Ufo sagt Mitgliederversammlung nach Rücktritten ab

21.05.2019 - 16:40 0 Kommentare

Der Vorstand der Flugbegleiter-Gewerkschaft Ufo hat die für Mittwoch geplante außerordentliche Mitgliederversammlung abgesagt. Die Gründe für das Treffen seien entfallen, heißt es in einem internen Schreiben an die rund 11.000 Mitglieder.

Gestapelte Streikwesten der Flugbegleiter-Gewerkschaft Ufo - © © dpa - Frank Rumpenhorst

Gestapelte Streikwesten der Flugbegleiter-Gewerkschaft Ufo © dpa /Frank Rumpenhorst

Die Absage der Mitgliederversammlung der Flugbegleiter-Gewerkschaft Ufo für den morgigen Mittwoch hat Branchenbeobachter überrascht. Sie folgte auf den Rücktritt der drei Vorstandsmitglieder Alexander Behrens, Christoph Drescher und Anne Struck, die ihren Rückzug zu Beginn der Woche mit der Forderung verbanden, dass die drei verbliebenen Vorstandsmitglieder um Gewerkschaftsboss Nicoley Baublies ebenfalls ihre Ämter niederlegen. So solle der Weg für einen Neuanfang an der Spitze der Gewerkschaft frei gemacht werden.

Baublies erklärte daraufhin in einem Rundschreiben, ebenfalls zurücktreten zu wollen. Über die Art und Weise sollten aber die Mitglieder in den kommenden Wochen in einer Abstimmung beschließen. Eine Entscheidung darüber, wie es mit der skandalgeplagten Gewerkschaft weitergeht, ist mit der Absage der Versammlung zunächst verschoben.

In der vergangenen Woche hatte die Staatsanwaltschaft Darmstadt die Büroräume der Gewerkschaft durchsuchen lassen. Es geht um den Verdacht der Untreue gegen nicht genannte Funktionäre, wie Behördensprecher Robert Hartmann sagte. Die Gewerkschafter sollen sich angeblich gegenseitig vorteilhafte Anstellungsverträge ausgestellt haben, mit denen das Vereinsvermögen geschädigt worden sei. Behrens' Anwalt Samy Hammad hatte die Vorwürfe des Betrugs und der Untreue umgehend zurückgewiesen. Inzwischen gehört auch Baublies zu den möglichen Beschuldigten.

Der Tarifvertrag mit der Lufthansa macht weiter Probleme

Laut dem "Handelsblatt" vermuten Gewerkschaftsinsider jedoch noch einen weiteren Grund für die Absage der Mitgliederversammlung. Denn die Lufthansa habe zu Anfang der Woche das jährliche Monitoring des komplexen Tarifvertrages für das Kabinenpersonal abgeschlossen und ermittelte ein Nichterreichen von Kostenzielen.

Der von unter Federführung von Baublies 2016 ausgehandelte Vertrag ist wegen einer Komplexität in der Gewerkschaft umstritten. Es werden versteckte Kostenfallen für die Angestellten befürchtet, da die Lufthansa in besagtem Monitoring jährlich überprüft, ob verabredete Einsparziele erreicht wurden. Für 2018 fehlen 38,5 Millionen Euro, die von den Flugbegleitern getragen werden müssen. Baublies muss sich daher auf viel Kritik einstellen. Das "Handelsblatt" sieht in der Absage der Mitgliederversammlung durch den Restvorstand ein Manöver, um Zeit zu gewinnen, die Situation zu sondieren.

Zunächst soll nun die Wahl zum Vorstand durchgeführt werden, um der Lufthansa in den anstehenden Auseinandersetzungen überhaupt begegnen zu können.

© dpa, Oliver Berg Lesen Sie auch: Tiefe Risse in der Kabine Hintergrund

Von: dk
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