Krankmeldungen halten Tuifly und Air Berlin am Boden

06.10.2016 - 15:07 0 Kommentare

Kurzfristige Krankmeldungen von Mitarbeitern wirbeln den Flugplan der Tuifly weiter kräftig durcheinander. Betroffen ist auch Air Berlin - die nun mit ihrem Personal eine Krisenvereinbarung getroffen hat.

Flugzeuge von Tuifly und Air Berlin  - © © dpa - Julian Stratenschulte

Flugzeuge von Tuifly und Air Berlin © dpa /Julian Stratenschulte

Die Fluggesellschaft Tuifly muss wegen kurzfristiger Krankmeldungen von Mitarbeitern immer mehr Flüge annullieren. Am Donnerstag würden 47 von 110 Flügen ersatzlos gestrichen, teilte Tuifly mit. 63 Flüge könnten "voraussichtlich" stattfinden, auch weil das Unternehmen 18 Flugzeuge anderer Airlines anmietete. Kooperationspartner Air Berlin kündigte Sondereinsätze des eigenen Personals an, um die Auswirkungen der Probleme bei Tuifly zu bekämpfen. Zudem sollen Flugzeuge aus dem Etihad-Airways-Partners-Verbund für Abhilfe sorgen.

Tuifly hat für Air Berlin nach deren Angaben am Donnerstag keinen einzigen Flug durchgeführt. Täglich wickele Tuifly eigentlich 90 Flüge ab, sagte Air-Berlin-Sprecher Uwe Kattwinkel der dpa. Mit Hilfe anderer Crews habe Air Berlin 30 dieser 90 Flüge anbieten können. 60 Flüge seien ausgefallen. Kattwinkel sprach von einer "schwierigen, dramatischen Situation vor allem für unsere Fluggäste".

Bei der in Hannover ansässigen Fluggesellschaft hatten schon am Montag und Dienstag viele "kurzfristige Krankmeldungen" des Cockpit- und Kabinenpersonals für zahlreiche Verspätungen gesorgt. Am Mittwoch wurden rund ein Viertel der geplanten Flüge gestrichen. Hintergrund vieler Krankmeldungen sind offenbar Sorgen der Mitarbeiter um ihre Zukunft wegen des geplanten Zusammenschlusses von Tuifly mit Teilen von Air Berlin.

© dpa, Julian Stratenschulte Lesen Sie auch: Tui, Etihad und Air Berlin bestätigen Verhandlungen

Sondereinsätze auf freiwilliger Basis bei Air Berlin

Die Geschäftsführung von Air Berlin habe gemeinsam mit der Pilotengewerkschaft Cockpit, der Verdi-Tarifkommission Kabine und dem Gesamtbetriebsrat eine "Ad-hoc-Krisenvereinbarung" geschlossen, teilte die Airline mit. Piloten, Flugbegleiter und Bodenpersonal seien dazu aufgerufen, "auf freiwilliger Basis Sondereinsätze zu leisten".

Die Sondervereinbarung läuft den Angaben zufolge zunächst bis einschließlich Sonntag. Air-Berlin-Chef Stefan Pichler dankte den Mitarbeitern für "die Zeichen der Solidarität und die Teamarbeit". Es gehe nun um "die Sicherstellung eines Flugplans, der die Erwartungen unserer Passagiere erfüllt".

Fluggesellschaften von Etihad Airways Partners unterstützen Air Berlin

Zudem unterstützt der Air-Berlin-Anteilseigner Etihad Airways Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft. Etihad Airways stellt Air Berlin ab Freitag, 7. Oktober, einen Airbus A340 zur Verfügung, hieß es in einer Mitteilung des Unternehmens. Von Alitalia habe Air Berlin bereits einen Airbus A321 erhalten und soll noch ein zweites Flugzeug bereitgestellt bekommen. Darüber hinaus habe Air Serbia - sie gehört wie Air Berlin und Alitalia zum Etihad-Airways-Partners-Verbund - eine Boeing 737 an Air Berlin übergeben und stelle in den nächsten Tagen voraussichtlich noch zwei weitere Flugzeuge zur Verfügung.

Am Mittwoch war offiziell bekannt geworden, dass die Touristiksparte von Airberlin mit Tuifly zusammengelegt werden soll. Darüber wurde bereits seit der vergangenen Woche spekuliert; die Beschäftigten wurden aber nicht informiert. Am Mittwoch bestätigten die Tuifly-Mutter TUI sowie Airberlin und deren Großaktionär Etihad die Pläne. Tuifly teilte dazu mit, den Mitarbeitern seien "Zugeständnisse" gemacht worden. Unter anderem sollten die bestehenden Tarifverträge von dem geplanten Zusammengehen "unberührt bleiben".

© dpa, Luther Rechtsanwaltsgesellschaft Lesen Sie auch: Arbeitgebern sind bei kollektiven Krankmeldungen die Hände gebunden

Von: AFP, dpa, gk
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