Thomas Cook stürzt tiefer in die Verlustzone

08.02.2012 - 12:55 0 Kommentare

Der Reiseveranstalter Thomas Cook ist im ersten Geschäftsquartal tiefer in die roten Zahlen gerutscht. Nun hat der Konzern seine indische Tochter zum Verkauf ausgeschrieben.

Leitwerk einer Thomas-Cook-Maschine - © © dpa - A. Gebert

Leitwerk einer Thomas-Cook-Maschine © dpa /A. Gebert

Der angeschlagene Reiseveranstalter Thomas Cook ist zum Winter erneut tiefer in die roten Zahlen gestürzt. Die Unruhen in Nordafrika, ein schärferer Wettbewerb und verunsicherte Verbraucher erschwerten das Geschäft des Veranstalters, der in Deutschland vor allem mit der Marke "Neckermann Reisen" und der Fluglinie Condor präsent ist. Gestiegene Treibstoffkosten zehrten Einsparungen an anderer Stelle im ersten Geschäftsquartal wieder auf. Jetzt soll der Verkauf der indischen Konzerntochter frisches Geld in die Kasse bringen.

Die Thomas-Cook-Aktie reagierte mit einem Kurssprung von mehr als elf Prozent auf die Nachrichten. Am späteren Vormittag lag das Papier an der Londoner Börse noch mit 6,15 Prozent im Plus bei 13,80 britischen Pence. Allerdings kostet die Aktie noch immer nur rund ein Fünfzehntel dessen, was sie vor rund einem Jahr einbrachte - eine Folge der anhaltenden Verluste und der Probleme im Großbritannien-Geschäft. Im vergangenen Geschäftsjahr hatte das Unternehmen einen Verlust von einer halben Milliarde britischen Pfund zu verkraften.

Tiefrote Zahlen

Im ersten Geschäftsquartal bis Ende Dezember rutschte der Tui-Konkurrent nun erneut tiefer in die roten Zahlen. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum stieg der Vorsteuerverlust um mehr als die Hälfte auf 152 Millionen britische Pfund (183 Mio Euro). Der operative Verlust vor Umstrukturierungskosten und anderen Sondereffekten kletterte auf 91 Millionen Pfund - fast zweieinhalbmal so viel wie ein Jahr zuvor. Der Umsatz legte hingegen um drei Prozent auf 1,86 Milliarden Pfund zu. Ein Nettoergebnis gab das Unternehmen nicht bekannt. Reiseveranstalter schreiben im Winter meist rote Zahlen, weil sie ihre Fixkosten nicht decken können. Ihre Gewinne fahren sie in der Hauptreisezeit im Sommer ein.

Nun will sich das Unternehmen nicht nur von Hotelbeteiligungen und Reisebüros trennen, um zu Geld zu kommen. Auch das Indien-Geschäft steht zur Disposition: "Nach einer Reihe informeller Interessensbekundungen, die wir unaufgefordert erhalten haben, haben wir uns entschieden, für unsere Beteiligung an Thomas Cook India offizielle Angebote einzuholen", sagte Sam Weihagen, der die Geschäfte seit dem Abgang des früheren Unternehmenschefs Manny Fontenla-Novoa führt.

Der Reiseveranstalter hält 77 Prozent an der Indien-Tochter die selbst an der Börse notiert ist. Weihagen verspricht sich von dem Verkauf einen Erlös von mehr als 200 Millionen US-Dollar, wie er in einer Telefonkonferenz sagte. Die Aktie von Thomas Cook India legte daraufhin um 20 Prozent zu.

Mehr Exklusivreisen

Unterdessen zeigt der Umbau des Großbritannien-Geschäfts laut Weihagen Wirkung. Jede vierte gebuchte Pauschalreise soll in diesem Sommer aus den differenzierten Reiseangeboten stammen, die sich etwa an Senioren, Familien und Sportler richten. Außerdem will Thomas Cook weniger unterschiedliche Hotels anbieten, um sich dem Preiskampf unter den Veranstaltern zu entziehen. Ein weitreichender Umbau des Geschäfts soll den operativen Gewinn der Sparte im laufenden Geschäftsjahr um 35 Millionen Pfund steigern.

Dass Marktführer Tui Travel dem Branchenzweiten Thomas Cook in Großbritannien Marktanteile weggeschnappt hat, wollte Weihagen nicht bestätigen. "Mit Statistiken kann man so ziemlich alles belegen", kommentierte er Äußerungen des Mitbewerbers vom Dienstag. Die Buchungen für den Sommer lägen vielmehr fast auf dem Niveau des Vorjahres. Thomas Cook habe im Dezember besonders viele Reisen abgesetzt, Tui Travel dafür im Januar.

Arabischer Frühling belastet

Schwer zu schaffen machte beiden Veranstaltern der politische Umbruch in Nordafrika, wo die Zahl der Urlauber um zweistellige Prozentsätze zurückging. Besonders Ägypten und Tunesien hatten in früheren Wintern viele Sonnenhungrige angelockt.

Über alle Urlaubsziele hinweg verkaufte Thomas Cook in Großbritannien und Zentraleuropa einschließlich Deutschland bislang vier Prozent weniger Reisen als vor einem Jahr. Für den Sommer sieht Weihagen "ermutigende" Anzeichen: Die Buchungszahlen lägen in beiden Regionen nur ein Prozent unter den Vorjahreswerten zurück. Schlechter läuft es in Frankreich: Die schwache Nachfrage ließ den Absatz bislang um 22 Prozent einbrechen.

Von: dpa-AFX
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