Ufo-Chef droht Ryanair mit Streiks

12.10.2018 - 16:34 0 Kommentare

Die Flugbegleitergewerkschaft Ufo holt zum Schlag gegen das "schurkische Geschäftsmodell" von Ryanair und Norwegian aus und droht mit Streiks beim Billigflieger. Auch bei VC und Verdi sind negative Töne zu vernehmen.

Nicoley Baublies  - © © dpa - Britta Pedersen

Nicoley Baublies © dpa /Britta Pedersen

Die Flugbegleiter-Gewerkschaft UFO hat mit Streiks beim irischen Billigflieger Ryanair gedroht. "Wenn die Streiks der Piloten und Kabinenbeschäftigten nicht zum Einlenken führen, werden die Streiks zunehmen", sagte Chef Nicoley Baublies dem "Focus". Bislang hat Ufo noch keine Ausstände bei Ryanair ausgerufen.

Doch: Es werde "vielleicht auch zur Ferien- und Feiertagszeit" gestreikt. Dass "schurkische" Geschäftsmodell wie bei Ryanair oder auch beim Billigflieger Norwegian verschwinden werden, sei laut Baublies sicher. "Billigflieger gibt es auch in Zukunft, aber solche wie Eurowings und Easyjet, in denen zumindest Tarifverträge und Mitbestimmung Normalität sind."

"Ryanair werde nicht mehr zur Ruhe kommen"

Ryanair dagegen werde nicht mehr zur Ruhe kommen, droht der Ufo-Vorsitzende. "Wenn sich Ryanair nicht von Grund auf erneuert, bringt sich die Airline um ihre Existenz." Schon ein weiteres Jahr wie das jetzige sei nicht durchzuhalten. Ryanair hatte kürzlich für Mitte Oktober geplante Verhandlungen mit Ufo abgesagt.

Denn zwischen Gewerkschaft und Airline ist ein Streit um eine Ufo-Pressemitteilung ausgebrochen. Darin warnt die Gewerkschaft, dass die schlechten Arbeitsbedingungen bei Ryanair auch ein Sicherheitsrisiko darstellen könnten. Mehrere E-Mails, die unserer Redaktion vorliegen, zeigen, dass Ryanair Ufo mit rechtlichen Konsequenzen gedroht hat, sollte die Mitteilung nicht von der Webseite der Gewerkschaft verschwinden.

© dpa, Andreas Arnold Lesen Sie auch: Urteil: Ryanair muss Streikopfer nicht entschädigen

Beim irischen Billigflieger kommt es seit Monaten in verschiedenen Ländern immer wieder zu Streiks von Piloten und Flugbegleitern. Die Beschäftigten fordern höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen. Die Gewerkschaften verlangen vor allem, dass Ryanair jeweils nationales Arbeitsrecht anwendet. Ryanair weist die Vorwürfe schlechter Arbeitsbedingungen zurück.

Verdi will Sozialtarifverhandlungen

Die Gewerkschaft Verdi verhandelt parallel zu Ufo für die deutschen Flugbegleiter mit Ryanair. Hier gab es in dieser Woche ein Treffen in Dublin. In den "sehr schwierigen Verhandlungen" wurden laut Mitteilung unter anderem die vom Management angekündigte Schließung des Standorts Bremen thematisiert.

Verdi hat nach eigenen Aussagen das Unternehmen aufgefordert, neben den Tarifverhandlungen auch in Sozialtarifverhandlungen für alle Beschäftigten einzutreten. Über eine Fortsetzung der Verhandlungen werde voraussichtlich in der nächsten Woche entschieden.

Piloten nennen Vorgehen "Kriegserklärung"

Für die deutschen Piloten verhandelt die Vereinigung Cockpit (VC) mit dem irischen Management über ein Tarifwerk. Vergangenen Dienstag wollten VC-Vertreter mit Ryanair über die Stationsschließungen reden. Zu den Inhalten ist nichts bekannt. Allerdings verbreitete die VC am Freitag ein Schreiben der niederländischen Pilotengewerkschaft VNV, indem die Flugzeugabzüge in Bremen und Eindhoven als "Kriegserklärung" bezeichnet werden.

Eine Station zu schließen und die Angestellten in ein anderes Land zu versetzen, ist mit dem sozialen Dialog nicht kompatibel.

Arthur van de Hudding, Präsident der VNV

Von Piloten und Flugbegleitern würden die angekündigten Maßnahmen als Strafe für die jüngsten Streiks wahrgenommen, heißt es in der Mitteilung. Ryanair hatte einen solchen Zusammenhang bestritten. Die Gewerkschaftsvertreter sprachen jedoch von einem "aggressiven Schachzug des Ryanair-Managements".

"Gegenangebote" nicht akzeptabel

In einem Schreiben an die Mitglieder stellte die VC noch einmal klar, dass der Billigflieger bislang "nicht ausreichend" auf den Entwurf unter anderem einer Schlichtungsvereinbarung geantwortet hätte. Der Low-Coster hatte vorab mehrfach öffentlich betont, einer Schlichtung mit der VC zuzustimmen.

"Die drei von Ryanair im heutigen Schreiben aufgeführten 'Gegenangebote' entsprechen keinesfalls der mündlich getroffenen Abmachung und werden auch dadurch nicht besser, dass sie vom Unternehmen in jedem Brief wiederholt werden", heißt es in dem Schreiben, das auf den 4. Oktober datiert ist.

Von: br, AFP, cs
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