Überbrückungskredit für Air Berlin wohl noch nicht fix

28.08.2017 - 16:22 0 Kommentare

Air Berlin läuft die Zeit davon. Der hoch umstrittene staatliche Überbrückungskredit ist angeblich noch nicht genehmigt. Auch das Insolvenzverfahren steht noch in der Warteschleife.

Die Insolvenz der Air Berlin wirkt sich auch auf Flughäfen und Konkurrenten aus. - © © dpa - Paul Zinken

Die Insolvenz der Air Berlin wirkt sich auch auf Flughäfen und Konkurrenten aus. © dpa /Paul Zinken

Air Berlin muss einem Bericht der "Bild am Sonntag" zufolge noch immer auf das Geld des zugesagten Staatskredits warten. Wie die Zeitung schreibt, gäbe es zum geplanten Kredit der staatlichen KfW-Bank noch keine Einigung bei den Konditionen. Es sei bislang weder ein Vertrag unterschrieben noch Geld ausgezahlt worden.

Das Bundeswirtschaftsministerium teilte nach Angaben der Zeitung mit, man sei in der "technischen Umsetzung", alles laufe nach Plan. Nach dem Insolvenzantrag der Air Berlin vor knapp zwei Wochen hatte die Bundesregierung einen kurzfristigen Überbrückungskredit der Förderbank in Höhe von 150 Millionen Euro in Aussicht gestellt. Damit soll der operative Betrieb gesichert werden.

© dpa, Christoph Schmidt Lesen Sie auch: So könnte Air Berlin den KfW-Kredit zurückzahlen

"Bei Überbrückungskrediten muss alles sehr schnell gehen", ordnet "Creditreform"-Sprecher Michael Bretz für airliners.de ein: "Das muss innerhalb von Tagen geschehen." Immerhin handle es sich um eine Liquiditätshilfe zur Aufrechthaltung des Betriebes. Ein staatlicher Überbrückungskredit sei ein außergewöhnliches Instrument: "Nicht zu unterschätzen ist der vertrauensbildende Effekt."

Staatlicher Überbrückungskredit ist hoch umstritten

Der KfW-Kredit für die insolvente Airline ist in der Branche stark umstritten. Ryanair-Chef Michael O’Leary hatte die Pläne der Regierung als "historischen Fehler" bezeichnet und vor einer Monopolstellung der Lufthansa gewarnt. Ähnlich äußerten sich auch Hans Rudolf Wöhrl und Niki Lauda, die ebenfalls Interesse an Air Berlin angekündigt haben.

Sowohl Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) als auch Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) hatten sich zuvor öffentlich für einen schnellen Verkauf an die Lufthansa Group ausgesprochen. Doch so einfach gestaltet sich die Aufteilung offenbar nicht: Bei einem ersten Treffen des Gläubigerausschusses wurden keine schnelle Entscheidungen zur Aufteilung gefällt. Seitdem melden sich zudem immer weitere Interessenten.

© airliners.de, David Haße Lesen Sie auch: Wer für Air Berlin bietet Überblick

Entsprechend relativierte zwischenzeitlich auch die Wirtschaftsministerin ihre Haltung: "Wir warten jetzt mal ab und hoffen, dass es schnell geht", sagte Zypries am Samstag. Neben Lufthansa und Easyjet sehe sie auch Ryanair als Kandidaten für eine Übernahme.

Insolvenzverfahren noch nicht eröffnet

Derweil ist die Air-Berlin-Insolvenz in Eigenverwaltung bislang lediglich beantragt - das Insolvenzverfahren selbst ist noch nicht eröffnet. Beobachter rechnen mit einem mehrjährigen Verfahren. Neben der schnellen Aufteilung von Teilen des Flugbetriebs steht zudem ein Verkauf von weiteren Air-Berlin-Töchtern wie der Air Berlin Technik oder dem Cargohändler Leisure Cargo auf der Agenda.

Derweil gibt es erste Zweifel, dass sich Air Berlin noch sehr lange in der Luft halten kann. Denn der Carrier hat offenbar keinen Zugang zu Geld von neu eingehenden Buchungen zukünftiger Flüge. Dieses landet auf einem neutralen Konto, um sicherzustellen, dass Kunden ihr Geld zurückbekommen, falls Flüge gestrichen werden.

Diese Regelung verschärft die Geldknappheit des Unternehmens - zumal viele Lieferanten und Flughäfen inzwischen Vorkasse verlangen. Aber auch reguläre Zahlungen drohen zum nahenden Monatsende zum Problem zu werden.

Lediglich bei den Löhnen gibt es nach Informationen der "Bild"-Zeitung schon eine Entlastung: Die Bundesagentur für Arbeit bezahlt den rund 8000 Beschäftigten von Air Berlin knapp 70 Millionen Euro Insolvenzgeld.

Von: dh
Nachrichten-Newsletter

Keine Nachricht verpassen mit unserem täglichen Newsletter.

Anzeige schalten »
  • Air Berlin will ihre Tochter Niki verkaufen. Kebekus über Niki: Lufthansa-Deal oder Konkurs

    Die Übernahme von LGW und Niki durch Lufthansa hängt aktuell in Brüssel fest. Air-Berlin-Generalbevollmächtigter Kebekus sieht darin eine große Gefahr für den österreichischen Carrier: "Der Konkurs-Antrag liegt schon auf der Fensterbank."

    Vom 08.12.2017
  • Flugzeug von Easyjet: Kommt nächsten Dienstag schon das OK aus Brüssel? Air-Berlin-Deal von Easyjet bekommt wohl EU-Okay

    Während Lufthansa noch um die EU-Genehmigung für den Kauf von Air-Berlin-Teilen bangen muss, bekommt Easyjet offenbar schon in der nächsten Woche das OK der Kommission. Indes werden Details zum Kranich-Verzicht bekannt.

    Vom 05.12.2017
  • Europaflaggen vor dem Berlaymont-Gebäude in Brüssel EU-Kommission will Lufthansa-Deal länger prüfen

    Die EU-Kommission verlängert die Prüfung großer Teile der Air Berlin durch Lufthansa um zwei Wochen: Offenbar will der Konzern einige Slots abgeben. Indes bringen sich Interessenten, die kurzfristig bei Niki einspringen könnten, in Stellung.

    Vom 01.12.2017

Themen

Es gelten die Forenregeln und Nutzungsbedingungen » mit Unterstützung durch Disqus

Mehr Nachrichten »
Anzeige schalten
Mehr Air Berlin Jobs Mehr Stellenangebote »
Anzeige schalten »