Tui verliert 13 Millionen Euro durch Fluglotsenstreiks

09.08.2018 - 09:54 0 Kommentare

Tui-Chef Joussen muss für das vergangene Quartal weniger Gewinn melden. Schuld daran sind das Wetter, der Brexit, aber auch die Turbulenzen in der Luftfahrt.

Friedrich Joussen

Friedrich Joussen
© Tui AG

Boeing-Maschinen der Tui Airways.

Boeing-Maschinen der Tui Airways.
© AirTeamImages.com - Paul Buchroeder

Nicht nur das heiße Wetter in Europa und der Brexit machen dem weltgrößten Reisekonzern Tui zu schaffen. Die jüngsten Finanzzahlen wurden auch durch die Probleme der vergangenen Monate im Flugbereich beeinträchtigt, gab das Unternehmen am Donnerstag bekannt. Durch die Fluglotsenstreiks in Frankreich habe man einen negativen Einmal-Effekt von 13 Millionen Euro verbucht.

Im Reisegeschäft dämpft die Hitzewelle zwar das Aufkommen an Neubuchungen. Allerdings hätten viele Menschen ihren Sommerurlaub schon früh gebucht, erläuterte Vorstandschef Fritz Joussen. Dadurch wirke sich die derzeitige Zurückhaltung der Kunden im Last-Minute-Geschäft nicht so stark aus.

Steigende Türkei-Nachfrage

Tui habe bis jetzt 86 Prozent des Sommerangebots verkauft. Die Zahl der Kunden liege derzeit vier Prozent höher als vor einem Jahr, und die Umsätze seien in den jeweiligen Landeswährungen um fünf Prozent gestiegen.

Auch bei den Reisen in krisengeschüttelte Urlaubsländer geht es Joussen zufolge aufwärts. "Die Türkei kommt zurück, die Buchungen sind sehr stark." Das Land hatte in den vergangenen Jahren nach Terroranschlägen und Putschversuch einen herben Einbruch bei den Urlauberzahlen erlitten. Auch bei Reisen nach Ägypten und Marokko gehe es wieder aufwärts, sagte der Tui-Chef.

Zehn Prozent mehr Gewinn für das Gesamtjahr erwartet

Für das laufende Geschäftsjahr bis Ende September geht der Manager weiterhin davon aus, den bereinigten operativen Gewinn auf Basis konstanter Wechselkurse um mindestens zehn Prozent zu steigern. Dass es wie in den Vorjahren eher 13 Prozent werden, sei jetzt aber weniger zu erwarten, räumte er ein.

Europas zweitgrößter Reiseveranstalter Thomas Cook hatte bereits vergangene Woche von Problemen im Last-Minute-Geschäft berichtet. Viele Kunden hätten ihren Urlaub angesichts des heißen Wetters in der Heimat aufgeschoben. Sie wollten die derzeitigen Rekordtemperaturen lieber zu Hause genießen, sagte Thomas-Cook-Chef Peter Fankhauser.

Mehr Umsatz, weniger operativer Gewinn

Im dritten Geschäftsquartal bis Ende Juni steigerte Tui den Umsatz auf vergleichbarer Basis um fünf Prozent auf 5,0 Milliarden Euro. Der um Sonderposten bereinigte operative Gewinn (Ebita) ging vor allem wegen des schwachen britischen Pfunds im Vergleich zum Vorjahreszeitraums hingegen um 13 Prozent auf 193 Millionen Euro zurück.

Der Nettogewinn verdreifachte sich zwar auf 146 Millionen Euro. Allerdings hatte ein Jahr zuvor der Verkauf der Spezialreise-Sparte Travelopia das Ergebnis belastet.

Pfundschwäche wegen Brexit

Zu schaffen macht Tui der Brexit. Das britische Pfund hat wegen des bevorstehenden Austritts Großbritanniens aus der Europäischen Union deutlich an Wert verloren. Das macht Reisen für Briten in Euro-Länder wie Spanien teurer.

Dennoch gelang es Tui, im Vereinigten Königreich viele Reisen zu verkaufen. Auch im abgelaufenen Quartal sei die Nachfrage hoch gewesen, betonte das Management. Dies ging allerdings zulasten des Gewinns. In der Region Nord mit Großbritannien als größtem Markt sackte der bereinigte operative Gewinn um 80 Prozent auf 16 Millionen Euro nach unten.

Auch um den Brexit selbst macht sich Tui eine Menge Gedanken. "Wenn man nicht weiß, was passieren wird, bereitet man sich auf alles vor", sagte Joussen. Die Liste der Überlegungen sei sehr lang. Wie genau der Konzern einem möglichen harten Brexit begegnen will, wollte er aber nicht erläutern.

Die Frage ist etwa, unter welchen Bedingungen Fluggesellschaften aus Großbritannien künftig in die und innerhalb der EU dürfen. Zu Tui gehören neben Tuifly in Deutschland auch Airlines in Großbritannien, den Niederlanden, Belgien und Skandinavien.

© dpa, Sebastian Gollnow Lesen Sie auch: Tui-Airlines rücken näher zusammen

Von: pra, dpa
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