Thomas Cook: Airlines schreiben Rekordzahlen

27.11.2018 - 13:46 0 Kommentare

Der Reisekonzern Thomas Cook meldet für 2018 einen Gewinneinbruch. Nur das Fluggeschäft schneidet überraschend gut ab: Condor und die drei Schwester-Airlines erzielen ein Rekordergebnis - trotz erheblicher Probleme.

Flugzeuge der Thomas-Cook-Tochter Condor. - © © Thomas Cook -

Flugzeuge der Thomas-Cook-Tochter Condor. © Thomas Cook

Die Thomas Cook Group hat ihr Geschäftsjahr noch schlechter abgeschlossen als erwartet: Die Reiseveranstalter verzeichneten deutliche Ergebnisrückgänge. Dagegen konnten die Airlines trotz schwieriger Bedingungen ihre Performance verbessern.

Insgesamt meldete der Konzern für das Ende September abgeschlossene Finanzjahr einen Vorsteuergewinn (Ebit) im Kerngeschäft von umgerechnet 283 Millionen Euro - das sind 23 Prozent weniger als im Vorjahr. Das gesamte Vorsteuerergebnis rutscht um 60 Millionen Euro ins Minus, 2017 lag es noch bei plus 49 Millionen.

Sämtliche Prognosen verfehlt

Der Reisekonzern bleibt damit weit hinter seinen Prognosen zurück. Im Laufe des Sommers hatte er bereits zweimal die Gewinnerwartung abgesenkt, zuletzt auf ein Ebit von 312 Millionen Euro. Wegen der erneut verfehlten Ziele wurden die Zahlen bereits zwei Tage vor dem Bilanztermin präsentiert.

Konzernchef Peter Fankhauser sprach dabei von einem "enttäuschenden Jahresabschluss". Das Unternehmen strich die Jahresdividende, der Aktienkurs brach um 25 Prozent ein.

Grund für die schlechten Zahlen sei das schwache Geschäft der Reiseveranstalter im Sommer gewesen, so Fankhauser: Wegen der Hitzewelle seien weniger Reisen verkauft worden. Besonders stark sei davon der britische Markt betroffen - dort habe Thomas Cook mit dem Veranstaltergeschäft acht Millionen Euro Verlust gemacht, erklärte Interims-Finanzchef Sten Daugaard.

Airlines machen 37 Prozent mehr Gewinn

Ganz anders steht die Flugsparte des Konzerns da, zu der die deutsche Condor gehört. "Unsere Airlines hatten ein Rekordjahr", sagte Daugaard. Das Betriebsergebnis stieg hier um 37 Prozent auf 146 Millionen Euro.

Im Fluggeschäft stieg der Umsatz um 9,5 Prozent auf 3,7 Milliarden Euro, die Zahl der verkauften Sitzplätze um 8,8 Prozent auf 20,2 Millionen. Unter anderem habe Condor seine Markstellung in Deutschland nach der Air-Berlin-Pleite ausbauen können, heißt es.

Entwicklung der operativen Ergebnisse (Ebit) bei Thomas Cook (in britischen Pfund). Grafik: © Thomas Cook

Die Thomas-Cook-Airlines konnten sich auch deshalb von der schwachen Performance der Konzernveranstalter abkoppeln, weil sie mittlerweile nur noch 45 Prozent ihrer Kapazitäten an sie verkaufen. Der Rest wird durch Drittveranstalter oder Einzelplatzgäste gefüllt.

Auf der Kostenseite haben sich Condor und die Schwestern in Großbritannien, Skandinavien und auf Mallorca im zu Ende gegangenen Geschäftsjahr nochmals verbessert: Weitere 35 Millionen Euro habe man durch Synergien zwischen den vier Gesellschaften eingespart.

65 Millionen Euro Mehrkosten durch Störungen

Die Airline-Sparte hätte aber ohne die Störungen im Flugverkehr noch bessere Ergebnisse liefern können, so Daugaard. Zwei Faktoren hätten hohe Zusatzkosten verursacht: die Engpässe in der Flugsicherung und die verzögerte Umregistrierung der ehemaligen Air-Berlin-Maschinen. 18 Millionen Euro mussten die Cook-Airlines daher zusätzlich aufwenden,

Insgesamt beziffert der Konzern die Störungskosten der Airlines sogar auf 155 Millionen Euro, 65 Millionen mehr als im vorherigen Geschäftsjahr. Dazu zählen die Entschädigungszahlungen an Passagieren, Kosten für Wet-Lease-Flüge und Wartung.

Weniger Flugkapazitäten geplant

Für das kommende Jahr plant Thomas Cook eine Konsolidierung des Flugwachstums. Bereits im Winter habe man weniger Kapazitäten aufgelegt, weil sechs Flugzeuge an die kanadische Air Transat verleast wurden, so Fankhauser.

Auch im Sommer 2019 sollen weniger Flugsitze angeboten werden, in Großbritannien sogar "erheblich weniger", kündigte der Thomas-Cook-Chef an. Insbesondere wolle man die Zahl der Wet-Lease-Flugzeuge verringern.

© AirTeamImages.com, Mathieu Pouliot Lesen Sie auch: Condor will mehr eigene Flugzeuge

Condor hatte bereits angekündigt, 2019 weniger Aufträge an ACMI-Carrier zu vergeben und zugleich mehr Flugzeuge in der eigenen Flotte sowie bei den neuen Gesellschaften Thomas Cook Airlines Balearics und Thomas Cook Aviation unterzubringen. Unterm Strich soll die Zahl der Flugzeuge gleichbleiben.

Von: pra
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