Kräftemessen der Lufthansa-Gewerkschaften

UFO überbietet ver.di-Forderungen und droht mit eigenem Ausstand

30.07.2008 - 10:14 0 Kommentare

Lufthansa muss am Mittwoch wegen des laufenden ver.di-Streiks erstmals auch Langstreckenflüge streichen. Derweil hat die Flugbegleiter-Organisation (UFO) der Fluggesellschaft mit einem eigenen Streik gedroht. Die Kabinenpersonal-Gewerkschaft überbietet ver.di dabei mit einer Forderung von 15 Prozent. Wie Gefährlich sind zerfaserte Gewerkschaften für das gesamte System?

Die Gewerkschaft ver.di hat ihren unbefristeten Streik bei der Deutschen Lufthansa am Mittwoch den dritten Tag in Folge fortgesetzt. Ingesamt würden bundesweit an zahlreichen Flughäfen 78 Flüge gestrichen, sagte ein Sprecher der größten deutschen Fluggesellschaft am Mittwochmorgen in Frankfurt am Main. Betroffen seien hauptsächlich Inlandsverbindungen und europäische Strecken. Erstmals komme es allerdings auch zum Ausfall von Interkontinentalflügen. So würden wegen des Arbeitskampfes drei Flüge nach Nordamerika und ein Flug nach Indien von Frankfurt am Main ausfallen.

Derweil spalten die ver.di-Methoden die Lufthansa-Belegschaft. Nicht wenige glaube, dass die Gewerkschaft eher um Mitglieder kämpft, als um bessere Tarife. Hintergrund sind die Spezialgewerkschaften, die im Lufthansa-Konzern der großen Dienstleistungsgewerkschaft das Wasser abgraben.

UFO überbietet ver.di bei Lohnforderungen

Offenbar beflügelt vom geringen Ausmaß der ver.di-Aktionen im Vergleich zum Piloten-Ausstand der Spezialgewerkschaft Vereinigung Cockpit sieht sich nun auch die Flugbegleiter-Organisation UFO zu eigenen Aktionen aufgefordert.

UFO hat der Lufthansa trotz laufender Friedenspflicht schon jetzt medienwirksam mit einem Streik im nächsten Jahr gedroht. Es sei «sehr wahrscheinlich», dass ein Arbeitkampf nötig sei, sagte der Leiter Tarifpolitik und Recht bei UFO, Joachim Müller, der «Frankfurter Rundschau» (Mittwochausgabe). «Wir sind darauf vorbereitet.» UFO fordert 15 Prozent mehr Gehalt für das Kabinenpersonal. Die Tarifverträge laufen noch bis Ende Dezember, bis dahin herrscht für Mitglieder der UFO Friedenspflicht.

Die 1992 gegründete Organisation hat noch nie einen Ausstand organisiert. Dies habe auch Vorteile, sagte Müller: «Die Kassen sind voll.» UFO sei straff organisiert und vertrete «Funktionseliten»: Ohne Flugbegleiter könne keine Maschine starten.

Konkurrierende Spezialgewerkscghaften Problematisch für gesamtes System

Naben den Spezialisten in der Kabine und den Piloten gilt auch die Lufthansa-Technik als mächtig, weil der ver.di-Organisationsgrad nach eigenen Angaben mit rund 50 Prozent besonders hoch ist. Und tatsächlich wirkt beim derzeitigen ver.di Streik auch vorrangig der Ausstand der Spezialisten von der Lufthansa-Technik.

Die Lufthansa hat wegen des Streiks bei der Technik die größten Probleme, einen Notfallplan aufzustellen. Die Wartung ihrer Flugzeugflotte wird nun bereits zu Teilen ins Ausland verlegt. Zudem sollen auch Techniker aus dem Ausland nach Deutschland beordert worden sein. Lufthansa Technik ist ein "Global Player" mit Basen überall auf der Welt. Nicht auszudenken für ver.di, wenn auch die Techniker eine eigene Spezialgewerkschaft gründen würden. Die Macht dazu hätten sie. Ein Horrorzenario für die Gewerkschaft. Gleichzeitig wäre eine weitere Spezialgewerkschaft auch ein Problem für die Lufthansa.

Wenn immer kleinere Spezialisten-Organisationen quasi nach belieben einen ganzen Konzern lahmlegen können, wird es Problematisch für das gesamte System. Nach Einschätzung des Tarifexperten Hagen Lesch vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW) kann der Streik angesichts konkurrierender Gewerkschaften bei Lufthansa verheerende Folgen haben. «Da geht es dann um das Aufschaukeln von Lohnforderungen», sagte Lesch. Hohe Steigerungen seien eventuell in der technischen Wartung noch gerechtfertigt, sagt Lesch, "aber nicht bei einem Mitarbeiter, der Salat wäscht und Brötchen belegt." Die Leidtragenden der Entwicklung sind daher vor allem auch die Mitarbeiter in schneller ersetzbaren Bereichen.

Mitarbeiter und Lufthansa fordern neue Verhandlungen

Mit Blick auf die gescheiterten Tarifverhandlungen forderte die Lufthansa ver.di erneut auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren.

Ver.di wies den Appell zurück und hielt an der geforderten Lohnerhöhung von 9,8 Prozent fest. "Wir streiken für ein besseres Angebot und nicht für eine Einladung zum Kaffeetrinken", sagte der ver.di-Sprecher. Wenn die Lufthansa neue Gespräche wolle, müsse sie ihr Angebot nochmals nachbessern.

Diese Haltung der Gewerkschaft trifft aber nach Spiegel-Online-Berichten nicht die vorherrschende Meinung der Mitarbeiter. Zumindest in Hamburg sei die Belegschaft tief gespalten. Ver.di kämpft nach Auffassung vieler eher um die flüchtenden Mitglieder und gegen den schwindenden Einfluss im Konzern als um höhere Tarife.

Von: AFP, dpa, ddp, airliners.de
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