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Tuifly: Neue Perspektiven für die Konzern-Airline

22.11.2018 - 13:39 0 Kommentare

Tuifly hat für den Mutterkonzern nach unsicheren Jahren wieder strategische Bedeutung und soll sogar wachsen. Doch die Airline ist auch stark von externen Aufträgen abhängig. Ein Firmenporträt.

Eine Boeing 737 in den Farben der Tuifly - © © dpa - Christoph Schmidt

Eine Boeing 737 in den Farben der Tuifly © dpa /Christoph Schmidt

Trotz aller Probleme im Flugbetrieb, die Tuifly wie viele anderen Airlines dieses Jahr erlebte, steht der zweitgrößte deutsche Ferienflieger 2018 besser da als in den vergangenen Jahren. Das liegt vor allem daran, dass sich der Mutterkonzern wieder zu seiner Airline bekennt und in sie investiert. Und auch das Ende von Air Berlin und Niki, das für Tuifly erhebliche Auswirkungen hatte, scheint vorerst überstanden.

Unternehmen

Tuifly ist eine 100-prozentige Tochter der Tui Group. Der weltweit größte Reisekonzern besitzt daneben noch weitere Airlines in Großbritannien, Skandinavien, den Niederlanden, Belgien und Frankreich. Bis auf die französische Corsair, die zum Verkauf steht, wurden die Flugtöchter seit 2015 im Bereich Tui Aviation organisatorisch zusammengeschlossen und erhielten einen einheitlichen Auftritt. Diese Verzahnung soll künftig noch enger werden. Neuer Tuifly-Chef ist Oliver Lackmann - er trat kürzlich die Nachfolge von Roland Keppler an. CEO der Tui Aviation ist Kenton Jarvis.

Oliver Lackmann. Foto: © Tuifly

Kennzahlen

Tuifly veröffentlicht weder Finanzzahlen noch Verkehrsstatistiken. Die Airline wies jedoch eine Passagierzahl für 2017 aus. Tuifly beförderte im vergangenen Jahr nach eigenen Angaben 7,8 Millionen Passagiere und hatte 2487 Mitarbeiter. Die Finanzergebnisse fließen in die Bilanz des Tui-Bereiches Mitteleuropa ein, der 2017 einen Umsatz von sechs Milliarden Euro und ein bereinigtes Betriebsergebnis (Ebita) von 71,5 Millionen Euro erzielte. Bei Tuifly soll der Jahresumsatz laut Presseberichten bei etwa 900 Millionen Euro liegen, die Verluste beliefen sich demnach zeitweise auf bis zu 60 Millionen Euro.

Streckennetz

Anders als der Reisekonzern Thomas Cook lässt Tui ihre deutsche Airline ausschließlich auf Mittelstrecken fliegen. Das am weitesten entfernte Ziel sind die Kapverden. Zum Netz gehören nach Unternehmensangaben im Sommer 26 Ziele, im Winter 13. Sie befinden sich ausschließlich im Süden: rund ums Mittelmeer, auf den Kanarischen Inseln, in Ägypten und auf Madeira. Hinzu kommen im Winter reine Charterflüge nach Dubai und in den hohen Norden: nach Arvidsjaur und Kittilä in Lappland.

Die Airline hat in diesem Winter zehn Abflughäfen, die wichtigsten sind Düsseldorf, Frankfurt und Hannover. Gestartet wird auch in Stuttgart, München, Berlin-Tegel, Köln/Bonn, Hamburg, Paderborn und Basel, im Sommer zudem in Saarbrücken, Karlsruhe/Baden-Baden und Nürnberg.

Abflughäfen von Tuifly
Anteil in Prozent
Düsseldorf 19.3
Frankfurt 16.1
Hannover 14.0
Stuttgart 12.0
München 10.1
Basel/Mulhouse 7.8
Köln/Bonn 5.8
Saarbrücken 3.5
Paderborn 3.4
Karlsruhe 2.6
Berln-Tegel 2.4
Hamburg 2.3
Nürnberg 0.7

Die Grafik zeigt den Anteil der Abflughäfen am Sitzplatzangebot der Tuifly im Sommerflugplan 2019. Stand: November 2018.Quelle: ch-Aviation, eigene Berechnungen

Einen großen Teil ihrer Kapazitäten setzt die Airline beim Konzernveranstalter Tui ab, der nach eigenen Angaben 75 Prozent seiner Gäste mit Tuifly befördert. Einen geringeren Anteil machen die Kontingente für andere Reiseveranstalter aus. Daneben werden auch Flugsitze als Einzelplätze verkauft.

Wet-Lease

Seit 2009 betreibt Tuifly mit einem großen Teil von Flotte und Personal Wet-Lease-Flüge: Der äußerst lukrative Vertrag mit Air Berlin hatte einen Umfang von 14 Maschinen. 2017 gingen die Flugzeuge an Niki über. Nach deren Insolvenz konnten sieben der Flugzeuge mit einem neuen Wet-Lease-Vertrag bei Eurowings untergebracht werden - er läuft bis März 2021. Die übrigen sieben Jets wurden zum Teil wieder in das eigene Fluggeschäft von Tuifly übernommen und zum Teil an die Leasing-Gesellschaften zurückgegeben.

Geschichte

Der Reiseveranstalter Tui hat seit 1972 eine Fluggesellschaft, die mehrmals ihren Namen und auch das Geschäftsmodell änderte. Der als "Hapag Lloyd Flug GmbH" gegründete Touristik-Carrier erhielt 2002 eine Low-Cost-Schwester namens Hapag-Lloyd Express (HLX). 2005 wurde der Ferienflieger in Hapagfly umbenannt, 2007 mit HLX zu Tuifly zusammengeschlossen. Das Geschäft konzentriert sich seither wieder auf den reinen Urlauberverkehr.

Eine Boeing 737 von Hapag-Lloyd Flug 1993 am Flughafen Düsseldorf. Foto: © AirTeamImages.com, Wolfgang Mendorf

Fusionspläne

Tuifly war für den Konzern über Jahre ein Zuschussgeschäft - deshalb gab es immer wieder Pläne für Zusammenschlüsse oder strategische Partnerschaften. 2008 etwa wurde über ein Bündnis mit der Lufthansa-Tochter Germanwings verhandelt, im Jahr darauf kam es zur Partnerschaft mit Air Berlin inklusive Wet-Lease-Geschäft.

Auch in den vergangenen Jahren hat der Mutterkonzern Tuifly vor allem als Verlustbringer betrachtet. Abhilfe sollte eine Ausgründung in ein Joint-Venture mit Etihad Airways und Niki bringen. Diese Pläne führten im Oktober 2016 zu einem wilden Streik der Belegschaft, mit dem der Flugbetrieb für einige Tage fast vollständig lahmgelegt wurde. Das Geschäft wurde im vergangenen Jahr von Etihad abgesagt.

Flotte und Wachstumspläne

Tuifly betreibt derzeit 36 Flugzeuge vom Typ Boeing 737, sieben davon fliegen für Eurowings. Die Flotte soll im kommenden Jahr auf 39 Flugzeuge ausgebaut werden. Die Maschinen sind im Durchschnitt zehn Jahre alt. Nach Angaben von ch-Aviaton stammen mindestens 31 Flugzeuge von Leasing-Gesellschaften, mindestens zwei gehören dem Konzern.

Im März kommt die erste 737 Max in die Flotte. Für die gesamte Tui Aviation wurden 72 Maschinen dieses Typs bestellt, die bis 2023 ausgeliefert werden. Wie viele davon Tuifly erhält, gab das Unternehmen bislang nicht bekannt.

Tui-Chef Friedrich Joussen stellte Anfang 2018 eine Erhöhung der Max-Bestellung um weitere 20 Flugzeuge in Aussicht, die bislang aber noch nicht erfolgt ist. Er betonte dabei die strategische Bedeutung der eigenen Airlines für den Konzern: "Ohne die Kontrolle über Flugzeuge ist es schwieriger, neue Reiseziele für sich und die eigenen Kunden zu erschließen."

Von: pra
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