Thomas Cook will Airlines verkaufen

Der Thomas-Cook-Konzern stellt seine fünf Airlines auf den Prüfstand. Man präferiere einen Komplettverkauf von Condor und Co., heißt es. "Alle anderen Möglichkeiten seien aber auch denkbar." Das Geld wird für andere Projekte des Reiseveranstalters gebraucht.

A321 von Thomas Cook. - © © AirTeamImages.com - Simon Willson

A321 von Thomas Cook. © AirTeamImages.com /Simon Willson

Der Reisekonzern Thomas Cook prüft die Zukunft der Group Airlines. Der mehrmonatige Prozess ist nach airliners.de-Informationen nun vom Vorstand angestoßen worden. Dabei hält sich der Konzern laut eines Sprechers "bewusst alle Optionen offen".

Wir präferieren den Verkauf aller fünf AOCs. Aber alle anderen Möglichkeiten sind auch denkbar.

Sprecher von Thomas Cook

Die Airlines seien in den vergangenen Jahren laut des Sprechers erfolgreich zusammengewachsen und "können allein am Markt bestehen". Der Touroperator wolle sich nun auf die eigene Kernstrategie konzentrieren, wozu vor allem die Stärkung des Hotelgeschäfts und die Digitalisierung von Geschäftsbereichen zähle. "Ein Verkauf des Airline-Bereichs würde uns die finanzielle Flexibilität dazu gewähren."

Experte plädiert für Komplettverkauf

Für Tourismusexperte Karl Born könnte dies auch ein Teilverkauf bedeuten. Nur: "Die fünf Airlines sind mittlerweile eng miteinander verwoben", so Born. "Da eine einzelne Fluggesellschaft wie beispielsweise Condor herauszutrennen, wird sehr schwierig."

Alle Optionen zu prüfen heißt laut Born aber auch über Partnerschaften - wie sie Lufthansa-Hub-Chef Harry Hohmeister im Interview mit airliners.de ins Spiel brachte - nachzudenken. "Beispielsweise könnte man ja einen reinen Finanzinvestor an Bord holen, der dem Konzern Geld gibt, sich operativ aber bedeckt hält." Gleichzeitig könnte auch eine andere Airline zuschlagen, die die Cook-Airlines weiter in ihrem jetzigen Gefüge fliegen lasse.

Letztlich stehe bei allem immer die Frage im Raum, wie attraktiv beispielsweise die deutsche Cook-Tochter Condor noch sei. "Klar, die hat Slots an wichtigen deutschen Flughäfen und nutzt die aktuell auch", so der Experte. Doch: Innerhalb der Gruppe gebe es viele alte Flugzeuge - "das macht das Konstrukt nicht attraktiver".

Tui und Lufthansa verweigern Kommentar

Bleibt die Frage, wer die Cook-Airlines kaufen möchte. Offiziell wollen sich Konkurrentin Tui und der Lufthansa-Konzern auf Anfrage von airliners.de nicht äußern, doch Born sieht beide im Rennen: "Gerade eine Tui hat in der jüngeren Vergangenheit immer wieder betont, wie wichtig eine eigene Airline im Konzern ist und dass sie daher Tuifly ausbauen will."

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Die Airlines: Zu den Thomas Cook Group Airlines zählen neben Condor die Thomas Cook Airline UK, die einen ähnlich hohen Anteil am Gesamtumsatz hat wie die deutsche Schwester), Thomas Cook Airlines Scandinavia, die von Air Berlin übernommene und inzwischen umfirmierte Thomas Cook Aviation sowie die spanische Division Thomas Cook Airlines Balearics. Zusammen operieren sie 103 Flugzeuge - zum Großteil via "sale and lease back".

Die Finanzlage: Während der Gesamtkonzern im vergangenen Jahr einen Gewinnbruch hinnehmen musste, ist die Airline-Sparte deutlich gewachsen. Der Umsatz stieg um 9,5 Prozent auf 3,7 Milliarden Euro, das Betriebsergebnis um 37 Prozent auf 146 Millionen Euro. Die Sparte konnte sich auch deshalb von der schwachen Performance der Konzernveranstalter abkoppeln, weil sie mittlerweile nur noch 45 Prozent ihrer Kapazitäten an sie verkaufen - der Rest wird durch Drittveranstalter oder Einzelplatzgäste gefüllt. Die Kosten konnten durch Synergien zwischen den verschiedenen Fluggesellschaften um 35 Millionen Euro gesenkt werden.

Entwicklung der operativen Ergebnisse (Ebit) bei Thomas Cook (in britischen Pfund). Grafik: © Thomas Cook

Und auch wenn Lufthansa mit den beiden Töchtern Eurowings sowie Sun Express im Ferienflug-Markt schon stabil aufgestellt ist und nach den Herausforderungen der Übernahme von Air-Berlin-Teilen erst einmal keine Zukäufe plant und "Ruhe in die Operations" bringen will: "Die Group-Airlines kann man ohne Mühe übernehmen", konstatiert der ehemalige Condor- und Tui-Manager Born. "Die muss man nicht adhoc integrieren - die können auch eine Weile weiter auf eigenen Beinen stehen."

Aufgrund der geografischen Nähe könnte sich Born auch "vertiefte Gespräche" zwischen dem britischen Thomas-Cook-Konzern und der Carrier-Gruppe IAG vorstellen. "Immerhin sind die bei Air Berlin schon nicht zum Zug gekommen, wollen aber wachsen." IAG wollte die Air-Berlin-Ferienflugtochter Niki übernehmen, musste dann aber Gründer Niki Lauda den Vorzug lassen.

Condor-Langstrecke

Ungeachtet des angestrebten Verkaufs überlegt der Thomas-Cook-Konzern, welches das nächste Langstreckenmuster für Condor sein könnte. Denn die reine Boeing-Flotte für interkontinental Flüge ist in die Jahre gekommen: Die sowohl für Mittel- als auch Langstreckenrouten geeigneten 15 Boeing-757-Jets sind im Schnitt 19,3 Jahre alt - die 16 Boeing-767-Maschinen 23,5 Jahre. Die Diskussion über die Zukunft der Group-Airlines würde nichts an dem Projekt ändern, heißt es vom Konzern.

© AirTeamImages.com, Ralf Meyermann Lesen Sie auch: Condor bekommt weitere Boeing-Narrowbodies

Nach der Pleite von Azur Air sowie Small Planet im vergangenen Jahr und Germania in dieser Woche steht der deutsche Charter-Markt stark unter Druck. Beobachter sehen neben Condor, Eurowings und Tuifly - die große Konzerne im Hintergrund haben - lediglich noch die kleine Sundair als Anbieter. Diese ist nach airliners.de-Informationen allerdings ausgelastet.

Die Ryanair-Tochter Lauda Motion hatte bereits angekündigt, auch einen Einstieg in den Charter-Markt prüfen zu wollen. Dabei kann sie auf die Erfahrungen der polnischen Schwester Ryanair Sun zurückgreifen, die seit diesem Jahr Kontingente bei Reiseanbietern unterbringt. Fielen jedoch nun auch die von den Thomas-Cook-Airlines angebotenen Kapazitäten weg, wäre der Markt laut Beobachtern sehr dünn.

Von: airliners.de

Datum: 07.02.2019 - 15:42

Adresse: http://www.airliners.de/thomas-cook-airline-zukunft/48764