Tuifly gerät mit Air-Berlin-Zerschlagung in Bedrängnis

Exklusiv 18.10.2017 - 11:27 0 Kommentare

Viele Tuify-Mitarbeiter fliegen aktuell noch zu komfortablen Konditionen im Auftrag der Air-Berlin-Tochter Niki. Nach dem Verkauf an Lufthansa muss Tui aber mit einer reduzierten Flotte planen. In der Folge drohen Entlassungen.

Flugzeuge von Tuifly und Air Berlin  - © © dpa - Julian Stratenschulte

Flugzeuge von Tuifly und Air Berlin © dpa /Julian Stratenschulte

Mit der Air-Berlin-Pleite bekommt eine weitere deutsche Fluggesellschaft Probleme: Tuifly hat rund ein Drittel ihrer Flotte samt Personal seit Jahren an die insolvente Airline vermietet. Sie fliegen für die österreichische Tochter Niki. Sie wird nun aber an die Lufthansa Gruppe verkauft.

Für Tuifly bedeutet das nichts Gutes. Lufthansa hat bereits mitgeteilt, nur einen Teil der Tuifly-Flugzeuge im Rahmen eines neuen Wetlease-vertrags weiter nutzen zu wollen. Das bestätigt nun auch ein interner Brief an die Tuifly-Mitarbeiter, der airliners.de vorliegt. Ab November werde man mit nur noch sieben Flugzeugen für Niki fliegen, schreibt die Tuifly-Geschäftsführung. Nach der Kartellfreigabe zur Lufthansa-Übernahme werde man dann weiter für Eurowings operieren.

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Der neue Vertrag mit der Lufthansa sei zudem "den Marktbedingungen angepasst" worden, wie die Tuifly-Manager schreiben. Man habe sich mit Lufthansa auf neue Konditionen verständigt. Weitere Details gibt es nicht. Aktuell fliegen noch 14 Boeing 737 für die österreichische Air-Berlin-Tochter Niki.

Bislang galt der seit 2009 laufende Wetleasingvertrag der Tuifly mit Air Berlin als nicht zu kündigender Knebelvertrag, der die Berliner Airline zuletzt finanziell stark belastete. Beobachtern zufolge übernimmt Lufthansa die Konditionen nicht sondern kauft die Flugleistungen nun zu Preisen, die bei Tuifly unter den derzeitigen Tarifkonditionen nicht kostendeckend sind.

Flotte soll reduziert werden

Aber die neuen Konditionen für den nun reduzierten ehemaligen Air-Berlin-Auftrag sind nicht alles. Für die restlichen sieben Flugzeuge außerhalb der Tuifly-Stammflotte habe man "keine wirtschaftlich tragfähige Grundlage schaffen können", schreibt die Geschäftsführung jetzt. In der Folge gehen die Manager davon aus, dass bei der Airline mindestens 150 Arbeitsplätze abgebaut werden müssen.

Tuifly-Mitarbeiter und Flotte

Die in Hannover ansässige Tuifly hat rund 2500 Mitarbeiter: 1200 Flugbegleiter, 700 Beschäftigte beim Bodenpersonal sowie etwa 550 Piloten. Die Flotte der Tuifly besteht momentan aus 39 Maschinen des Typs Boeing 737. Pro Flugzeug sind das rund 64 Mitarbeiter.

Als Grund für die deutliche Reduktion bei Mitarbeitern und Flotte nennt die Tuifly-Geschäftsführung festgefahrene Verhandlungen mit der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cocpit. Bei den Gesprächen über ein Maßnahmenpaket zur Verbesserung der Kostenstruktur sei es nicht gelungen, bei Piloten eine "Problembewusstsein hinsichtlich Produktivität und Kosten zu entwickeln".

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Die Pilotenvereinigung schreibt in einer Mitteilung an ihre Mitglieder, die airliners.de ebenfalls vorliegt, man sei "doch sehr" verwundert, dass Tui "die von uns ausgestreckte Hand zur Weiterentwicklung der TUlfly nicht ergreifen wollte".

Man habe Vorschläge für Einsparungen in Höhe von bis zu elf Millionen Euro etwa bei tariflich geregelten Arbeitsbedingungen und Lohnsteigerungen, einer Nullrunde sowie Laufzeitänderungen beim Tarifvertrag vorgelegt.

Im Gegenzug wollte die Gewerkschaft den Angaben nach eine Garantie zum Betrieb von 39 Flugzeugen (25 + 7 für Tuifly + 7 für Niki/Eurowings) sowie einen Schutz vor betriebsbedingten Kündigungen für drei Jahre erreichen.

Überlegungen, wonach Tuifly mit den sieben Flugzeugen einfach eigene Tui-Urlauber transportierten könne, wären den Ausführungen der Tuifly-Geschäftsführung nach allerdings "unternehmerisch unverantwortlich". Man könne mit einer größeren Tuifly nicht mit "schlechten Kostenstrukturen" in einem "künftig noch härteren Wettbewerb" fliegen.

Tuifly gilt bei Tui als zu teuer

Tuifly hatte im vergangenen Jahr einen neuen Tarifvertrag mit ihren Piloten vereinbart. Für die Piloten der Fluggesellschaft gilt daher aktuell die Friedenspflicht. Dennoch kam es zu einem wilden Streik gegen eine zuvor geplante Zusammenlegung mit der österreichischen Air-Berlin-Tochter Niki unter dem Dach von Etihad und Tui, der für Tui sehr teuer wurde.

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Es ist kein Geheimnis, dass die deutsche Tuifly bei der Tui schon seit langem als Klotz am Bein gilt. Das zeigt sich schon allein daran, dass Tui für ihre Pauschalreisen gerne auch auf Kapazitäten anderer Airlines zurückgreift. Oft ist ihnen die deutsche Airline im Vergleich zu externen Anbietern zu teuer.

Von: dh
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