Tui muss 737-Max-Kapazitäten im Sommer teuer hinzuleasen

29.03.2019 - 17:32 0 Kommentare

Tui-Chef Fritz Joussen muss wegen des 737-Max-Groundings umplanen. Das kostet richtig viel Geld. Kompliziert werden die Maßnahmen zur Kapazitätssicherung durch die Ungewissheit über die Dauer der Flugverbote.

Tui-Chef Friedrich Joussen mit einem Flugzeug von Tuifly. - © © Tui Group -

Tui-Chef Friedrich Joussen mit einem Flugzeug von Tuifly. © Tui Group

Die Flugverbote für Boeings neuen Mittelstreckenjet 737 Max durchkreuzen die bereits gekappten Gewinnpläne des weltgrößten Reisekonzerns Tui. Weil das Unternehmen Ersatzflugzeuge mieten muss, rechnet Tui-Chef Fritz Joussen für das laufende Geschäftsjahr bis Ende September mit deutlichen Gewinneinbußen.

"Wir halten es für unrealistisch, dass wir die 737 Max vor Mitte Juli wieder in die Luft bekommen", sagte Joussen. Bislang seien keine Termine bekannt, wann Anpassungen des Herstellers an dem Flugzeugmodell erfolgen und wann mit einer Freigabe durch die Aufsichtsbehörden FAA und EASA zu rechnen sei, hieß es. Deshalb habe man nun zunächst für die Zeit bis Mitte Juli Vorkehrungen getroffen.

Sollten die Max-Jets bis Mitte Juli wieder fliegen dürfen, werde dies den operativen Gewinn (bereinigtes Ebita) voraussichtlich mit rund 200 Millionen Euro belasten, teilte das Unternehmen am Freitag in Hannover mit. Die Summe ergebe sich vor allem durch die Mehrkosten für Ersatzflugzeuge, höhere Treibstoffkosten, Kosten im Zusammenhang mit Betriebsunterbrechungen sowie die zu erwarteten Auswirkungen auf das operative Geschäft. Mit 23 Jets sei Tui "der am stärksten betroffene Max-Betreiber in Europa", sagte Joussen.

Tui muss Flugzeuge dazu leasen

Der Konzern will nun verfügbare Flugzeuge aus der eigenen Flotte nutzen, Leasingverträge von Flugzeugen, die eigentlich durch die 737 Max ersetzt werden sollten, verlängern und zusätzliche Flugzeuge am Markt "wet" hinzuleasen. Von Flugausfällen und Umbuchungen ist keine Rede.

Kompliziert seien die Vorbereitungen auch darum, da es erhebliche Ungewissheit darüber gebe, wann die 737 Max wieder fliegen dürfe, so Tui. Sollte sich nicht in den nächsten Wochen klären, wie lange die Flugverbote gelten, werde man beginnen, auch den Rest der Sommersaison umplanen. Dann kämen weitere 100 Millionen Euro an Kosten hinzu, so der Reisekonzern.

Gerade in der Hauptsaison seien die Anbieter in Europa weitgehend ausgebucht und die Mietpreise entsprechend hoch, erläuterte das Management. Um Maschinen ohne Personal zuzumieten und in die eigene Flotte aufzunehmen, sei die Zeit zu knapp. Die Ummeldung eines Jets auf eine eigene Airline dauere mehrere Monate - Zeit, die bis zum Sommer nicht bleibt.

Im günstigeren Fall werde das bereinigte Ebita von zuletzt knapp 1,2 Milliarden Euro im laufenden Geschäftsjahr um 17 Prozent sinken, hieß es. Im schlechteren Fall werde es sogar um 26 Prozent einbrechen. Anleger reagierten verschreckt: Der Kurs der Tui-Aktie knickte am Morgen in London um mehr als zehn Prozent ein und lag am Nachmittag noch mit gut fünf Prozent im Minus. Seit Jahresbeginn hat die Aktie mehr als ein Drittel an Wert verloren. Seit Mai 2018 sank der Börsenwert des Unternehmens um rund 60 Prozent auf fünf Milliarden Euro.

Tuifly kann 737 Max vorerst nicht übernehmen

Tui hat 15 Maschinen von Boeings 737-Max-Reihe in der Flotte, die nach zwei Abstürzen von Flugzeugen des gleichen Typs von Lion Air und Ethiopian Airlines am Boden bleiben müssen. Bis Ende Mai wollte der Reisekonzern eigentlich acht weitere Maschinen der Reihe in seine Flotte aufnehmen - auch bei seiner deutschen Tochter Tuifly. Die Auslieferungen sind derzeit gestoppt.

Schon kurz nach dem Grounding der 737 Max hatte die deutsche Tuifly bekanntgegeben, trotz der Probleme am geplanten Ausbau der Sitzplatzkapazitäten für den Sommer um rund sieben Prozent festzuhalten und die Kosten durch den Ausfall allein in Deutschland auf rund drei Millionen Euro pro Woche geschätzt.

Tui wollte sich nicht dazu äußern, inwieweit der Konzern die Mehrkosten durch die Flugverbote vom Hersteller zurückfordert. "Unsere Verhandlungen mit Boeing laufen bereits, wie Sie sich vorstellen können", sagte Joussen. In den erwarteten Gewinnbelastungen sei eine mögliche Entschädigung durch den Hersteller noch nicht berücksichtigt.

Der Tui-Chef hatte seine Gewinnprognose für den Gesamtkonzern bereits im Februar gekappt. Wegen des Trends zu Last-Minute-Buchungen und den Auswirkungen des Brexits sollte der operative Gewinn seither nur noch stagnieren. Zuvor hatte Tui noch eine Steigerung um zehn Prozent vor Währungseffekten in Aussicht gestellt.

Von: dh mit dpa
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