MTU-Chef hält C919 für "kaum international wettbewerbsfähig"

31.05.2017 - 14:07 0 Kommentare

Russland und China bauen mit der MC-21 und der C919 eigene Mittelstreckenjets. Der Münchner Triebwerkhersteller MTU macht sich aufgrund des Markteintritts keine Sorgen.

C919 kurz vor ihrem Erstflug

C919 kurz vor ihrem Erstflug
© dpa - Andy Wong/AP

Rollout der ersten MC-21-300

Rollout der ersten MC-21-300
© dpa - EPA/Alexander Astafjev / Sputnik / Government Press Service Pool

Die neuen Mittelstreckenjets aus China und Russland sind aus Sicht des Münchner Triebwerkbauers MTU noch nicht konkurrenzfähig. Die chinesische C919 sei "kaum international wettbewerbsfähig", sagte MTU-Chef Reiner Winkler jetzt der "Börsen-Zeitung", und Russlands MC-21 habe einen "eher begrenzten regionalen Markt".

"Es wird vermutlich noch mehr als ein Jahrzehnt dauern, bis die Chinesen in der Lage sind, auch eigene Flugzeugtriebwerke zu entwickeln und in Serie zu produzieren", so Winkler. "Den Markteintritt neuer Wettbewerber haben wir mit unserem Know-how nicht zu fürchten."

MC-21 und C919 mit Triebwerken aus dem Westen

Für die Chinesen ist die C919 des Herstellers Comac der erste selbst entwickelte Mittelstreckenjet überhaupt. Die Russen wollen fast 30 Jahre nach dem Fall des Eisernen Vorhangs wieder im internationalen Geschäft mit Verkehrsflugzeugen Fuß fassen. Beide Maschinen sind im Mai zu ihren ersten Testflügen abgehoben.

Bei der MC-21 setzt der Flugzeugbauer Irkut auf Triebwerke aus dem Westen: An dem Getriebefan des US-Herstellers Pratt & Whitney, der auch beim modernisierten Airbus A320neo zum Einsatz kommt, arbeitet auch MTU mit.

© MTU, Lesen Sie auch: MTU startet Serienmontage für A320neo-Triebwerke

Ähnlich halten es die Chinesen: Die Triebwerke für die C919 liefert CFM - ein Gemeinschaftsunternehmen von Safran aus Frankreich und General Electric aus den USA. Der Triebwerkstyp steht ähnlich auch für die A320neo zur Verfügung und treibt den modernisierten Konkurrenzflieger Boeing 737-MAX an.

Anteile an Programmen steigt

Bei MTU sind die Auftragsbücher auch wegen der Antriebe für die A320neo und die Vorgängerin A320 gut gefüllt. Winkler will die Anteile von MTU an neuen Triebwerksprogrammen schrittweise erhöhen. "In der Vergangenheit hatten wir im mittleren Segment eine Beteiligung von elf Prozent. Jetzt sind es 15 bis 18 Prozent", sagte er mit Blick auf die Mittelstreckenjets.

Triebwerkshersteller wie General Electric, Rolls-Royce, die zu United Technologies gehörende Pratt & Whitney oder MTU bilden in der Regel Konsortien zum Bau neuer Antriebstypen. Die einzelnen Partner entwickeln bestimmte Teile selbst und produzieren sie auch. MTU hat sich vor allem auf die Niederdruckturbine und den Hochdruckverdichter fokussiert. Für den Getriebefan des Airbus A320neo hat MTU auch eine eigene Endfertigung aufgebaut.

Von: ch, dpa-AFX
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