Reisekonzern Tui kann Türkei-Krise trotzen

08.12.2016 - 13:01 0 Kommentare

Tui-Vorstandschef Fritz Joussen kann mit der Bilanz des zurückliegenden Geschäftsjahres zufrieden sein - dabei hatte der Reisekonzern deutliche Rückgänge bei Türkei-Reisen verbuchen müssen.

Friedrich Peter Joussen, Vorstandsvorsitzender der Tui Group. - © © dpa - Sebastian Gollnow

Friedrich Peter Joussen, Vorstandsvorsitzender der Tui Group. © dpa /Sebastian Gollnow

Der lukrative Verkauf seiner Tochter Hotelbeds hat dem weltgrößten Reisekonzern Tui im Jahr der Türkei-Krise einen Milliardengewinn verschafft. Auch das Tagesgeschäft mit dem Urlaub warf trotz des Einbruchs bei Türkei-Reisen und des Wirbels nach dem Brexit-Votum mehr ab als im Vorjahreszeitraum. Tui-Chef Fritz Joussen peilt nun weitere Steigerungen an und will eine Milliarde Euro vor allem in neue Hotels und Kreuzfahrtschiffe stecken, wie er jetzt bei der Bilanzvorlage in Hannover ankündigte.

Unterm Strich verdiente Tui im abgelaufenen Geschäftsjahr bis Ende September 1,04 Milliarden Euro und damit etwa dreimal so viel wie ein Jahr zuvor. Das lag vor allem daran, dass der Konzern beim Verkauf des Bettengroßhändlers Hotelbeds einen dicken Buchgewinn eingestrichen hatte. Die Aktionäre sollen mit einer von 56 auf 63 Cent je Aktie erhöhten Dividende an dem Erfolg teilhaben.

Reisenangebote schnell umgestellt

Im laufenden Geschäft habe der Veranstalter den Buchungseinbruch in der Türkei wegstecken können, auch weil er seine Reiseangebote nach dem ersten Terroranschlag in Istanbul schnell auf andere Ziele umgestellt habe, sagte Joussen. "Wir hatten insgesamt mehr Kunden als im Vorjahr, aber eine Million weniger in der Türkei."

Nach dem Votum der Briten für den EU-Austritt machte sich bei Tui der Wertverlust des britischen Pfunds bei Umsatz und Gewinn negativ bemerkbar - allerdings nicht bei der Urlaubsnachfrage. Die Buchungen hätten sich nach der Brexit-Abstimmung nicht anders entwickelt als ein Jahr zuvor, sagte Joussen. Daher gehe er auch für 2017 von einem guten Sommergeschäft mit den traditionell reisefreudigen Briten aus.

© dpa, Julian Stratenschulte Lesen Sie auch: Tui stellt wichtige Weiche für Umbaupläne von Air Berlin und Tuifly

Im Veranstaltergeschäft musste Tui wegen des schwachen Pfunds und des harten Preiskampfs in Deutschland deutliche Rückgänge hinnehmen. Auch die heftigen Flugausfälle bei Tuifly verbuchte der Konzern zum Teil im abgelaufenen Geschäftsjahr. Piloten und Flugbegleiter des Unternehmens hatten sich Anfang Oktober reihenweise krankgemeldet, nachdem Pläne für einen gemeinsamen Ferienflieger mit Air Berlin bekanntgeworden waren. Dieser soll nun im Wesentlichen aus Tuifly und der Air-Berlin-Tochter Niki bestehen. Joussen erwartet, dass der Deal in den kommenden Wochen abgeschlossen werden kann.

Entschädigungszahlungen noch offen

Unklar blieb, inwieweit Entschädigungen für im Oktober gestrandete Tuifly-Passagiere das Ergebnis des laufenden Geschäftsjahres belasten werden. "Natürlich werden die Passagiere gemäß den gesetzlichen Vorgaben entschädigt", sagte Joussen. Ob der Konzern von Flugausfällen und -verspätungen betroffenen Kunden massenhaft die dafür vorgesehenen 250 bis 600 Euro pro Person auszahlt, ließ er offen. Die Konzerntochter Tui Deutschland hatte im Oktober erklärt, dass es sich bei den Krankmeldungen um höhere Gewalt handle.

Das Unternehmen teilte dazu jetzt mit, alle Kunden, die ihre Reise aufgrund der Flugstreichungen absagen mussten, bekämen den kompletten Reisepreis zurück. Urlauber, die ihr Reiseziel verspätet erreicht hätten, erhielten Teile des Reisepreises zurück. Wer aufgrund späterer Rückflüge länger im Hotel bleiben musste, bekomme die Mehrkosten sowie eine Minderung für die verspätete Rückreise nach Deutschland gezahlt.

Darüber hinaus will Tui keine Entschädigungen zahlen. Der Konzern bekräftigte seine Auffassung, die massenhaften Krankmeldungen von Crewmitgliedern seien außergewöhnliche Umstände, also höhere Gewalt. In diesem Fall bestehe keine Schadenersatzpflicht. Reiserechtler hatten die Kunden aufgerufen, dennoch Ansprüche anzumelden.

Von: ch, dpa, gk
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