Hintergrund Tourismus steht vor großen Herausforderungen

19.01.2016 - 13:10 0 Kommentare

Der internationale Tourismus verbucht ein Rekordjahr, deutsche Veranstalter setzen mehr um. Die Herausforderungen für die Branche sind allerdings groß.

Fluggäste am Frankfurter Airport. - © © dpa - Boris Roessler

Fluggäste am Frankfurter Airport. © dpa /Boris Roessler

Seit 2010 wächst der Tourismus weltweit Jahr für Jahr - trotz Terrorgefahren und politischer Krisen. So stieg die Zahl der Auslandsurlauber 2015 der UN-Tourismusorganisation (UNWTO) zufolge im Vergleich zum Vorjahr weltweit um 4,4 Prozent auf fast 1,2 Milliarden. Was treibt die Branche und was bremst sie?

  • Konjunktur:
  • Reisen hängt vor allem von der persönlichen wirtschaftlichen Lage ab. In Deutschland läuft die Wirtschaft rund, die Arbeitslosigkeit ist niedrig. Auch in der Europäischen Union ist die Konjunktur auf Erholungskurs, die Arbeitslosenquote sank zuletzt auf 9,1 Prozent und damit auf den niedrigste Stand seit Juli 2009. Für deutsche und europäische Reiseveranstalter stehen die Chancen für das laufende Jahr also gar nicht schlecht. Branchenexperte Martin Lohmann rechnet denn auch damit, dass die Bundesbürger trotz schwächerer Buchungszahlen im November und Dezember in diesem Jahr erneut mehr Geld für Reisen ausgeben werden. Im abgelaufenen Reisejahr (Stichtag: 31. Oktober) machten die Veranstalter nach ersten Berechnungen des Deutschen Reiseverbands drei bis vier Prozent mehr Umsatz als im Vorjahr. Der Gesamtumsatz erhöhte sich um rund eine Milliarde Euro auf mehr als 27 Milliarden Euro. Die Zahl der Gäste stieg um ein Prozent.
  • Ölpreis:
  • Urlauber profitieren laut Welttourismusorganisation vom massiven Einbruch der Ölpreise, Sprit wird billiger, das senkt die Reisekosten. Der niedrige Ölpreis bremst in Europa zudem den Anstieg der Lebenshaltungskosten. Steigen die Löhne und Gehälter stärker als die Inflation - wie zum Beispiel in Deutschland - haben die Menschen mehr im Geldbeutel. Sie können sich mehr leisten, auch beim Urlaub. Die Kehrseite der Medaille: Die Einnahmen Öl exportierender Länder sinken, das kann die Konjunktur in den betroffenen Staaten dämpfen und die Verbraucher dort verunsichern, sie sparen statt zu verreisen.
  • Politische Krise:
  • Sie können für einzelne Urlaubsgebiete drastische Folgen haben. Das bekommt derzeit die Türkei zu spüren. Nach dem Abschuss eines russischen Kampfjets im syrischen Grenzgebiet ist das Land als beliebtes Pauschalreiseziele für russische Touristen derzeit verschlossen. Der Kreml stoppte alle Charterflüge, 19 große Reisebüros in türkischem Besitz verloren die Lizenz. 2014 besuchten noch rund 4,4 Millionen russische Urlauber das Land am Bosporus.
  • Terroranschläge:
  • Anschläge von Islamisten erschütterten in den letzten Monaten immer wieder beliebte Urlaubsziele. In Tunesien brachen die Buchungen nach dem Anschlag von Sousse im Sommer ein. Nach der Terrorserie von Paris im November sank nach Branchenangaben zeitweise die Nachfrage nach Trips in die französische Metropole. Für Verunsicherung sorgte zuletzt der Anschlag von Istanbul. Branchenvertreter sprechen von großen Herausforderungen.Dennoch: "Was immer geschieht, die Auswirkungen werden immer nur kurzfristiger Natur sein. Nach den Erfahrungen der vergangenen Jahre haben Terroranschläge für den Tourismus mittel- und langfristig keine größeren Folgen", sagt UNWTO-Generalsekretärs Taleb Rifai. Branchenexperten sind zuversichtlich: Die Menschen werden weiter reisen, kurzfristig aber auf andere Ziele ausweichen.
  • Reiseeinschränkungen:
  • Manche Länder haben nach Terroranschlägen vor Reisen in die betroffenen Staaten gewarnt oder Flüge dorthin untersagt. "Wir sind besorgt darüber, dass einzelne Staaten aufgrund der Terrorgefahr Reiseeinschränkungen verhängen", sagt Rifai. Damit würden die betroffenen Länder in zweifacher Hinsicht zu Opfern: Zuerst würden sie von Terroranschlägen erschüttert und dann international isoliert.
Von: Friederike Marx, dpa, gk

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