Unternehmenswert halbiert

Thomas-Cook-Chef nimmt seinen Hut

03.08.2011 - 14:06 0 Kommentare

Der Chef des Touristik-Konzerns Thomas Cook, Manny Fontenla-Novoa, hat am Mittwoch seinen Rücktritt erklärt. Das Unternehmen hat in den letzten Monaten erheblich an Wert verloren. Nun soll das Vertrauen der Märkte zurückgewonnen werden.

Der Wert von Thomas hat sich in Kürze halbiert, jetzt trennt sich das Unternehmen von seinem Chef. Manny Fontenla-Novoa werde mit sofortiger Wirkung von seinem Posten zurücktreten, teilte Europas zweitgrößter Reiseveranstalter am Mittwoch mit. Bis ein Nachfolger gefunden ist, übernimmt sein bisheriger Stellvertreter Sam Weihagen die Konzernführung. Der Verwaltungsrat des Unternehmens, das in Deutschland vor allem mit der Marke "Neckermann Reisen" und der Fluglinie Condor vertreten ist, will nun das Vertrauen der Anleger zurückgewinnen.

An der Börse wurde die Nachricht mit Erleichterung aufgenommen. Bis zur Mittagszeit legten die Aktien des Tui-Konkurrenten um 5,10 Prozent auf 63,90 britische Pence zu.

Dennoch ist die Thomas-Cook-Aktie noch weit von ihren früheren Höhen entfernt. Seit Monaten befand sich der Kurs im Sinkflug, schließlich folgte der freie Fall: Als die Thomas-Cook-Führung am 12. Juli ihr Gewinnziel für das laufende Jahr kappte, verloren die Papiere binnen weniger Wochen mehr als die Hälfte ihres Werts. Seit Mitte Januar ging es sogar zeitweise um 70 Prozent nach unten.

Dass der Wertverlust der Grund für Fontenla-Novoas Abgang ist, bestätigte das Unternehmen nicht direkt. Verwaltungsratspräsident Michael Beckett, so etwas wie der Aufsichtsratschef des Unternehmens, betonte jedoch, dass das Unternehmen nun das Vertrauen der Märkte zurückgewinnen solle. Dieses sei durch Bedenken über die hohe Verschuldung und das schwache Abschneiden der Großbritannien-Sparte beeinträchtigt worden.

Sorgenkind Großbritannien-Sparte

Mit dem Verkauf von Vermögenswerten will Thomas Cook bis zu 200 Millionen Pfund (229 Mio. Euro) einnehmen. Interimschef Weihagen soll dafür sorgen, dass das britische Geschäft wieder auf Kurs kommt, wo die schwierige wirtschaftliche Lage die Urlaubslust bremst. Weihagen hat bislang die gut laufende Nordeuropa-Sparte unter seinen Fittichen.

Dennoch drückten die Unruhen in Nordafrika und Nahost aufs Ergebnis. Wie im Juli angekündigt, soll der der um Sondereffekte bereinigte operative Gewinn im Geschäftsjahr bis Ende September von zuletzt 362 Millionen auf 320 Millionen Pfund sinken. Im abgelaufenen Quartal fiel bereinigte operative Gewinn um rund ein Viertel auf 20 Millionen Pfund. Vor Steuern schrieb das Unternehmen einen Verlust von 56,7 Millionen Pfund, immerhin nur rund halb so viel wie ein Jahr zuvor. Reiseveranstalter fahren den Hauptteil ihres Gewinns in den Sommermonaten ein. Im Winter schreiben sie meist rote Zahlen, weil sie ihre Kosten nicht decken können.

Das Geschäft außerhalb Großbritanniens laufe weiterhin gut, betonte Beckett. Zu kämpfen hat die Gesellschaft allerdings in Frankreich. Die Franzosen können sich für die dort sonst beliebten Reisen nach Ägypten, Tunesien und Marokko noch immer nicht recht begeistern.

Für den Sommer hat Thomas Cook in Zentraleuropa mit dem wichtigsten Markt Deutschland trotz eines deutlich gekürzten Angebots zwei Prozent mehr Reisen verkauft als ein Jahr zuvor. Dabei konnte der Veranstalter zudem im Schnitt höhere Preise durchsetzen. Auch in Großbritannien wurde Thomas Cook im Schnitt teurere Reisen los. Allerdings müssen britische Touristen für Auslandsreisen schon wegen des schwachen Pfunds mehr bezahlen.  

Von: dpa-AFX
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