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Lufthansa, Air Berlin und der FC Bayern München

05.01.2017 - 12:00 0 Kommentare

Die Lufthansa schickt Thomas Winkelmann zu Air Berlin? Da kommt Kolumnist Karl Born der FC Bayern München in den Sinn. Und auch beim BER bietet sich ein Fußball-Vergleich an.

Klare Ansagen: Professor Karl Born kommentiert die aktuellsten Entwicklungen der Luftverkehrsbranche. - © © airliners.de, Karl Born -

Klare Ansagen: Professor Karl Born kommentiert die aktuellsten Entwicklungen der Luftverkehrsbranche. © airliners.de, Karl Born

Die Ernennung des bisherigen Lufthansa-Managers Thomas Winkelmann zum Air Berlin-Chef hat bei Lufthansa keinerlei negative Reaktionen hervorgerufen. Deshalb folgerten einige Luftfahrt-Kommentatoren, Lufthansa habe sogar auf diese Ernennung bestanden. Die besondere Aufgabe von Winkelmann bei Air Berlin sei es, den Air Berlin/Eurowings-Deal zu stabilisieren. Das würde sogar Sinn machen.

Angenommen, Lufthansa hat Thomas Winkelmann tatsächlich zu Air Berlin entsandt. Dann wäre das, wie wenn der FC Bayern München seinen Top-Spieler Thomas Müller zum TSV 1860 München entsenden würde, damit er diesen Verein stabilisiere und mit seinen Toren den Abstieg der "Löwen" in die dritte Bundesliga verhindere, damit 1860 München weiterhin in der Lage sei, seine Miete in der gemeinsam genutzten Allianz-Arena (sprich Kasse Bayern München) zahlen zu können.

Um den Vergleich stabiler zu machen, sollte man wissen, dass 1860 München in den vergangenen Jahren (Bundesliga-Rekord) ähnlich viele Trainer verschlissen hat, wie Air Berlin Vorstandsmitglieder. Außerdem hat der TSV mit Hasan Abdullah Mohamed Ismaik ebenfalls einen arabischen Investor, der mit seinen Millionen den Fußballverein am Leben erhält. Bei Air Berlin ist es ja bekanntlich Etihad.

© AirTeamImages.com, TT Lesen Sie auch: Lufthansa und Air Berlin sind wie Microsoft und Nokia

Natürlich ist ein CEO unabhängig und darf keine Anweisungen von außenstehenden Dritten befolgen, trotzdem glaube ich, könnte der neue Air-Berlin-Chef mit der Headline "Thomas Winkelmann ist der Thomas Müller von Air Berlin" auch gut leben.

Auch beim HSV und dem BER bietet sich ein Vergleich an

Für den immer noch nicht eröffnenden Airport BER bietet sich der Vergleich mit dem Hamburger Sportverein (HSV) an. Letzterer wird oft als Dino der Bundesliga bezeichnet, weil er als einziger Verein noch nie abgestiegen ist, also ist der BER der Dino der nicht eröffneten Flughäfen. Beide sind Rekordhalter in ihrer Disziplin.

Dazu sollte man auch wissen, dass die Hanseaten in ihrem kühlen Selbstbewusstsein vor Jahren im HSV-Stadion eine Uhr installiert haben, die anzeigt, seit wieviel Jahren und Tagen der Fußball-Verein nicht abgestiegen sei. Irgendwo habe ich gelesen, dass man auch beim BER eine solche Uhr installieren will. Diese würde dann zählen, seit wie vielen Tagen der Airport nicht eröffnet ist. Zählt man die Tage seit der letzten Nicht-Eröffnung im 3. Juni 2012, müsste jetzt am 5. Januar die Zahl 1677 stehen.

© dpa, Patrick Pleul Lesen Sie auch: Hauptstadtflughafen BER kommt erst 2018

Um auch hier den Vergleich zu stabilisieren, sei darauf hingewiesen, dass die Anzahl der Trainerentlassungen beim HSV in den vergangenen Jahren fast vergleichbar mit der Anzahl der Vorstandsentlassungen beim BER ist. Außerdem gibt es beim HSV einen Großinvestor (Klaus-Michael Kühne), der mit fast kindlicher Fußballfreude Millionen des anderorts verdienten Geldes versenkt.

Beim BER gibt es gleich drei Großinvestoren (Bund sowie die Länder Berlin und Brandenburg), die allerdings nicht eigenes verdientes Geld versenken, sondern das ihnen anvertraute Geld der Steuerzahler (eine Million Euro täglich!). Der Grund hier ist nicht kindliche Flughafenfreude, sondern schlicht Unfähigkeit.

Die Formulierung "seit der letzten Nicht-Eröffnung" ist allerdings nicht ganz präzise, denn inzwischen wurde bekannt, dass der BER auch Ende dieses Jahres nicht in Betrieb gehen kann. Damit stimmt auch meine in der Ansage 2 erfolgte Ankündigung, dass man sich bitte den 23. November 2017 vormerken sollte: 2000 Tage Nicht-Eröffnung Flughafen BER (seit 3. Juni 2012).

Es würde mich nicht wundern, wenn der neue Berliner Senat an diesem Tag ein Fest veranstalten würde: "Flughafen-Eröffnungen kann jeder feiern, Flughafen-Nichteröffnungen aber nur wir in Berlin." Utopie? Warten wir es ab.

Über den Autor

In seiner Reihe "Die Born-Ansage" veröffentlicht der ehemalige Condor-Vertriebschef, Tui-Vorstand und Touristik-Honorarprofessor Karl Born auf airliners.de Kolumnen zum aktuellen Geschehen in der Luftverkehrswirtschaft.

Professor Karl BornAls Redner auf Führungskräfte- und Verbandstagungen ist Karl Born in der ganzen Welt unterwegs. Als "Querdenker der Reisebranche" für seine "Bissigen Bemerkungen" ausgezeichnet, nimmt der ehemalige Airline- und Touristikmanager auch in Sachen Luftverkehr kein Blatt vor den Mund. Kontakt

Von: Karl Born für airliners.de
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