Streit zwischen Ufo und Lufthansa eskaliert

29.03.2019 - 16:15 0 Kommentare

Lufthansa will Tarifvertragskündigungen durch die Flugbegleitergewerkschaft Ufo nicht anerkennen. Jetzt droht Vorstand Baublies der Airline mit Streiks im Sommer - und geht vor Gericht. Es ist nicht der einzige Streitpunkt.

Nicoley Baublies, Vorstand von Ufo. - © © dpa - Frank Rumpenhorst

Nicoley Baublies, Vorstand von Ufo. © dpa /Frank Rumpenhorst

Der Konflikt um die von der Flugbegleitergewerkschaft Ufo gekündigten Tarifverträgen mit der Lufthansa spitzt sich zu. Dabei geht es um die Gültigkeit der Kündigungen. Die sind offenbar vom Ufo-Vorsitzenden Nicoley Baublies unterzeichnet, was Lufthansa aber nicht als rechtens anerkennt.

Als Grund dafür nennt die Fluggesellschaft "formale Unklarheiten". Insbesondere zweifelt Lufthansa die Funktion Baublies' als Vorsitzender der Kabinengewerkschaft mit ihren rund 30.000 Mitgliedern an. Im Register des Amtsgerichts Darmstadt sei Alexander Behrens vermerkt, heißt es im Konzern. Die Ufo selbst nennt Baublies als Vorsitzenden.

Baublies kündigte am Freitag an, den Konzern mittels einer einstweiligen Verfügung zur Kooperation zwingen zu wollen. Sie werde in nächster Zeit beim Arbeitsgericht eingereicht. Zuvor hatte die Ufo der Fluggesellschaft bereits drei Monate vor Ende der Friedenspflicht mit einem Streik des Kabinenpersonals im Sommer gedroht.

Der Gewerkschafter sagte dem Magazin "Focus": "Nach dem 30. Juni sind die Tarifverträge zur Vergütung und zu den Arbeitsbedingungen offen." Sollte sich die "totale Verweigerungshaltung" der Lufthansa bis dahin nicht deutlich verbessert haben, laufe alles auf einen "massiven Streik" des Kabinenpersonals hinaus.

© dpa, Fredrik Von Erichsen Lesen Sie auch: Ufo kündigt Lufthansa-Tarifverträge

Eine Sprecherin der Lufthansa sagte hingegen, dass die geltenden Tarifverträge weiterhin Bestand hätten, und die Frage nach Streiks sich daher derzeit nicht stelle. Schließlich dauere die Friedenspflicht bei bestehenden Tarifverträgen an. Neben den formalen Kriterien verweist Lufthansa zudem auf den bis Ende 2023 gültigen Tarifvertrag zur Konfliktvermeidung, den die Ufo 2016 unterschrieben habe. Darin seien exakte Schlichtungsverfahren und Umfänge möglicher Warnstreiks verbindlich festgelegt. Insgesamt besteht die Tarifeinigung von 2016 aus 29 einzelnen Tarifverträgen.

Machtkampf in der Ufo spielt Lufthansa in die Hände

In der Gewerkschaft tobt seit Monaten ein Machtkampf. Gegen nicht genannte Verantwortliche läuft zudem ein staatsanwaltschaftliches Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts auf Untreue.

Der frühere Ufo-Chef Alexander Behrens hatte sein Amt im Oktober offiziell aus gesundheitlichen Gründen abgegeben, war aber im Vorstand geblieben. In der Branche gilt es jedoch als ausgemacht, dass hinter Behrens Rückzug mehr steckt. So berichtet das Handelsblatt von überhöhten Spesenkostenabrechungen und der Nutzung von Ufo-Kreditkarten für private Zwecke, die Behrens angelastet werden.

© dpa, Frank Rumpenhorst Lesen Sie auch: Neuer Streit zwischen UFO und Lufthansa

Zeitgleich streiten Ufo und Lufthansa zudem über vermeintlich zu Unrecht geleistete Gehaltszahlungen an Gewerkschaftsvertreter und fordert über 800.000 Euro zurück. Die Arbeitnehmervertreter wiesen die Forderung als "absurd" zurück. Im Fokus des Zwists stehen Freistellungstage für Gewerkschafter - darunter auch von Baublies.

Von: dk mit dpa
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