Kooperation auch bei Wartung und Catering? Türkei wirbt für Bündnis Lufthansa-Turkish

20.11.2012 - 11:50 0 Kommentare

Die Türkei rührt weiter die Trommel für ein Bündnis von Lufthansa und Turkish Airlines. Im Kern geht derzeit um einen Ausbau der Codeshare-Vereinbarung und einem Beitritt in die Nordatlantik-Allianz.

Flugzeuge von Turkish Airlines und Lufthansa am Flughafen D - © © AirTeamImages.com - TT

Flugzeuge von Turkish Airlines und Lufthansa am Flughafen D © AirTeamImages.com /TT

Die türkische Regierung macht weiter Stimmung für ein Bündnis zwischen Turkish Airlines und der Deutschen Lufthansa. Die Türkei sei für eine solche Zusammenarbeit wärmstens gestimmt, sagte Finanzminister Mehmet Simsek der türkischen Zeitung "Milliyet" (Dienstag). Der "Financial Times" (FT/Dienstag) zufolge sprechen beide Gesellschaften bereits über einen Ausbau ihrer Codesharing-Kooperation und eine Aufnahme der Türken in das Nordatlantik-Bündnis von Lufthansa und United Airlines. Bei Europas größter Fluggesellschaft in Frankfurt hieß es dazu jedoch lediglich: Kein Kommentar.

Am Dienstag hatte Simsek eine Zusammenarbeit der Gesellschaften bei Wartung und Bordverpflegung ins Gespräch gebracht. Die Sondierungen seien aber noch in einem frühen Stadium, sagte er. Die Sparte Lufthansa Technik gehört zu den großen Wartungsspezialisten auf dem Markt. Für die Catering-Sparte LSG Sky Chefs prüft die Lufthansa Insidern zufolge derzeit einen Teilverkauf oder ein mögliches Bündnis mit einem Partner. Bereits im Juni hatte der österreichische Caterer Do & Co Interesse an einem Einstieg bekundet.

Bei den Bündnisgesprächen zwischen Lufthansa und Turkish Airlines geht es der "FT" zufolge derzeit allerdings um das Kerngeschäft. Dazu gehöre der Ausbau des bestehenden Codesharings, bei dem die Gesellschaften gegenseitig die Flüge des Partners in ihr Angebot aufnehmen. Außerdem könnten die Türken in das Gemeinschaftsunternehmen eintreten, in dem die Lufthansa mit ihrem US-Partner United Airlines Flüge über den Nordatlantik anbietet. Turkish Airlines und Lufthansa arbeiten bereits im Luftfahrtbündnis Star Alliance zusammen.

Auch ein Aktientausch zwischen Lufthansa und Turkish Airlines wäre möglich, zitiert die Zeitung eine mit der Sache vertraute Person. Dabei würden beide Unternehmen eine Beteiligung am anderen Partner erwerben. Eine Fusion der Gesellschaften sei unwahrscheinlich, wenn auch nicht völlig ausgeschlossen, schreibt die Zeitung.

Turkish Airlines befindet sich auf Expansionskurs. Die Gesellschaft baut ihr Langstreckengeschäft über ihr Drehkreuz Istanbul kräftig aus. In den vergangenen fünf Jahren verdoppelte sie ihre Flotte auf 200 Maschinen. Bis 2020 sollen es schon 350 Flugzeuge sein. Die Lufthansa kommt zusammen mit ihren Töchtern Ende September auf 635 Maschinen.

Lufthansa-Chef Christoph Franz hatte die Erwartungen am Wochenende gedämpft. "Wir haben traditionell enge Verbindung mit Turkish Airlines, haben mit Sun Express eine gemeinsame Tochtergesellschaft und sind permanent in Gesprächen über Möglichkeiten der Kooperation. Ob sich daraus noch mehr entwickelt, wird sich zeigen", sagte er der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Er setzt auf größere Zusammenschlüsse: "Wenn in Zukunft einmal über Kontinente übergreifende Fusionen verhandelt wird, wollen wir mit am Tisch sitzen, aber auf Augenhöhe."

Die Lufthansa hat wie andere klassische Fluggesellschaften in Europa mit hohen Kerosinkosten und der harten Konkurrenz durch Billigflieger wie Ryanair und die schnell wachsenden Fluggesellschaften vom Persischen Golf zu kämpfen. Mit einem milliardenschweren Sparprogramm will Franz die Lufthansa fit für die Zukunft machen. Auch neue Bündnisse könnten helfen, die Stellung der Lufthansa auf dem Markt zu sichern.

Europas Fluglinien suchen seit einigen Monaten neue Bündnisse mit Konkurrenten auf dem Heimatkontinent und darüber hinaus. So trat Air Berlin im März dem Luftfahrtbündnis Oneworld um British Airways bei, knüpfte aber darüber hinaus Bande mit Air France-KLM, die dem Konkurrenzbündnis Skyteam angehört. Beide Gesellschaften arbeiten zudem mit der bündnisfreien arabischen Fluglinie Etihad zusammen, die wiederum mit der irischen Aer Lingus kooperiert. Qatar Airways schloss sich dem von British Airways dominierten Bündnis Oneworld an. Der größte arabische Player Emirates aus Dubai kooperiert mit der australischen Qantas

Von: dpa-AFX, airliners.de
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