Bieterfrist für insolvente Air Berlin abgelaufen

15.09.2017 - 10:20 0 Kommentare

Die Bieterfrist für die Air-Berlin-Aufteilung ist abgelaufen. Jetzt will die insolvente Fluggesellschaft die Angebote prüfen. Etliche Interessenten hatte Interesse bekunden - einige haben nun auch verbindlich geboten.

Air Berlin ist insolvent. Der Betrieb läuft aber weiter. Foto: © dpa, Sophia Kembowski

Die Bieterfrist für Air Berlin ist beendet. Bis Freitag konnten Interessenten ihre verbindlichen Angebote für eine (Teil-)Übernahme der Airline einreichen. Die insolvente Fluggesellschaft teilte mit, bis zum Ende der Frist hätten "mehrere Angebote mehrerer Bieter" vorgelegen.

Nach dem Ende der Bieterfrist bestätigten sechs Interessenten, verbindliche Angebote eingereicht zu haben: Bieter für Teile der Airline sind die Lufthansa, Easyjet, Niki Lauda gemeinsam mit Thomas Cook und Condor sowie der Berliner Logistiker Zeitfracht. Der Unternehmer Utz Claassen bietet für die ganze Fluggesellschaft. Ein weiteres Angebot hat der Nürnberger Unternehmer Hans Rudolf Wöhrl abgegeben. Medienberichte zufolge soll auch die International Airline Group (IAG) ein Angebot vorgelegt haben.

Air-Berlin-Chef Thomas Winkelmann sagte, das rege Investoreninteresse spreche für Air Berlin. Die Namen der Bieter oder Details der Angebote nannte er nicht. Im nächsten Schritt will die Airline nun alle eingegangenen Angebote "sehr sorgfältig" prüfen. Winkelmann sagte, "Ziel ist und bleibt, so viele Arbeitsplätze wie möglich in einen sicheren Hafen zu führen".

Neben einem konkreten Kaufpreis mussten alle Bieter nach Air-Berlin-Angaben genaue Aussagen über die geplante strategische Ausrichtung sowie eine Übersicht über die "gegenwärtigen Aktivitäten und/oder Investments in der Luftfahrtbranche" benennen.

Die Airline führt das Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung. Frank Kebekus, der Generalbevollmächtigte in dem Verfahren, soll dem Air-Berlin-Gläubigerausschuss am 21. September eine Auswertung der Gebote präsentieren. Die Entscheidung werde allerdings erst nach der Bundestagswahl fallen: "Mit abschließenden Entscheidungen rechne ich nach der Aufsichtsratssitzung der Air Berlin am 25. September", so Kebekus.

Lufthansa Group mit Eurowings und AUA

In den Wochen seit der Insolvenz war öffentlich gut ein halbes Dutzend Interessenten gehandelt geworden. Mit Thomas Winkelmann sitzt seit Februar ein Ex-Lufthansa-Manager im Air-Berlin-Chefsessel. Daher verwundert es wenig, dass die Lufthansa Group als erste ins Bieterrennen um die ehemals zweitgrößte deutsche Airline eingestiegen ist.

Medienberichten zufolge bietet der Kranich-Konzern eine dreistellige Millionensumme und will bis zu 90 Maschinen der Konkurrentin übernehmen, um sie unter andere, bei Eurowings einzusetzen: die 17 Langstreckenflugzeuge, die Maschinen der Tochter Niki sowie mindestens jene 38 Flugzeuge, die schon heute im Wet-Lease für den Kranich-Konzern abheben.

Auch Austrian Airlines will zukünftig eine größere Rolle spielen. Die Lufthansa Group äußert sich offiziell nicht zu Details der Offerte - sie bestätigt lediglich, ein Angebot ("Termsheet") abgeben zu haben.

Lufthansa steht angeblich auch mit dem Reisekonzern Tui in Kontakt. Medienberichten zufolge geht es um eine Aufteilung der 14 von Tuifly an Air Berlin verleasten Maschinen, die aktuell bei Niki fliegen. Ein Deal könnte ein neues Leasing-Abkommen beinhalten, in dem einer der beiden Konzerne dem anderen die Flugzeuge zur Verfügung stellt, berichtet Bloomberg.

Thomas Cook und Niki Lauda

Der Reisekonzern Thomas Cook hat sich indes mit Niki Lauda zusammengetan. Der ehemalige Rennfahrer hatte angekündigt, die von ihm gegründete und 2011 komplett an Air Berlin verkaufte Touristikairline Niki wieder übernehmen zu wollen. Nun machen Thomas Cook (inklusive der deutschen Tochter Condor) und Niki Lauda gemeinsame Sache:

Lauda selbst wolle über das Konsortium 51 Prozent an der Anteile halten, sagte er österreichischen Medien. Ein Insider bestätigte airliners.de, Thomas Cook habe Interesse an einer Übernahme der übrigen 49 Prozent. Zum Kaufpreis wollte die Formel-1-Legende bislang keine Angaben machen: "Mein Team und das von Thomas Cook sind immer noch am Rechnen. Es gibt ständig neue Informationen, beispielsweise zur Niki. Denn die Höhe der Schulden ist noch nicht endgültig geklärt", zitiert das "Handelsblatt" denn Manager.

Zeitfracht

Auch der Berliner Mittelständler Zeitfracht hat eigenen Angaben nach ein offizielles Angebot für Teile der Air Berlin eingereicht. Neben der Air-Berlin-Frachttochter Leisure Cargo will das Logistikunternehmen auch Regionalflugzeuge und die Air-Berlin-Technik übernehmen. Damit würden rund 1000 Air-Berlin-Arbeitsplätze gesichert, heißt es in einem Brief an die Zeitfracht-Mitarbeiter vom Freitag. Zeitfracht ist eine Lkw-Spedition, die auch als Dienstleister im Luftfrachtgeschäft tätig ist. Für den Passagierbetrieb will der Logistiker eigenen Angaben zufolge Ausschau nach Partnern halten.

Easyjet und IAG

Mit im Rennen ist auch Easyjet. Nach dem Ende der Bieterfrist bestätigte das Unternehmen ein offizielles Angebot. Man habe ein Gebot abgegeben, teilten die Briten mit, ohne weitere Details zu nennen. Easyjet biete für einen Teil des Kurzstrecken-Angebots. Das könnte zu mehr Billigflieger-Angeboten auf innerdeutschen Strecken führen. Medienberichten zufolge soll die Lufthansa Group bereits ein Paket für Easyjet geschnürt haben. Darin enthalten sind wohl gerade so viele Air-Berlin-Slots, dass die EU-Kartellbehörden einem Air-Berlin-Filetieren zugunsten des Kranich-Konzerns zustimmen könnten. Easyjet soll damit angeblich vor allem am Flughafen Düsseldorf Fuß fassen: Im Gespräch sind 35.000 Start- und Landerechte.

© AirTeamImages.com, TT Lesen Sie auch: Auf diesen Air-Berlin-Strecken droht ein Lufthansa-Monopol Analyse

Der andere große europäische Billigflieger Ryanair hatte mit Verweis auf ein "intransparentes Verfahren", das Lufthansa zu einem "Monster" mache, eine Beteiligung am aktuellen Bieterprozess ausgeschlossen.

Nach Angaben der Nachrichtenagentur "Reuters" hat auch British Airways zusammen mit ihrem Mutterkonzern IAG ein Angebot abgegeben. Den Informationen der Zeitung nach ist der britisch-spanische Verbund an Niki und einer "mittleren zweistelligen Zahl an Kurzstrecken-Flugzeugen" interessiert.

Auch andere Unternehmer wollen mitbieten

In dieselbe Kerbe schlägt Unternehmer Hans Rudolf Wöhrl. Dennoch habe seine Beteiligungsgesellschaft Intro - unterstützt von mehreren Investoren - eine Offerte in Höhe von bis zu einer halben Milliarde Euro für eine Komplettübernahme eingereicht. Wöhrl will Air Berlin zurück an viele regionale Flughafen bringen und auch das ehemalige Drehkreuz Palma de Mallorca wieder in den Fokus rücken. Zuletzt hatte der Unternehmer noch einmal betont, dass er offen für Partner wie Lufthansa oder Condor sei. Er wolle größere Teile der Air-Berlin-Operations im Wet-Lease vermieten.

Derweil hat auch der Unternehmer Utz Claassen, ehemaliger Chef des Energiekonzerns EnBW, laut dem "Handelsblatt" ein Angebot für Air Berlin vorgelegt. Zusammen mit Investoren aus den USA, Großbritannien, Singapur und Deutschland würden 100 Millionen Euro für die Airline geboten, allerdings als Ganzes - hinzu kommen bis zu 600 Millionen Euro Liquiditätshilfen. Claassen verspreche die Übernahme der gesamten Belegschaft "unter Voraussetzung angemessener wettbewerbsgerechter Vergütungsstrukturen", berichtete die Zeitung.

Am engen Zeitplan gescheitert ist offenbar Ankündigung vom chinesischen Airport-Betreiber Link Global. CEO Johannes Pang hatte laut "Bild"-Zeitung eine schriftliche Absichtserklärung eingereicht, Air Berlin komplett übernehmen zu wollen. Am Freitag bat er um eine Fristverlängerung, um die Vertragsunterlagen ins Chinesische zu übersetzen. Air Berlin lehnte das allerdings ab: "Es gelten für alle die gleichen Regeln." Link Global ist Eigentümer des Flughafens Parchim und wollte Air Berlin an dem norddeutschen Airport ansiedeln: "Wir glauben, dass wir eine Win-Win-Situation für Air Berlin und den Flughafen Parchim schaffen können, wenn wir die Basis der Fluggesellschaft auf unseren Flughafen in Parchim verlegen können."

© airliners.de, Karl Born, Lesen Sie auch: Air Parchim? Die Born-Ansage (68)

Aus dem Bieterrennen zurückgezogen hat sich Hotelier Alexander Skora. Der Betreiber des Berliner Hostels Happy Go Lucky wollte Air Berlin nach eigener Aussage mit einem Konsortium aus israelischen, kanadischen und US-Investoren erwerben. Dabei strebte der Unternehmer auch eine Art Auktionsmodell mit einem Mindestpreis für die Tickets an: Er konnte sich vorstellen, dass einige Passagiere bereit wären, "etwas mehr für ein Ticket zu bezahlen, um die Airline zu unterstützen".

Und jetzt sind Sie gefragt

Im Zuge der Insolvenz in Eigenverwaltung koordiniert Air-Berlin-Sachwalter Lucas Flöther den Bieterprozess gemeinsam mit der Unternehmensberatung Roland Berger. Air Berlin hatte bereits zum Anfang des Verfahrens von mehr als zehn Interessenten gesprochen. Bei der Auflistung in diesem Artikel handelt es sich um einen Überblick der bislang öffentlich bekannten Bieter.

© dpa, Federico Gambarini Lesen Sie auch: Air-Berlin-Pleite: Ursachen und drohende Probleme Apropos (19)

Von: airliners.de mit dpa, AFP
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