Air-Berlin-Aufteilung geht auf die Zielgerade

21.09.2017 - 12:38 0 Kommentare

Gläubiger und Aufsichtsrat der insolventen Air Berlin beraten über insgesamt 15 Übernahmeangebote. Offenbar lassen sich nicht alle Teile der ehemals zweitgrößten deutschen Airline verkaufen. Eine aktuelle Übersicht der Bieter.

Air Berlin schreibt seit Jahren rote Zahlen. - © © dpa - Ralf Hirschberger

Air Berlin schreibt seit Jahren rote Zahlen. © dpa /Ralf Hirschberger

Das Rennen um die Air-Berlin-Aufteilung geht auf die Zielgerade. Am Donnerstag beraten die Gläubigerausschüsse, am Montag (25. September) trifft der Aufsichtsrat des insolventen Carriers dann eine Entscheidung, die anschließend auch öffentlich verkündet werden soll.

Laut eines Schreiben des Generalvollbemächtigten Frank Kebekus, das airliners.de vorliegt, sind 15 Angebote für Air Berlin eingegangen, wovon zwei auf eine Komplettübernahme zielen. Dem Vernehmen nach schätzt Air Berlin diese allerdings als "mangelhaft" in Bezug auf Angebotsstruktur und Finanzierung ein.

"Wenn diese Angebote in den Nachverhandlungen nicht noch einmal deutlich nachgebessert werden, dürften sie keine großen Chancen im Gläubigerausschuss haben", heißt es in dem auf den 19. September (Dienstag) datierten Schreiben.

"Ziel ist und bleibt, so viele Arbeitsplätze wie möglich in einen sicheren Hafen zu führen", sagte Air-Berlin-Chef Thomas Winkelmann am vergangenen Freitag nach Ablauf der Bieterfrist. Die Airline werde unterstützt von der Unternehmensberatung Roland Berger nun die Offerten "sorgfältig" zu prüfen.

Air Berlin führt die Insolvenz in Eigenverwaltung durch. In den vergangenen Wochen war öffentlich gut ein halbes Dutzend Interessenten gehandelt geworden. airliners.de fasst den bekannten Stand im Bieterrennen zusammen:

Pläne der Lufthansa Group

Mit Thomas Winkelmann sitzt seit Februar ein Ex-Lufthansa-Manager im Air-Berlin-Chefsessel. Daher verwundert es wenig, dass die Lufthansa Group als erste ins Bieterrennen um die ehemals zweitgrößte deutsche Airline eingestiegen ist.

Medienberichten zufolge bietet der Kranich-Konzern eine dreistellige Millionensumme und will bis zu 80 Maschinen der Konkurrentin übernehmen: 20 bis 30 Mittelstreckenmaschinen sollen jene 38 Flugzeuge ergänzen, die schon heute im Wet-Lease für den Kranich-Konzern abheben.

Lufthansa-Chef Carsten Spohr konkretisierte am Donnerstag das Angebot der Group: die 17 Langstreckenjets (inklusive Slots und Mitarbeiter) der Air Berlin wolle man nicht übernehmen. Allerdings habe man mit den Gewerkschaften Ufo und Verdi Tarifeinigungen erzielt, um kurzfristig auch Personal eingliedern zu können. "Wir glauben, bald bis zu 3000 neue Mitarbeiter begrüßen zu können", sagte Spohr.

© dpa, Boris Roessler Lesen Sie auch: Regierung sprach wohl schon vor Air-Berlin-Pleite mit der Lufthansa

Lufthansa steht angeblich auch mit dem Reisekonzern Tui in Kontakt. Medienberichten zufolge geht es um eine Aufteilung der 14 von Tuifly an Air Berlin verleasten Maschinen, die aktuell bei Niki fliegen. Ein Deal könnte ein neues Leasing-Abkommen beinhalten, in dem einer der beiden Konzerne dem anderen die Flugzeuge zur Verfügung stellt, berichtete Bloomberg.

Thomas Cook und Niki Lauda

Der Reisekonzern Thomas Cook hat sich indes mit Niki Lauda zusammengetan. Der ehemalige Rennfahrer hatte angekündigt, die von ihm gegründete und 2011 komplett an Air Berlin verkaufte Touristikairline Niki wieder übernehmen zu wollen. Nun machen Thomas Cook (inklusive der deutschen Tochter Condor) und Niki Lauda gemeinsame Sache:

Lauda selbst wolle über das Konsortium 51 Prozent an der Anteile halten, sagte er österreichischen Medien. Ein Insider bestätigte airliners.de, Thomas Cook habe Interesse an einer Übernahme der übrigen 49 Prozent. Zum Kaufpreis wollte die Formel-1-Legende bislang keine Angaben machen: "Mein Team und das von Thomas Cook sind immer noch am Rechnen. Es gibt ständig neue Informationen, beispielsweise zur Niki. Denn die Höhe der Schulden ist noch nicht endgültig geklärt", zitiert das "Handelsblatt" denn Manager.

Kooperieren Wöhrl und Claassen?

Die beiden Unternehmer Hans-Rudolf Wöhrl und Utz Claassen hatten auch Gebote angekündigt. Am Mittwoch (20. September) haben sie sich nach Informationen des "Handelsblatts" dazu entschlossen, ihre Bemühungen zu bündeln, um die Chancen zu erhöhen. Unklar ist allerdings, wer dabei die Führungsrolle übernähme.

Wöhrl biete Claassen die Möglichkeit an, bei ihm "mitzumachen". Claassens Medienberater Klaus Kocks kontert laut Zeitung: "Es gilt die Lebensweisheit: Die kleinen Schirme huschen unter den großen, nicht umgekehrt."

Einzelne Angebote beider Unternehmer

Beide Unternehmer hatten auch eigene Angebote eingereicht. Wöhrls Beteiligungsgesellschaft Intro hat - unterstützt von mehreren Investoren - eine Offerte in Höhe von bis zu einer halben Milliarde Euro für eine Komplettübernahme eingereicht. Wöhrl will Air Berlin zurück an viele regionale Flughafen bringen und auch das ehemalige Drehkreuz Palma de Mallorca wieder in den Fokus rücken. Zuletzt hatte der Unternehmer noch einmal betont, dass er offen für Partner wie Lufthansa oder Condor sei. Er wolle größere Teile der Air-Berlin-Operations im Wet-Lease vermieten.

Ebenso Claassen, ehemaliger Chef des Energiekonzerns EnBW, hat laut des "Handelsblatts" ein Angebot für Air Berlin vorgelegt. Zusammen mit Investoren aus den USA, Großbritannien, Singapur und Deutschland würden 100 Millionen Euro für die Airline geboten, allerdings als Ganzes - hinzu kommen bis zu 600 Millionen Euro Liquiditätshilfen. Claassen verspreche die Übernahme der gesamten Belegschaft "unter Voraussetzung angemessener wettbewerbsgerechter Vergütungsstrukturen", berichtete die Zeitung.

Zeitfracht

Auch der Berliner Mittelständler Zeitfracht hat eigenen Angaben nach ein offizielles Angebot für Teile der Air Berlin eingereicht. Neben der Air-Berlin-Frachttochter Leisure Cargo will das Logistikunternehmen auch Regionalflugzeuge und die Air-Berlin-Technik übernehmen. Damit würden rund 1000 Air-Berlin-Arbeitsplätze gesichert, heißt es in einem Brief an die Zeitfracht-Mitarbeiter vom Freitag. Zeitfracht ist eine Lkw-Spedition, die auch als Dienstleister im Luftfrachtgeschäft tätig ist. Für den Passagierbetrieb will der Logistiker eigenen Angaben zufolge Ausschau nach Partnern halten.

Easyjet und IAG

Mit im Rennen ist auch Easyjet. Nach dem Ende der Bieterfrist bestätigte das Unternehmen ein offizielles Angebot. Man habe ein Gebot abgegeben, teilten die Briten mit, ohne weitere Details zu nennen. Easyjet biete für einen Teil des Kurzstrecken-Angebots. Das könnte zu mehr Billigflieger-Angeboten auf innerdeutschen Strecken führen. Medienberichten zufolge soll die Lufthansa Group bereits ein Paket für Easyjet geschnürt haben. Darin enthalten sind wohl gerade so viele Air-Berlin-Slots, dass die EU-Kartellbehörden einem Air-Berlin-Filetieren zugunsten des Kranich-Konzerns zustimmen könnten. Easyjet soll damit angeblich vor allem am Flughafen Düsseldorf Fuß fassen: Im Gespräch sind 35.000 Start- und Landerechte.

© AirTeamImages.com, TT Lesen Sie auch: Auf diesen Air-Berlin-Strecken droht ein Lufthansa-Monopol Analyse

Der andere große europäische Billigflieger Ryanair hatte mit Verweis auf ein "intransparentes Verfahren", das Lufthansa zu einem "Monster" mache, eine Beteiligung am aktuellen Bieterprozess ausgeschlossen.

Nach Angaben der Nachrichtenagentur "Reuters" hat auch British Airways zusammen mit ihrem Mutterkonzern IAG ein Angebot abgegeben. Den Informationen der Zeitung nach ist der britisch-spanische Verbund an Niki und einer "mittleren zweistelligen Zahl an Kurzstrecken-Flugzeugen" interessiert.

Chinese und Hotelier wohl raus

Am engen Zeitplan gescheitert ist offenbar Ankündigung vom chinesischen Airport-Betreiber Link Global. CEO Johannes Pang hatte laut "Bild"-Zeitung eine schriftliche Absichtserklärung eingereicht, Air Berlin komplett übernehmen zu wollen. Kurz vor Ablauf der Bieterfrist bat er um eine Fristverlängerung, um die Vertragsunterlagen ins Chinesische zu übersetzen. Diese wurde ihm gewährt; am Donnerstag (21. September) reichte er eigenen Angaben zufolge eine Offerte ein.

Link Global ist Eigentümer des Flughafens Parchim und wollte Air Berlin an dem norddeutschen Airport ansiedeln: "Wir glauben, dass wir eine Win-Win-Situation für Air Berlin und den Flughafen Parchim schaffen können, wenn wir die Basis der Fluggesellschaft auf unseren Flughafen in Parchim verlegen können."

© airliners.de, Karl Born, Lesen Sie auch: Air Parchim? Die Born-Ansage (68)

Aus dem Bieterrennen zurückgezogen hat sich Hotelier Alexander Skora. Der Betreiber des Berliner Hostels Happy Go Lucky wollte Air Berlin nach eigener Aussage mit einem Konsortium aus israelischen, kanadischen und US-Investoren erwerben. Dabei strebte der Unternehmer auch eine Art Auktionsmodell mit einem Mindestpreis für die Tickets an: Er konnte sich vorstellen, dass einige Passagiere bereit wären, "etwas mehr für ein Ticket zu bezahlen, um die Airline zu unterstützen".

Und jetzt sind Sie gefragt

Im Zuge der Insolvenz in Eigenverwaltung koordiniert Air-Berlin-Sachwalter Lucas Flöther den Bieterprozess gemeinsam mit der Unternehmensberatung Roland Berger. Air Berlin hatte bereits zum Anfang des Verfahrens von mehr als zehn Interessenten gesprochen. Bei der Auflistung in diesem Artikel handelt es sich um einen Überblick der bislang öffentlich bekannten Bieter.

© dpa, Federico Gambarini Lesen Sie auch: Air-Berlin-Pleite: Ursachen und drohende Probleme Apropos (19)

Von: airliners.de
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