Tuifly, Air Berlin und Etihad verhandeln über Gemeinschaftsunternehmen

01.10.2016 - 00:06 0 Kommentare

Tuifly soll Medienberichten zufolge mit Teilen der Air-Berlin-Group zusammengeführt werden. Beteiligt wäre auch Etihad Airways, die damit gleich mehrere Air-Berlin-Altlasten aus dem Weg räumt.

TUIfly und Air Berlin am Flughafen Hannover - © © dpa -

TUIfly und Air Berlin am Flughafen Hannover © dpa

Die Konsolidierung in der deutschen Luftverkehrsbranche geht weiter. Wie das "Handelsblatt" berichtet, hat Tuifly-Aufsichtsratschef Henrik Homann am Freitag in Hannover einen Vorschlag zur Integration der Ferienfluggesellschaft mit weiteren Airlines in eine neue Dachgesellschaft präsentiert.

Dabei soll Tuifly dem Handelsblatt zufolge ihre gesamte Flotte inklusive aller bislang für Air Berlin im Wetleasing operierenden Flugzeuge einbringen. Zusätzlich zu diesen 41 Tuifly-Maschinen werde die Air-Berlin-Gruppe weitere 20 Jets beisteuern, so der Bericht, womit das neue Gemeinschaftsunternehmen über 61 Flugzeuge verfügen soll.

Tuifly werde an der neuen Gesellschaft 25 Prozent der Anteile halten, schreibt die Zeitung und beruft sich dabei auf Quellen bei der Tui. Ein weiteres Mitglied der Dachholding soll nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur zudem der Air-Berlin-Großaktionär Etihad Airways sein.

Ein Beschluss wurde auf der Tuifly-Aufsichtsratssitzung noch nicht gefällt, schreibt das Handelsblatt weiter. In weiteren Verhandlungen seien zunächst die Details zu klären. Zudem müsse der Tui-Konzernaufsichtsrat dem Plan auf seiner kommenden Sitzung Ende Oktober zustimmen.

Platz ist auch noch für Niki

Unklar bleibt dabei, wie die Tui als bisheriger Alleineigentümer der Tuifly in die neue Struktur eingebunden wird. Klar scheint derweil, dass Etihad als nichteuropäischer Investor in jedem Fall lediglich eine Minderheitsbeteiligung an einem gemeinschaftlich betriebenen Ferienflieger halten dürfte.

Air Berlin hatte bereits bestätigt, dass die Touristik in eine eigene Geschäftseinheit überführt werden soll, die mit eigenem Management als unabhängige Gesellschaft agiert. Wie dies im Konkreten gestaltet wird, werde gegenwärtig noch geprüft, teilte die Airline auf Anfrage mit.

So könnten sich sogar noch die Gerüchte der vergangenen Tage bestätigen, wobei die österreichische Air-Berlin-Tochter Niki in Zusammenhang mit neuen Firmenkonstellationen rund um Tuifly gebracht wurde. Neben Etihad, der Tui und Tuifly selbst wäre ein Anteil der Österreicher in der neuen Dachgesellschaft durchaus vorstellbar.

In den Plänen für eine "neue Air Berlin" spielt die Niki-Heimatbasis Wien ohnehin keine prägende Rolle mehr. Die von Etihad finanziell über Wasser gehaltene Air Berlin will sich zukünftig voll auf das Geschäft von ihren Drehkreuzen Berlin und Düsseldorf konzentrieren.

© dpa, Maja Hitij Lesen Sie auch: So will Air Berlin aus den roten Zahlen fliegen

Dazu benötigt Air Berlin nur rund 75 Flugzeuge der aktuell knapp 140 Maschinen umfassenden Gruppen-Flotte. 40 Maschinen gehen demnächst bereits an die Lufthansa, die diese samt Besatzung für sechs Jahre vor allem für ihre Billigtochter Eurowings von Air Berlin anmietet.

Den Rest ihrer Flotte hatte Air Berlin in einer Analystenpräsentation vom Donnerstag noch als "touristischen Teil" bezeichnet, für den es "strategische Optionen" zu prüfen gebe – gemeint war wohl eine Beschäftigung im Rahmen der sich nun abzeichnenden Gemeinschaftsairline.

Deal würde Air-Berlin-Altlasten abwerfen

Sollte sich das Konstrukt tatsächlich konkretisieren, hätte Etihad nach dem Lufthansa-Leasing nicht nur für den touristischen Air-Berlin-Teil eine neue Beschäftigungsplattform geschaffen - gleichzeitig würde sich für die finanziell angeschlagene Air Berlin ein als höchst unvorteilhaft geltender und obendrein nicht einseitig kündbarer Leasingvertrag mit der Tuifly über 14 Flugzeuge in Wohlgefallen auflösen.

Für die Tui ergäbe sich derweil eine Möglichkeit, die intern angeblich bereits lange als zu teuer geltende Tuifly-Operation zumindest teilweise auszugliedern. Nach Handelsblatt-Informationen erhält der Reisekonzern zudem Zugriff auf Fernstreckenkapazitäten der Etihad – was gleichfalls als Indiz darauf gewertet werden kann, dass auch der Vertrieb der Kapazitäten des neuen gemeinsamen Ferienfliegers über den Reiseveranstalter laufen könnte.

© dpa, Sebastian Gollnow Hintergrund: Tui und Etihad rücken zusammen

Neben einem deutlich reduzierten Aufwand etwa im Netzwerkmanagement bräuchte die dann auf die Hälfte gestutzte neue Air Berlin somit auch keinerlei Vertrieb für die touristischen Kapazitäten und etliche Saisonmitarbeiter mehr. Das würde dann auch die hohe Anzahl der bei Air Berlin wegfallenden Arbeitsplätze erklären. Die Fluggesellschaft hatte angekündigt, bis zu 1200 Mitarbeiter in Verwaltung und Technik zu entlassen.

© AirTeamImages.com, Rudi Boigelot/Alun Morris Jones, Kollage: a.de Lesen Sie auch: Air Berlin hebt schon bald für Eurowings ab

Von: dh, mit Material von dpa
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