Interview

"Tuifly ersetzt ein Drittel der Germania-Kapazität in Nürnberg"

29.05.2019 - 14:20 0 Kommentare

Nach der Germania-Pleite gleicht Tuifly einen Teil der fehlenden Kapazitäten in Nürnberg aus. Im airliners.de-Interview spricht der Chef des Flughafens, Michael Hupe, über den Einschnitt und die Airport-Zukunft.

Tuifly hat wieder ein Flugzeug in Nürnberg stationiert. - © © Airport Nürnberg - Luca Eberhardt

Tuifly hat wieder ein Flugzeug in Nürnberg stationiert. © Airport Nürnberg /Luca Eberhardt

Der Flughafen Nürnberg musste im Zuge der Germania-Pleite einen deutlichen Passagierrückgang verkraften. airliners.de hat mit Flughafen-Chef Michael Hupe über die aktuellen Entwicklungen und die Pläne für die Zukunft des Airports gesprochen.

airliners.de: Tuifly hat nach der Germania-Pleite ein Flugzeug in Nürnberg stationiert. Ein Flugzeug ersetzt sicher nicht die gesamte Germania-Kapazität. Sehen sie hier noch mehr Potenzial?
Durch die schnelle Reaktion von Tuifly wird kurzfristig ein Teil des aufgrund der Germania-Insolvenz fehlenden Flugangebots durch einen renommierten Partner ersetzt. Damit stehen über 600 Flüge und 60.000 Plätze zur Verfügung. Die Flüge decken im Zeitraum von Juni bis Dezember etwa 33 Prozent des geplanten Volumens der Germania ab. Zudem hat Tuifly-Chef Oliver Lackmann kürzlich angekündigt, dass Engagement auch im Winter 2019 und im Sommer 2020 fortzusetzen.

Gibt es noch andere Airlines, die die Germania-Lücke füllen?
Ab September kommt eine stationierte Maschine der Corendon dazu, so dass sich der Verlust an Kapazitäten und Strecken weiter reduziert. Wenn man die Kapazitäten des letzten Sommers, die gut ausgelastet waren, mit diesem Sommer vergleicht, dann ist evident, dass sowohl für die Tuifly als auch für die anderen bei uns aktiven touristischen Airlines, also insbesondere Eurowings und Corendon, weitere Wachstumsmöglichkeiten bestehen.

Über den Interviewpartner

Der studierte Wirtschaftsingenieur Dr. Michael Hupe wurde 1964 in Seattle/USA geboren. Nach wissenschaftlichen Stationen kam er 1998 bei der Fraport AG im Finanzbereich das erste Mal beruflich zur Luftfahrt. 2002 übernahm er die Leitung des Flughafens Dresden und 2013 wurde er Geschäftsführer des Nürnberger Flughafens.

Wie haben sie insgesamt die Pleite der Germania und den damit verbundenen Wegfall der Kapazitäten verkraftet?
Die Insolvenz der Germania kam für unseren Airport nicht gänzlich unerwartet, da es seit Jahresbeginn Indizien gab, die auf finanzielle Engpässe der Fluggesellschaft hingedeutet haben. Sie ist aber sehr bedauerlich, da wir einen sehr engagierten und sympathischen Partner verloren haben, mit dem man auf Augenhöhe agieren konnte. Die Metropolregion Nürnberg verliert damit erst einmal viele interessante Strecken.

Wie sind Sie mit diesem Verlust und Strecken und Passagieren umgegangen?
Zunächst geht es uns darum, möglichst viele dieser Strecken wieder anbieten zu können, um der Nachfrage aus der Region gerecht zu werden und auch unsere Ertragsseite zu verbessern. Dazu stehen wir in engem Kontakt mit Reiseveranstaltern und Airlines. Einen vollständigen Ersatz werden wir erst in zwei bis drei Jahren erreichen können, denn insbesondere die touristischen Flugkapazitäten für den Sommer sind bereits weitgehend disponiert.

Sie mussten Sparmaßnahmen anstoßen, sind Sie mit den Ergebnissen zufrieden?
Wir haben auf der Kostenseite reagiert, indem wir Neueinstellungen strecken, den Sachaufwand verifizieren sowie Investitionsprojekte und Instandhaltungsmaßnahmen erneut bewerten und im Zweifelsfall schieben oder ganz streichen. Unser Minimalziel ist, die 4 Millionen-Passagiergrenze zu halten und den Ausweis eines negativen Jahresergebnisses für 2019 zu vermeiden.

Wo liegt ihr Fokus, was das Wachstum angeht wenn die Germania-Delle überwunden ist? Setzen Sie auf die klassischen Warmwasserziele oder sehen sie eher Potenzial in Richtung Business-Reisende?
Kurzfristig haben wir infolge der Germania-Insolvenz im touristischen Bereich das größere Nachholpotential. Strategisch liegt unser Schwerpunkt auf europäischen Direktverbindungen, die für Dienstreisen attraktiv sind. Ein wesentlicher Treiber aus unserer Region ist hier neben der international aufgestellten Industrie der Metropolregion die Nürnberg Messe mit ihrem weltweiten Kundenstamm.

Natürlich sind die europäischen Direktverbindungen auch für privat motivierte Reisen, sei es der Verwandtenbesuch oder der Städtetrip, interessant. Nach unserer Erkenntnis laufen die Strecken immer dann hervorragend, wenn sie für mehrere Kundengruppen attraktiv sind.

Im Europawahlkampf stand die Luftfahrt im Kreuzfeuer der Klimakritik. Speziell sehr kurze Verbindungen, wie die von Nürnberg nach München, wurden von vielen Seiten angesprochen. Was entgegnen Sie diesen Kritikern und gibt es eventuell sogar Pläne, diese Flüge durch Bahnverbindungen zu ersetzen?
Die München-Verbindung der Lufthansa ist genau wie andere Hub-Anbindungen eine reine Zubringerstrecke für Umsteigepassagiere, die über die Drehkreuze auf weitergehende Flüge aus der Mittel- und Langstrecke wechseln. Die Alternative für diese Passagiere ist nicht die Bahn nach München, da der Flughafen keine Schnellzuganbindung hat, sondern das Auto oder wesentlich wahrscheinlicher ein anderes Drehkreuz.

Dies würde also voraussichtlich lediglich zu einer Verlagerung innerhalb unseres Drehkreuzverkehrs führen und, auch aufgrund der Luftverkehrssteuer, die Hubs außerhalb von Deutschland stärken.

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Hupe.

Von: hr
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