Artikel vom 26.10.2011 0
MTU steigert Umsatz dank Luftfahrt-Boom Quartalszahlen
© MTU
MTU-Firmenzentrale in München
Der Münchner Triebwerksbauer MTU hat im dritten Quartal dank des Luftfahrt-Booms seinen Umsatz kräftig gesteigert. Auf den Gewinn drückten allerdings hohe Entwicklungskosten für neue Triebwerksmodelle wie das des neuen Airbus-Kassenschlagers A320neo. Bis zum Jahresende strebt MTU-Chef Egon Behle einen Umsatzanstieg von 7 bis 8 Prozent an. Den Nettogewinn von gut 142 Millionen Euro aus dem vorigen Jahr will er knacken.
«Wir erwarten sowohl im Serien- als auch im Ersatzteilgeschäft ein starkes viertes Quartal», sagte der Behle. Zwischen Juli und September legte der Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um zwölf Prozent auf 721 Millionen Euro zu. Unter dem Strich verdiente MTU gut 39 Millionen Euro, etwas mehr als ein Jahr zuvor.
Dass Air Berlin am Dienstag mit den Herstellern Airbus und Boeing eine Verschiebung der für 2012 und 2013 geplanten Auslieferungen auf die Jahre 2015 und 2016 vereinbarte, schreckt die Münchner nicht. «Wir können heute nicht erkennen, dass Aufträge in großer Zahl gestreckt würden», sagte Behle. Der Auftragsbestand sei seit Jahresbeginn um ein Prozent auf 9,8 Milliarden Euro gewachsen. Das bedeute Arbeit für die nächsten drei Jahre.
Insbesondere von dem neuen Airbus-Kassenschlager A320neo erwartet MTU Auftrieb. Airbus hat bereits Bestellungen und Vorverträge für mehr als 1200 der Sprit sparenden «neos» eingesammelt, die zusammen mehr als 2400 Triebwerke benötigen. Laut Behle liegen bereits rund 1.000 Kaufabsichten und Aufträge für das Triebwerk PW1100G von Pratt & Whitney vor, an dem MTU mitbaut. Langfristig verspricht sich die MTU-Spitze von dem «neo»-Antrieb einen Umsatz von 13 bis 14 Milliarden Euro. Außerdem stünden in den nächsten Jahren eine Reihe weiterer Flugzeugprogramme an. Vor allem Großraumflugzeuge und Business-Jets böten Chancen für den Triebwerkshersteller.
Die starke Nachfrage der Fluggesellschaften ließ MTU die Einbußen im Rüstungsgeschäft verkraften. Dort schlugen sich bereits die Kürzungen im deutschen Verteidigungshaushalt nieder. Über einen weiteren Auftrags- und Umsatzrückgang in der Sparte wollte Behle nicht spekulieren. Wenn Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière aber wie vermutet die Bestellungen für Eurofighter und den Tiger-Kampfhubschrauber zusammenstreichen wird, werden die Kürzungen auch MTU treffen. Das Unternehmen baut an den Antrieben der Maschinen mit, die bei den EADS-Töchtern Cassidian und Eurocopter entstehen.
Um solche Rückgänge abzufedern, bringt sich MTU stärker beim Airbus-Mittelstreckenflieger A320 ein und baut seinen Anteil am Triebwerkskonsortium IAE aus, das den Antrieb für die herkömmliche A320 baut. «16 Prozent sind hier unsere Untergrenze», sagte Behle. Bislang hält MTU elf Prozent an dem Konsortium. Der britische Mitbewerber Rolls-Royce zieht sich aus dem Bündnis zurück. Die Münchner versprechen sich von der Aufstockung mehr Umsatz im dreistelligen Millionen-Euro-Bereich.
Stand: 26.10.2011 - 3:08 PM Uhr
Quelle: dpa
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