Artikel vom 11.01.2012 0

Austrian Airlines schnürt Sparpaket Flottenreduzierung

Die österreichische Lufthansa-Tochter Austrian Airlines steht am Scheideweg. Die Rettung soll nun ein weiteres Sparpaket bringen, das unter anderem das Ausscheiden der Boeing 737 sowie Strecken- und Gehaltskürzungen vorsieht.

Boeing 737-700 der Austrian Airlines - © © AirTeamImages.com -

Boeing 737-700 der Austrian Airlines

"Die Welt ändert sich, die Luftfahrtbranche ändert sich, jetzt muss sich auch die AUA ändern", mit diesem Credo ging der neue CEO von Austrian Airlines (AUA), Jaan Albrecht, am Dienstag in seine erste Pressekonferenz. Gemeinsam mit den Vorstandskollegen Peter Malanik und Andreas Bierwirth erklärte er in Wien wie die AUA wieder Gewinne erwirtschaften soll.

Das neu vorgestellte Sparpaket bedeutet das Aus für die Boeing-737-Flotte. Stattdessen sollen bis zu sieben A319 und A320 von der Lufthansa zur AUA kommen. Für die elf Boeing 737 gibt es laut Bierwirth bereits erste Angebote. Dass man sich von dem Flugzeugtyp trenne, obwohl man erst vor kurzem in neue Sitze investiert hatte, habe keinen Einfluss auf die Entscheidung gehabt. "Durch die neue Kabine hat sich der Marktwert der Flieger erhöht", sagte Bierwirth gegenüber dem österreichischen zu Branchenportal Austrian Aviation Net.

Unterm Strich bedeutet der Flottentausch ein Minus von vier Fliegern. Bodenbetriebsrat Alfred Junghans steht einem "Ende des Flottensalates" grundsätzlich positiv gegenüber. Er hatte aber jedoch nur mit zwei Flugzeugen gerechnet. Um ihre Jobs müssten die AUA-Mitarbeiter nicht bangen - der Vorstand schloss Kündigungen vorerst aus. Die Piloten und Techniker der 737-Flotte würden umgeschult und auf anderen Typen eingesetzt.

Betriebsrat kündigt Widerstand an

Einschnitte könnte es aber bei den Gehältern geben. Im laufenden Jahr würden die Personalkosten um sieben Prozent steigen. Neue Kollektivverträge und das Aus für automatische Lohnerhöhungen sollen dem nun entgegen wirken. Der AUA-Betriebsrat Bord kündigte bereits Widerstand an. "Die Sanierung eines Dienstleistungsunternehmens über die Personalkosten ist zum Scheitern verurteilt. Der Betriebsrat Bord wird dem nicht zustimmen," schreibt Betriebsratschef Karl Minhard in einer Email an Austrian Aviation Net.

Das Management wies zudem erneut auf den teuren Standort Wien hin. Der Vorstand kündigte neue Verhandlungen mit dem Flugsicherungsunternehmen Austro Control, dem Flughafen Wien und dem österreichischen Mineralölunternehmen OMV an. Insgesamt seien im vergangenen Jahr 305 Millionen Euro an Gebühren angefallen, das sei ein Viertel des gesamten Umsatzes.

AUA droht mit Schrumpfung

Am Rande der Pressekonferenz sagte Bierwirth im Gespräch mit Austrian Aviation Net, dass man gegenüber der Politik Druckmittel in der Schublade habe. Falls es keine Zugeständnisse gebe, müsste Austrian Airlines schrumpfen. Das würde ein Ausdünnen von Nischen-Destinationen in Osteuropa bedeuten und die geplante Einflottung von insgesamt vier Langstrecken-Flugzeugen wäre vom Tisch.

Zur Steigerung der Erlöse will AUA mehr Business-Passagiere gewinnen. Gleichzeitig soll Lauda Air in den Vertrieb integriert werden, um so mehr Flugtickets zu Feriendestinationen absetzen zu können. Mit der Lufthansa-Lowfare-Tochter Germanwings wurde im Dezember ein Interline-Abkommen unterzeichnet, das noch ausgebaut werden soll.

Kampf gegen Air Berlin Group am Standort Wien

Relativ sanft blieben die Vorstände gegenüber den Konkurrenten NIKI und Air Berlin. "Wettbewerb belebt den Markt", sagte Bierwirth auf der Pressekonferenz. In einem Rundschreiben, das am Montagabend an die Mitarbeiter verschickt wurde, war man da deutlich aggressiver: "Wir müssen den Kampf gegen Air Berlin gewinnen. Sonst haben wir keine Zukunft. Auf Dauer kann es am Standort Wien nur einen Home Carrier geben." Intern geht die AUA-Führung davon aus, dass der Golf-Carrier Etihad, der im Dezember einen Einstieg bei Air Berlin angekündigt hatte, auch ein Auge auf Wien geworfen hat. Die Air-Berlin-Tochter Niki könnte noch in diesem Jahr Flüge von Wien nach Abu Dhabi aufnehmen. Weiter ungewiss bleibt die Zukunft von Tyrolean. Eine Integration in die AUA wird bislang ausgeschlossen.

Das neue Sparpaket soll ab der kommenden Woche umgesetzt werden. Viel Zeit bleibt nicht, denn bereits im laufenden Jahr sollen bereits 220 Millionen Euro eingespart werden. Innerhalb des nächsten Monats will AUA auch bekanntgeben, welche Destinationen dem Rotstift zum Opfer fallen.

Stand: 11.01.2012 - 12:10 PM Uhr

Quelle: Sonja Dries, Roman Payer, Austrian Aviation Net

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