Spott und Häme für Alitalia

Übertuschen zwecklos

05.02.2013 - 12:17 0 Kommentare

Über Nacht bekam ein verunglücktes Flugzeug in Rom frische Farbe. Logos und sogar die gesamte Bemalung verschwanden. Was früher Standard war, wirkt in Zeiten von Smartphones und Internet nur noch lächerlich.

Zwei Bilder der verungl

Zwei Bilder der verungl
© dpa - EPA/TELENEWS

Bilder der Alitalia-Unglücksmaschine auf Twitter

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© Twitter

Die ATR 72-500 der Air Dolomiti (Kennung I-ADCD) kam in M

Die ATR 72-500 der Air Dolomiti (Kennung I-ADCD) kam in M
© dpa - Tobias Hase

Bauchlandung einer Boeing 767 der LOT am 1.11.2011 auf dem Flughafen Warschau

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© dpa - Jacek Moczydlowski

Eine Boeing 777-300ER der Singapore Airline ist am 3.11.2011 in M

Eine Boeing 777-300ER der Singapore Airline ist am 3.11.2011 in M
© dpa - Steffen Platzer

Ein Airbus A380 der Air France rammt am 11.3.2011 am Flughafen New York JFK einen Bombardier CRJ900 der Comair

Ein Airbus A380 der Air France rammt am 11.3.2011 am Flughafen New York JFK einen Bombardier CRJ900 der Comair
© NBC

Nach der Notlandung des Qantas-A380 in Singapur-Changi

Nach der Notlandung des Qantas-A380 in Singapur-Changi
© dpa - Str

Beschädigtes Triebwerk am Airbus A380 der Qantas

Beschädigtes Triebwerk am Airbus A380 der Qantas
© dpa - Str

Verunglückter WindJet-A319 (24.09.2010)

Verunglückter WindJet-A319 (24.09.2010)
© dpa - Franco Lannino

Bruchlandung einer MD-11 von FedEx in Tokio am 23.11.09

Bruchlandung einer MD-11 von FedEx in Tokio am 23.11.09
© dpa

Absturz einer Boeing 737-800 der Turkish Airlines am Flughafen Amsterdam-Schiphol am 25.02.09

Absturz einer Boeing 737-800 der Turkish Airlines am Flughafen Amsterdam-Schiphol am 25.02.09
© dpa

Bergung des im Hudson River notgewasserten A320

Bergung des im Hudson River notgewasserten A320
© dpa

Alitalia hätte sich eine Menge Arbeit und Ärger erspart, wenn sie nach der missglückten Landung einer ATR ihrer Partnerairline Carpatair in Rom am Wochenende einfach mal gegoogelt hätte, bevor sie einen Lackiertrupp zu einer nächtlichen Übertuschungsaktion losgeschickt hatte. Übermalen Fluggesellschaften eigentlich in letzter Zeit noch die Logos auf ihren verunglückten Flugzeugen? Eher nicht, und das hat einen einfachen Gund: Die Bilder sind ohnehin schon im Netz.

So war auch die Notlandung von Flug Qantas QF32 ist gut dokumentiert. Nach einer Triebwerks-Explosion setzte der Airbus A380 auf dem Flughafen von Singapur auf - und wurde sofort von allen Seiten ausgiebig fotografiert. Zuvor hatten schon die Passagiere die Beschädigungen am Flügel ausführlich durch die Fenster mit ihren digitalen Kameras dokumentiert.

Die Verschlüsse der Handy-Kameras machen heutzutage einen Airline-Reflex überflüssig, wie er noch vor wenigen Jahren in der Branche zum Image-Schutz üblich war: das Überpinseln des Firmen-Logos nach einem Zwischenfall. «Das war einst anerkannter PR-Standard bei Fluggesellschaften: erst die Rettung und dann sofort das Logo überpinseln. Das wurde bei Tag und Nacht gemacht, am liebsten aber bei Nacht», sagt der Hamburger Luftfahrt-PR-Experte Cord Schellenberg.

Doch was früher als richtig angesehen wurde, verkehrt sich heute oft ins Gegenteil. Ob eingeknicktes Bugrad oder brennender Reifen: Dementis und Vertuschungen von PR-Abteilungen sind kaum noch möglich angesichts der Schnelligkeit, mit der Handy-Fotos oft direkt vom Unfallort aus ins Internet gelangen.

Denn inzwischen ist ein solche Nacht-und-Nebel-Aktion kaum noch möglich. Der Grund: Die allgegenwärtigen Handy-Kameras von Rettungskräften, Mitarbeitern und vor allem Passagieren. Sie klicken so schnell, dass eine Pinselaktion wie im Falle der Alitalia zu spät kommt. Das Ergebnis in so einem Fall: Weltweiter Spott und Häme statt der gewollten Eingrenzung des Imageschadens. Die "Übertuschungsaktion" brachte Alitalia also nichts als ein riesiges PR-Debakel. Wer übertuscht muss doch etwas zu vertuschen haben, oder nicht?

"Das ist das normale Vorgehen, um negative Publicity zu vermeiden", hatte ein Sprecher italienischen Medien zufolge betont. Man habe verhindern wollen, dass dem Image der Firma Schaden zugefügt werde, das sei überall auf der Welt gängige Praxis und nicht ungewöhnlich.

"Früher wurden Unfallorte gerne weiträumig abgesperrt, Medien hatten kaum Zugang. Seit etwa fünf Jahren kann man aber nicht mehr verhindern, dass Flughafen-Mitarbeiter oder die Passagiere selbst schnell mal ein Foto schießen", sagt Schellenberg. Nach seinen Erkenntnissen hat sich bei vielen Airlines der Trend durchgesetzt, nach Unfällen auf keinen Fall mehr das Logo am Flugzeugwrack zu übermalen.

Denn Amateure filmen mittlerweile in Echtzeit und bereichern damit auch mitunter die Möglichkeiten der Unfallermittler. Eine der bekanntesten derartigen Amateur-Aufnahmen waren die letzten Minuten der brennenden Concorde F-BTSC, die kurz nach dem Start als riesiger Feuerball in den Pariser Vorort Gonesse krachte.

Gefilmt hatte ihn ein Autofahrer, der auf einer Autobahn den Großflughafen Charles de Gaulle passierte. Es waren Bilder, die um die Welt gingen. Selbst in Afrika drücken heute angesichts einer rapide angeschwollenen Handy-Dichte immer mehr Rettungskräfte, Schaulustige oder Passagiere auf den Auslöser.

Sind Prominente an Bord, dann ist die Flut der Bilder eh kaum noch zu bremsen. Wie am 14. September 2009, als auf dem Stuttgarter Flughafen eine zweimotorige Fokker 100 ein Fahrwerkproblem hatte. Mit an Bord war der damalige SPD-Chef Franz Müntefering. Seine Präsenz machte die Landung auf Schaum zu einem der am besten dokumentierten Anflüge des Jahres in der Landeshauptstadt.

Von: Ralf E. Krüger, dpa
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