Artikel vom 26.01.2012 0

Zeitung: Trichet wird EADS-Verwaltungsratsmitglied

Der weltgrößte Luft- und Raumfahrtkonzern EADS erhält ein neues Führungsteam - möglicherweise mit einem überraschenden Neuzugang. Der ehemalige EZB-Präsident Jean-Claude Trichet wurde als neues Mitglied ins Spiel gebracht.

Jean-Claude Trichet, Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), beantwortet auf der Pressekonferenz der EZB in Frankfurt am Main am 08.09.2011 die Frage einer Journalistin. - © © dpa - Boris Roessler

Jean-Claude Trichet, Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), beantwortet auf der Pressekonferenz der EZB in Frankfurt am Main am 08.09.2011 die Frage einer Journalistin.

Jean-Claude Trichet (69), Ex-Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), winkt eine neue Aufgabe. Der Franzose soll Mitglied im Verwaltungsrat des Luftfahrt- und Rüstungskonzerns EADS werden, zudem der größte europäische Flugzeugbauer Airbus gehört, berichtet die in Paris erscheinende Wirtschaftszeitung «Les Echos» (Donnerstag). Der Spitzenbanker soll dem Bericht zufolge beim großen Stühlerücken an der EADS-Spitze Nachrücker für den Großaktionär Arnaud Lagardère werden, der Daimler-Finanzvorstand Bodo Uebber als Verwaltungsratsvorsitzenden ablösen soll.

Nach den offiziell unbestätigten Medienberichten wollte der elfköpfige Verwaltungsrat noch am Donnerstag am niederländischen Firmensitz von EADS Trichets Nominierung beschließen.

Allerdings würden die Änderungen erst bei der Aktionärsversammlung am 31. Mai in Kraft treten. EADS hatte schon zuvor eine Bestätigung abgelehnt, dass eine Entscheidung über die neue Führungsstruktur am Donnerstag fallen werde. Der Managementwechsels an der Spitze des deutsch-französischen Konzerns wird notwendig durch das altersbedingte Ausscheiden von EADS-Chef Louis Gallois (68). Nach einem 2007 zwischen Berlin und Paris ausgehandelten Besetzungsschema muss damit ein Deutscher auf den Franzosen Gallois folgen.

Als Kandidat steht bereits Airbus-Chef Tom Enders (53) fest, während dessen französischer Stellvertreter Fabrice Brégier (50) im Chefsessel des weltgrößten Flugzeugherstellers Platz nehmen soll. Das Stühlerücken war bereits Ende vergangenen Jahres erwartet worden, hatte sich aufgrund von Diskussionen um weitere Personalveränderungen infolge der Umbesetzungen aber verschoben. Für die Nachfolge von Brégiers Position - die nach der Vereinbarung einem Deutschen zukommen muss - ist der Daimler-Manager Günther Butschek im Gespräch. Eine offizielle Bestätigung gab es auch dafür nicht.

Die im Jahr 2000 aus der Fusion deutscher und französischer Luft- und Raumfahrtunternehmen entstandene EADS wies für 2010 einen Umsatz von 45,8 Milliarden Euro aus und beschäftigt rund 120 000 Mitarbeiter weltweit. Neben dem Wechsel an der Spitze von EADS und Airbus steht auch Daimlers weiterer Rückzug aus dem größten europäischen Luft- und Raumfahrtkonzern an. Daimler will sich von 7,5 Prozent trennen, die staatlich kontrollierte KfW Bankengruppe soll neuer Eigentümer werden, um das deutsch-französische Gleichgewicht bei den Anteilen zu wahren.

«EADS ist eine Wachstums-Story und eine Geld-Maschine», hatte der scheidende EADS-Chef Louis Gallois vor anderthalb Wochen auf einer Neujahrskonferenz im Hamburger Airbus-Werk erklärt. Es gelte nun, den Luft- und Raumfahrtkonzern trotz wachsender Konkurrenz profitabler zu machen und das internationale Profil zu schärfen.

Stand: 26.01.2012 - 5:28 PM Uhr

Quelle: dpa

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