Die Born-Ansage (5) ( Gastautor werden )

Thomas de Maizière - der unsensible Innenminister

16.04.2015 - 11:31 0 Kommentare

Im Fall der abgestürzten Germanwings-Maschine muss Bundesinnenminister Thomas de Maizière sensibel sein - findet Kolumnist Karl Born. Der CDU-Politiker hat sich jedoch nicht daran gehalten.

Klare Ansagen: Professor Karl Born kommentiert die aktuellsten Entwicklungen der Luftverkehrsbranche. - © © airliners.de, Karl Born -

Klare Ansagen: Professor Karl Born kommentiert die aktuellsten Entwicklungen der Luftverkehrsbranche. © airliners.de, Karl Born

Abgesehen vom Schock des Germanwings-Absturzes, der immer noch nachwirkt, kann man sich nur wundern, wie unsensibel viele darauf reagiert haben. Die Medien gaben von Stunde zu Stunde immer mehr ihre Zurückhaltung gegenüber den Opfern und deren Angehörigen auf. Die Staatsanwaltschaft gab täglich neue persönliche und vertrauliche Informationen der Öffentlichkeit bekannt - völlig unnötig.

Als extrem unsensibel hat sich leider auch unser Innenminister Thomas de Maizière (CDU) erwiesen. Er forderte bereits eine Woche nach dem Absturz wieder mehr Kontrollen bei Flügen im Schengen-Raum, damit "man bei einem künftig ähnlichen Fall genau wisse, wer im Flugzeug sitzt". Statt sich darüber Gedanken zu machen, wie man nach bestem Wissen ein solches Unglück verhindern kann, denkt er schon über die Identitätsfeststellung eventueller künftiger Opfer nach. Das muss ich erst mal verdauen.

© dpa, O. Berg Lesen Sie auch: De Maizière erwägt Ausweispflicht bei Schengen-Flügen

Solange die Freizügigkeit im Schengen-Raum, auf die wir zu recht stolz sind, für Reisen mit Auto, Bus und Bahn gilt, gibt es keinen Grund, dies bei Flügen einzuschränken. Vielleicht war der bei Politikern immer im Kopf vorhandene "Terrorhintergrund" die Motivation für diesen Vorschlag. Wir wissen aber, dass Datenspeicherung höchstens bei der Aufklärung hilft, nicht aber bei der Verhinderung solcher Taten. Sollte also tatsächlich das Thema Sicherheit beim Vorschlag von de Maiziére bestimmend gewesen sein, dann möge er bitte Sicherheit ganzheitlich betrachten.

Sicherheit kennt keine verschiedenen Maßstäbe

Aus Kostengründen wird die Sicherheitskontrolle an den Flughäfen an private Firmen mit schlecht bezahlten Mitarbeitern übertragen. Die vor kurzem aufgedeckten Sicherheitslücken am Frankfurter und Düsseldorfer Flughafen, als bei Tests Waffen und "unkonventionelle Spreng- und Brandvorrichtungen" durch die Kontrollen geschmuggelt werden konnten, sollten zu Konsequenzen führen. In Frankfurt kamen im Dezember vergangenen Jahres die Tester mit der Hälfte ihrer gefährlichen Utensilien durch die Kontrolle.

Das kann man dann auch nicht mit "hohen Passagierzahlen vor Weihnachten" entschuldigen, wie es Fraport versuchte. Dieses Problem mit noch mehr Technik zu lösen, klappt schon gar nicht. Die Bundespolizei am Flughafen Düsseldorf hat bestätigt, dass bei Hochbetrieb die sogenannten Nackt-Scanner wegen ihrer permanenten Fehlanzeige abgeschaltet werden. Besonders peinlich: Der Airport Düsseldorf musste eingestehen, dass von April bis September 2014 ein stadtbekannter Salafist bei der Gepäckabfertigung eingesetzt war.

Bei Sicherheit kann es keinen unterschiedlichen Maßstab geben. Darum sollte sich der Innenminister mal kümmern.

Über den Autor

In seiner Reihe "Die Born-Ansage" veröffentlicht der ehemalige Condor-Vertriebschef, TUI-Vorstand und Touristik-Honorarprofessor Karl Born auf airliners.de Kolumnen zum aktuellen Geschehen in der Luftverkehrswirtschaft.

Professor Karl BornAls Redner auf Führungskräfte- und Verbandstagungen ist Karl Born in der ganzen Welt unterwegs. Als "Querdenker der Reisebranche" für seine "Bissigen Bemerkungen" ausgezeichnet, nimmt der ehemalige Airline- und Touristikmanager auch in Sachen Luftverkehr kein Blatt vor den Mund. Kontakt

Von: Karl Born für airliners.de
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