter der Eurowings. © Eurowings

Bei den Airlines im Lufthansa-Konzern wird es in diesem Sommer voraussichtlich doch keine Streiks der Flugbegleiter mehr geben. Die Flugbegleitergewerkschaft Ufo hat am Montag die in der vergangenen Woche begonnene Urabstimmung über einen unbefristeten Arbeitskampf gestoppt, wie ein Gewerkschaftssprecher am Montag der Deutschen Presse-Agentur bestätigte. Für die noch innerhalb des Monats August angekündigten Streiks fehlt damit die Zustimmung der Gewerkschaftsmitglieder als zwingende formale Voraussetzung.

Die Ufo begründet ihren Schritt mit der unklaren rechtlichen Lage um die Rechtmäßigkeit ihres Gewerkschaftsvorstandes. Das Amtsgericht Darmstadt hat die Wahl der aktuell amtierenden Gewerkschaftsspitze wie auch des Vorgängergremiums wegen möglicher Formfehler für "schwebend ungültig" erklärt.

Das birgt rechtliche und finanzielle Risiken für die kleine Spartengewerkschaft. Mit dem Abstimmungsstopp will man möglichen Schadensersatzansprüchen aus dem Weg gehen, die bei einem unrechtmäßigen Streik erhoben werden könnten. Eine Urabstimmung könnte dabei bereits als Arbeitskampfmaßnahme gewertet werden.

© dpa, Frank Rumpenhorst Lesen Sie auch: Gericht spricht Ufo-Vorstand vorläufig Vertretungsbefugnis ab

Die Abstimmung sei nur unterbrochen, bis der Sachverhalt geklärt sei, erklärte der Ufo-Sprecher. Man habe beim Gericht bereits Unterlagen zur Klärung der strittigen Fragen nachgereicht. In einer Mitteilung an die Mitglieder wird indirekt die Streikdrohung noch aufrecht erhalten. Dort heißt es: "Zwar glauben wir, dass die dahinterstehende Frage, nämlich wie kampfbereit eine Kabine derzeit ist, trotzdem beantwortet werden kann und soll."

Die Gewerkschaft konnte nach eigener Einschätzung nicht mehr auf ein eindeutiges Votum pro Streik und die notwendige Kampfbereitschaft der Flugbegleiter hoffen. "Doch ist uns bewusst, wie sehr das politische Umfeld und die öffentliche Diskussion verunsichert, um von Euch eine Entscheidung in dieser wichtigen Frage zu verlangen", heißt es in der Mitteilung.

Lufthansa betrachtet Gewerkschaft als nicht vertretungsberechtigt

Der Lufthansa-Konzern hat Kündigungen und Beschlüsse der intern zerstrittenen Gewerkschaft bereits seit Monaten nicht mehr anerkannt. Auch nicht bei der Tochter Eurowings, wo eigentlich zwei unterschriftsreife Tarifverträge zu Teilzeitregelungen und der Personalvertretung vorliegen. Man sehe sich in der Rechtsauffassung bestätigt, dass Ufo derzeit nicht über einen handlungsfähigen Vorstand verfüge, erklärte ein Eurowings-Sprecher am Montag.

Hintergrund ist ein seit Monaten offen ausgefochtener Machtkampf innerhalb der Sparten-Gewerkschaft, in dessen Verlauf auch der langjährige Vorsitzende Nicoley Baublies zurückgetreten war. Das Amtsgericht hat es einstweilen abgelehnt, die aktuell benannten Vorstandsmitglieder Daniel Flohr und Julia Trojan ins Vereinsregister einzutragen.

Momentan sind laut Justiz dort neun Personen als Vorstandsmitglieder notiert. Laut Satzung hat der Ufo-Vorstand bis zu sieben Mitglieder, nach etlichen Rücktritten und Nachbenennungen nennt die Gewerkschaft derzeit drei Namen: Die Vorsitzende Sylvia de la Cruz sowie Flohr und Trojan.

© dpa, Fotomontage: airliners.de Lesen Sie auch: Das ist der rechtliche Hintergrund des Streits zwischen Lufthansa und Ufo Luftrechtskolumne - (Ufo-Extra)

Von: dpa
Nachrichten-Newsletter

Keine Nachricht verpassen mit unserem täglichen Newsletter.

Ich habe die Datenschutzbestimmungen zur Kenntnis genommen.

  • Flugbegleiter der Eurowings und Germanwings haben die Arbeit niedergelegt. Lufthansa bleibt bei Ablehnung, Ufo rechnet mit Streiks

    Die Ufo-Frist für Lufthansa, die angedrohten Streiks abzusagen, wenn diese Verhandlungen zustimmt, läuft am 10. Juli ab. Der Kranich gibt sich hart, die Gewerkschaft hofft, dass Politik und Passagiere auf ihrer Seite stehen.

    Vom 05.07.2019
  • Ein Plakat der Flugbegleiter-Gewerkschaft Ufo. Lufthansa lässt Gewerkschaftsstatus von Ufo gerichtlich klären

    Die Auseinandersetzung zwischen Lufthansa und Flugbegleitergewerkschaft Ufo geht in die nächste Runde. Der Airline-Konzern lässt den Status der Gewerkschaft mit der Begründung überprüfen, die Ufo könne ihre Rolle als Tarifpartner nicht erfüllen.

    Vom 16.08.2019
  • Flugbegleiterinnen von Eurowings und Germanwings. IGL gründet Interessen-Vertretung für Flugbegleiter

    Einst waren es Ufo-Leute, die den Aufbau der Dachgewerkschaft IGL für alle Beschäftigten der Luftfahrt voran trieben. Jetzt wendet sich diese inmitten der Ufo-Krise ab und will die Flugbegleiter selbst vertreten.

    Vom 19.08.2019

Themen

Es gelten die Forenregeln und Nutzungsbedingungen » mit Unterstützung durch Disqus