Thomas-Cook-Chef Holtrop geht - Eigentümerstruktur weiter unklar

12.12.2006 - 10:00 0 Kommentare

Frankfurt/Main (dpa) - Der Chef des möglicherweise kurz vor seiner Zerschlagung stehenden Tourismuskonzerns Thomas Cook, Thomas Holtrop, räumt seinen Posten. Holtrop habe sein Amt nach nur gut einem Jahr an der Spitze mit sofortiger Wirkung niedergelegt, teilten die beiden Eigentümer Lufthansa und KarstadtQuelle am Dienstagabend mit. Gründe wurden nicht genannt. Auch blieb weiter offen, ob KarstadtQuelle den Konzern mit seiner Hauptmarke Neckermann wie gewünscht komplett übernehmen wird und ob der Ferienflieger Condor dann abgespalten wird. Bislang halten KarstadtQuelle und die Lufthansa jeweils die Hälfte an Thomas Cook.

Neuer Vorstandsvorsitzender von Thomas Cook werde mit Wirkung zum 13. Dezember Manny Fontenla-Novoa, hieß es in den Mitteilungen der Eigentümer. Der 50-Jährige ist bislang im Vorstand für das Geschäft in Großbritannien und in Irland zuständig und war ebenso wie Holtrop vor gut einem Jahr in den Konzernvorstand gekommen. Der gebürtige Spanier sei ein international renommierter Tourismusexperte, hieß es.

Fontenla-Novoa versicherte, dass die eingeschlagene strategische Richtung des Konzerns «vom Grundsatz her» fortgesetzt werde. «Wir brauchen jedoch keine Revolution, sondern eine nachhaltige Evolution unserer Geschäftsmodelle», erklärte er in einer Mitteilung. Die Pauschalreise als Kerngeschäft werde weiter entwickelt, «damit sie auch in Zukunft unser Hauptstandbein bleibt». Gleichzeitig investiere Thomas Cook weiter in die neuen Wachstumssegmente wie Baustein- und Spezialangebote. In Großbritannien arbeiten Veranstalter und Fluglinie eng miteinander, während in Deutschland die Condor weitgehend eigenständig agiert.

Nach einem Bericht der «Financial Times Deutschland» (Dienstag) gab es einen Grundsatzstreit im Vorstand von Thomas Cook. Daraufhin habe sich der Aufsichtsrat gegen Holtrop entschieden. Dieser hatte sich kürzlich skeptisch zum Wachstumspotenzial der Pauschalreise geäußert und den Internetvertrieb von Reisebausteinen forciert.

In den vergangenen Tagen war in mehreren Medienberichten spekuliert worden, die Entscheidung über eine neue Eigentümerstruktur werde noch vor Weihnachten fallen. Den Überlegungen zufolge könnte KarstadtQuelle nach dem Kauf des Lufthansa-Anteils dann Thomas Cook aufspalten. Die Flugtochter Condor würde entweder in die Lufthansa integriert oder an einen Finanzinvestor weiterverkauft. Zuletzt wurde in der Branche auch ein separater Weiterverkauf der Reiseveranstalter durch KarstadtQuelle nicht mehr ausgeschlossen. KarstadtQuelle hatte bereits angekündigt, seine Versandhaustochter neckermann.de an die Börse zu bringen oder an einen Investor zu verkaufen.

Thomas Cook - nach der TUI der zweitgrößte Tourismuskonzern in Europa - hat weltweit rund 23 000 Mitarbeiter und einen Jahresumsatz von rund acht Milliarden Euro. Im vergangenen Jahr kehrte der Konzern nach einer harten Sanierung und dem Abbau von mehreren tausend Arbeitsplätzen knapp in die Gewinnzone zurück. Während bei Thomas Cook ursprünglich der Verbund von Veranstaltern, Charterfliegern, Hotels und Vertrieb im Zentrum stand, wurde diese Integration in den vergangenen Jahren reduziert. So arbeitet Condor heute weitgehend selbstständig und versucht sich auch im Markt der Billigflieger zu behaupten. Einige Hotel-Beteiligungen wurden von Thomas Cook bereits verkauft.

Von: dpa
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