Spaethfolge (149) ( Gastautor werden )

Tutti Frutti

04.09.2013 - 12:59 0 Kommentare

Erst Pfirsich, jetzt Vanille - die Luftfahrt in Japan scheint ein einziges Eisschlecken, wenn man nach den jüngsten Kreationen für Airline-Namen geht. Ein genauerer Blick auf Firmennamen weltweit zeigt einen Wohlfühl-Trend, aber auch echte Ausreißer.

Luftfahrtjournalist und Vielflieger Andreas Spaeth mit Beobachtungen und Erlebnissen aus der weiten Welt der Luftfahrt. - © © airliners.de -

Andreas Spaeth ist einer der führenden deutschen Luftfahrtjournalisten und freier Mitarbeiter vieler deutscher und internationaler Publikationen (u. a. Süddeutsche Zeitung, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, Die Welt, Neue Zürcher Zeitung, Flug Revue). In dieser Eigenschaft ist er weltweit unterwegs, um über Luftverkehrsthemen zu berichten. Für airliners.de schreibt er exklusiv die Spaethfolgen-Kolumne, die zugespitzt, personalisiert, manchmal auch bewusst übertreibend oder provozierend Dinge und Erlebnisse aus seinen Recherchen aufgreift, die in üblichen Zeitungsartikeln keinen Platz haben.

Japaner lieben es blumig. Und so wird aus dem Desaster der gescheiterten ANA-Billigtocher Air Asia Japan jetzt ein Wellness-Event. Die Mutterfirma ließ 200 (leider geheim gebliebene) mögliche Marken für den jetzt in eigener Regie betriebenen Billigableger ersinnen, ehe sie mit dem erwählten Namen in die Öffentlichkeit ging: Vanilla Air. Mit den Gewürzinseln im Indischen Ozean wie La Réunion oder Madagaskar, beide berühmt für ihre Vanilleschoten, hat Japan so gar nichts zu tun. Aber trotzdem sind sich die Betreiber sicher, den richtigen Griff zu tun: „Vanillearoma entspannt und macht glücklich, daher der neue Name,“ erklärt der Firmenchef.

Und dann säuselt die PR-Abteilung weiter: „Das Logo ähnelt dem Äußeren einer Vanillepflanze. Die Blütenblätter sind geöffnet, um die Öffnung Japans gegenüber der Welt zu symbolisieren. Die Farben Vanillegelb und Himmelblau stehen für Himmel, Meer und Sonne, die sowohl Freiheit und Entspannung als auch Freude und Glück während des Aufenthalts an Bord miteinander vereinen.“ Amen.

Jawohl, da versteht eine Agentur ihr Handwerk, ein so austauschbares Massenprodukt wie einen Billigflug zu einer direkten Reise ins Paradies hochzujubeln. Oder wahlweise zu einer Tour quer durch die Kühltheke einer Eisdiele. Denn die Geschmacksrichtung Pfirsich gibt es bereits auf japanischen Flughäfen, Peach heißt seit 2012 der ANA-Billigableger in Osaka. Dort mangelt es aber am richtigen Markenbild – denn auf deren A320 sucht man jede optische Anlehnung an die geliebte Frucht vergeblich, sogar die Firmenfarben sind unpfirsich-haft lila.

Ein guter Anlass jedenfalls, mal einen Blick auf historische und aktuelle Airline-Namen zu werfen. Da gibt es grandiose Fehlgriffe – etwa Madair, was wörtlich übersetzt soviel wie „verrückte Luftlinie“ bedeuten könnte, aber tatsächlich 1961 nur der kurzlebige Name der heutigen Air Madagascar war. Oder der englische Billigflieger der ersten Stunde, Debonair, in Deutschland schnell als „Deppenair“ verspottet. Dabei heißt „debonair“ wörtlich übersetzt einfach nur gefällig oder höflich.

Hier zeigt sich schon das Problem, dass Airline-Namen universell einsetzbar sein müssen und in allen Sprachen ähnlich besetzt. Das lässt sich eben gut mit allseits geliebten Geschmacksrichtungen wie Vanille oder Pfirsich erreichen. Ähnliche Strategien verfolgen zum Beispiel Pineapple Air auf den Bahamas und Key Lime Air aus Denver in Colorado, auch wenn die saftigen Limetten da nun gerade nicht wachsen, aber sowas hat ja schon die Japaner nicht gestört. Immer gilt es, bereits bei der Assoziation des Firmennamens ein wohliges Gefühl beim Betrachter zu erzeugen.

Das können Asiaten generell gut. Da gibt es in der Liste heute aktiver Airlines etwa Lucky Air aus Yunnan in China oder die ebenfalls chinesische Okay Air, der erste private Billigflieger. Noch treffender vielleicht Happy Air aus Thailand, wo auch die wesentlich größere Billigtochter von Thai Airways herkommt mit dem schönen Namen Thai Smile. Wohlgefühl will auch Welcome Air aus Innsbruck vermitteln.

Gutes Airline-Branding, so habe ich das mal bei den führenden Markengurus in London gelernt, erzählt vor allem davon, wo eine Firma herkommt. Das ist bei den gerade erwähnten Beispielen nirgends der Fall. Da haben es die Nepalesen schon einfacher mit Buddha Air und Yeti Airways. Oder die Kanadier, wo es im hohen Norden Buffalo Airways gibt und in Ontario Bearskin Airlines. Wohingegen Salmon Air aus Idaho in einer gleichnamigen Stadt beheimatet ist und nichts mit Fisch zu tun hat. Edelweiss Air aus der Schweiz versucht romantische Alpenträume zu erwecken, während das bei Salsa d’Haiti, der einzigen Airline aus Haiti, schon weniger klar ist. Dass Air Sunshine hingegen in Florida fliegt, ist nicht schwer zu erraten.

Aber Ausreißer in der Namensgebung gibt es viele. So etwa, wenn sich Airlines nach flugunfähigen Vögeln wie Kiwi Airways (früherer US-Billigflieger) oder Emu Airways (ehemalige australische Charterfirma) benennen – was in beiden Fällen nicht lange gut ging. Auf dem deutschen Chartermarkt tummelt sich BH Air aus Bulgarien, was eigentlich für Balkan Holidays stehen soll, aber sicher auch jene frivolen Pennälerspielchen gut beschreibt, die auf Jugend-Billigreisen fernab der Eltern oft so vor sich gehen.

Was aber soll es mir sagen, wenn eine Osnabrücker Firma mit kleinem Propellergerät fliegt, sich aber hip und überheblich Jetisfaction nennt? I can’t get no... die Firma ist schon länger am Boden. Ach ja, einen habe ich noch: Die britische Regionallinie Suckling Airways aus Cambridge. Sie wurde nach den Firmengründern benannt, doch Suckling heißt auch Säugling oder Spanferkel. Also nee, dann doch lieber ein paar Kugeln Vanille aus Japan.

Von: Andreas Spaeth für airliners.de
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